Verwaist aber überhaupt nicht allein
Ein Tag auf unseren Stand auf dem Kirchentag
Wie soll das gehen - 18 Monate nach dem Tod unseres Sohnes - an einem "Messestand" auf dem Markt der Möglichkeiten den tausenden Flaneuren, Neugierigen, Interessierten, vielleicht auch Betroffenen entgegen treten?
Aber schon der Aufbau nimmt manche Angst - Petra Hohn und Karin Grabenhorst haben alles dabei, und das Fehlende wird von den Nachbarn geliehen oder noch schnell besorgt. Zuversicht und gute Laune sind die Grundlage alles Gelingens.
Karin hat die 1000 CD's von "So früh vor deiner Zeit" endlich aus der Fertigung abholen können, die Generalprobe von "Siris Reise" am Abend zuvor hat sie ebenfalls geschafft, unser neuer Flyer ist auch pünktlich fertig geworden - der Kirchentag kann also beginnen.
Und bei uns am Stand - zwischen Krankenhausseelsorge und kirchlicher Trauerbegleitung- ist vom ersten Tag an genug "los":
- eine Hebammenlehrerin aus Bremen bedankt sich für die wunderbare Fortbildung, die Heiner Melching bei ihnen gemacht hat.
- ein Notfallseelsorger aus dem Westfälischen schildert die Probleme beim Überbringen "der" Nachricht. Schnell wird daraus ein intensives Gespräch, wie wir unsere Erfahrungen als Betroffene in die Schulung der Polizei einbringen können.
- immer wieder fragen Menschen nach den Texten von Astrid Lindgren und anderen, die an der Wand unseres Standes hängen und schreiben sie ab, lesen konzentriert in den bereit liegenden Schriften.
- eine Malerin aus Stuttgart berichtet von ihren Bildern zu Winnenden und will uns Fotos davon mailen.
- Religionslehrerinnen, Erzieherinnen und Leiterinnen (es waren wirklich fast nur Frauen) von Selbsthilfegruppen bitten um Material und tauschen sich mit uns aus.
- und immer wieder Menschen, die selbst oder in ihrer Nähe die gleiche Katastrophe erleiden mussten....
Wir sind schnell ein Team am Stand. Jürgen Erlwein, unser Schatzmeister des Bundesverbandes, ist eigentlich die ganze Zeit da, so dass wir anderen uns ab und an mal eine Auszeit nehmen können. Wir andern das sind Stephan, Hannelore, Anke, Klaus, Detlef und Anke und einige mehr, die ich nicht kennen gelernt habe. Einige haben sich genau wie ich überwinden müssen, der ihnen unbekannten Menge gegenüber zu treten, andere sind schon bei anderen Gelegenheiten dabei gewesen und wissen, dass diese Arbeit nicht nur dem "Publikum" hilft, sondern auch uns selbst.
Detlef Gieseke, Verwaiste Eltern und Geschwister Bremen e.V.