Zusätzlicher Schmerz
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Zusätzlicher Schmerz



Im Brief von Leser Jürgen Michalke "Kohls Denkmalpflege" (FAZ vom 26. Juli) zu Ihrer Berichterstattung über die Trauerfeier zum Tode Hannelore Kohls heißt es: " Mir scheint gerade der Tod seiner Ehefrau dafür zu sprechen, daß er sein privates Umfeld zugunsten seiner Denkmalpflege vernachlässigte." Dieser Satz ist eine Ungeheuerlichkeit. Er ist ein Stich in die ohnehin schwer verletzte Seele nicht nur Helmuth Kohls, sondern aller Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren. Es klingt ganz so, als lege ein Suizid irgendein Versagen der beteiligten Familie nahe. Beim Tod durch Suizid scheint jeder ein Anrecht auf Be- und Verurteilung des Familienlebens zu haben. Eltern, deren Kinder Suizid begingen, wird oft unverhohlen erzieherisches Versagen und geringe Sensibilität im Umgang mit ihren Kinder vorgeworfen. Wer hält das auch - zusätzlich zum Schmerz um den Tod des geliebten Menschen?

In unserem Verein "Verwaiste Eltern in Deutschland e.V. suchen deshalb zunehmend Eltern Schutz, die nach dem Suizid ihrer Kinder unnötig zusätzlich leiden: unter dem Scham, schulzuweisender Nachrede und gesellschaftlicher Isolation. Ich wünsche Leser Michalke einen Zugewinn an Sensibilität im Gebrauch von Argumenten, denn nach seiner eigenen Theorie wäre sonst sein Umwelt hochgradig suizidgefährdet.

Gabriele Knöll, Reppenstedt

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom  01.08.2001

"Briefe an die Herausgeber"

 

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