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Autor
27-05-08 18:53:07
Tod meiner Schwester
Claudia
Ich habe meine Schwester im Jahr 2003 an einem Autounfall verloren. Ich war zu derzeit 15 Jahre alt. Ich hatte irgendwie keine Zeit zu trauern. Ich war eher die ganze Zeit für meine Eltern stark,als die es für mich waren. Dann ist meine allerbeste Freundin in diesem Jahr wo meine Schwester gestorben ist auch noch weg gezogen. Dann hab ich mit meiner Lehrstelle angefangen und da hat ich auch nur Stress mit mobing und so was. Und ab sagen wir mal Jahr 2006 fing es bei mir an ständig mit Krankheiten und so was. Und jetzt seit paar Monaten muss ich ständig bei allem weinen was ich sehe im fernsehen oder wenn ich jmd glückliches sehe. Ich werd auch schnell aggressiv. Ob das alles von meiner Schwester noch kommt? Es macht mich sehr fertig und ich bin auch noch arbeitslos zur Zeit. Okay das wärs erst mal.
11-09-08 16:29:34
Antwort an Claudia
Liebe Claudia,
leider sehe ich deinen Eintrag erst jetzt, hoffentlich hat sich deine Situation inzwischen verbessert, trotzdem: Was du schreibst, ist für mich unglaublich erkennbar: Nach dem Tod der Schwester selbst nicht trauern, keine Zeit, stark sein für andere, Monate später (zum ersten Mal im Leben) ständiges Kranksein: Ständige Kopfschmerzen, Erkältungen, Energie- und Lustlosigkeit, dann ständiges Weinen und auch Agression, und zuguterletzt die Frage, ob das alles wirklich noch Trauer ist?
Meine älteste Schwester ist im November gestorben, und um stark zu sein für die anderen, hab ich ihren Tod sehr schnell \\\\\\\\\\\\\\\"akzeptiert\\\\\\\\\\\\\\\" und mich auf die \\\\\\\\\\\\\\\"positiven\\\\\\\\\\\\\\\" Dinge konzentriert: Jetzt geht es ihr gut, irgendwann sehen wir uns wieder, Trauer ist daher eh \\\\\\\\\\\\\\\"egoistisch\\\\\\\\\\\\\\\". Ich hab mich um meine trauernde Mutter gekümmert, die Familie uterstützt, war für die Kinder meiner Schwester da.
Im Februar ging es dann los mit den \\\\\\\\\\\\\\\"grundlosen\\\\\\\\\\\\\\\" Weinkrämpfen, die ich mir nicht erklären konnte. Ich hatte meine Trauer doch nicht verdrängt? Ich hatte mich doch positiv auseinandergesetzt und Lösungen gesucht? Ja, hatte ich, ich hatte alles \\\\\\\\\\\\\\\"richtig\\\\\\\\\\\\\\\" gemacht und nach vorne geschaut, nur eins hatte ich nicht gemacht: Getrauert. Geweint. Um meinen ganz eigenen Verlust, um MEINE Schwester.
Inzwischen bin ich mir sicher, daß es nicht \\\\\\\\\\\\\\\"immernoch\\\\\\\\\\\\\\\", sondern \\\\\\\\\\\\\\\"endlich\\\\\\\\\\\\\\\" Trauer war und ist. Ich träume sehr viel von meiner Schwester, und in den Träumen ist sie krank und ich weiß, daß sie sterben muß. (Trotz Krankheit war ihr Tod plötzlich und wir konnten wie ihr keinen Abschied voneinander nehmen.) In den Träumen bin ich hilfloser als im wirklichen Leben, trotzdem freue ich mich immer, sie zu \\\\\\\\\\\\\\\"sehen\\\\\\\\\\\\\\\". Ein schlauer Mensch hat mal gesagt: Wenn jemand stirbt, bleibt alles gleich, die Liebe, die Vergangenheit, die Erinnerungen - es kommen nur keine neuen mehr hinzu. Wenn ich von ihr träume, kommen irgendwie doch neue Erinnerungen hinzu, und so lebt sie weiter.
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