Antworten auf häufig gestellte Fragen
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Journalisten fragen, wir antworten:



    Ein Kind verlieren, ist für viele Menschen das Schrecklichste, was ihnen im Leben passieren kann. Wie kann ein Mensch mit dem Tod des eigenen Kindes weiterleben?



    Wichtig für das Leben nach diesem schrecklichen Ereignis, dem Tod des eigenen Kindes ist in erster Linie, die Trauer zuzulassen. Nicht Verdrängung, sondern eher die Auseinandersetzung mit dem Tod, mit dem Verlust, mit der Trauer, hilft Betroffenen, sich im Alltag - anders - aber doch wieder zurecht zu finden. Hilfreich können dabei Freunde sein, die einfach da sind, zuhören - ohne vorschnelle Worte - die selbst die Trauer zulassen und zulassen, dass die betroffene Mutter, der betroffene Vater trauert.

    Hilfreich sind Angehörige oder Nachbarn, die Arbeiten im Haushalt abnehmen oder sich auch um die betroffenen Geschwisterkinder kümmern.

    Rita Kullen, betroffene Mutter

    Kann der Glaube an Gott in dieser Situation Halt geben?



    Für viele Betroffene gibt der Glaube Halt. Für andere wiederum bricht der Glaube in sich zusammen

    und wird völlig in Frage gestellt. Es ist für viele schwierig den liebenden oder gnädigen Gott zu  erkennen, gerade wenn das eigene Kind, die Zukunft, gestorben ist.

    Bei vielen findet eine Wandlung des Gottesbildes statt. Der Gott der Bewahrung (der verhindert, dass etwas passiert) weicht dem Gott der Liebe (der den Trauernden begleitet, stützt und versteht). Inwieweit Betroffene mit ihrem kirchlichen Umfeld zurechtkommen, hängt häufig davon ab, wie  der

    Pfarrer, die Pfarrerin, der Pastor, die Pastorin oder aber auch die Mitchristen reagieren, ob der Betroffene von christlichen Normen erdrückt wird oder ob er in seiner Trauer ernst und angenommen ist.

    Rita Kullen, betroffene Mutter

    Was bietet der Verein Verwaiste Eltern an konkreten Hilfen für Betroffene an?



    Dem Verein gehören bundesweit über 500 Selbsthilfegruppen bzw. angeleitete Trauergruppen an, in die wir vermitteln. In diesen Gruppen finden betroffene Menschen, die zuhören, die Ähnliches erlebt haben und die in vielen Dingen ähnlich reagieren und die selben Schwierigkeiten haben.

    Hier können sie über ihre Probleme reden und hören auch, wie andere mit ihren Problemen umgehen. Vereinzelt finden auch persönliche Beratungsgespräche statt.

    Daneben bieten wir Informationen und Literatur, nicht nur für betroffene verwaiste Eltern, sondern auch für Berufsgruppen oder Menschen aus dem persönlichen Umfeld von Betroffenen. Eine Fülle von Informationen findet sich im Internet unter www.veid.de.

    Neben selbst durchgeführten Tagungen erhalten Sie über uns Informationen von Trauerseminaren und Wochenenden, an denen Kontakt und Austausch von Betroffener oder auch von Gruppenbegleitern möglich ist. Die Qualifizierung der Trauerbegleiter liegt uns ebenso am Herzen.

    Rita Kullen, betroffene Mutter

    Wie lange dauert in der Regel die Trauer um ein verstorbenes Kind?



    Jeder Mensch trauert anders. Von daher ist der Trauerprozess auch sehr individuell. Mit Sicherheit ist die Trauer um ein Kind nicht nach einem Jahr abgeschlossen. Mit dem Kind stirbt ein Stück Zukunft. Damit können sich Betroffene nicht abfinden. Sterben Eltern, so ist dies eine normale Abfolge, mit der man sich eines Tages arrangieren kann. Sterben jedoch die Kinder vor den Eltern, stellt dies die natürliche Reihenfolge auf den Kopf. Damit kommen die Betroffenen im Allgemeinen sehr schwer zu Recht. Es gilt den Tod des Kindes in das eigene Leben mit hinein zu nehmen. Letztlich dauert das bis zum eigenen Tod.

    Rita Kullen, betroffene Mutter

    Wann können verwaiste Eltern wieder ein normales Leben führen?



    Sehr häufig führen verwaiste Eltern kurz nach dem Tod ein für Außenstehende "normales" Leben. Letztlich "funktionieren" viele Eltern, wollen mit dem Tod zurecht kommen oder stark sein für den Partner und die Geschwisterkinder. Irgendwann  ist das für viele jedoch nicht mehr möglich. Durch die Trauer verändert sich vieles. Zuerst einmal innerhalb der Familien: die Beziehung zum Partner oder auch zu den lebenden Kindern verändert sich. Jeder muss seinen Platz neu finden. Die Beziehungen zu Freunden und Bekannten ändern sich. Viele müssen die Erfahrung machen, dass Freundschaften zerbrechen, weil sich bisherige Freunde nicht (oder nicht mehr) mit dem Thema Tod auseinandersetzen möchten. Die eigenen Werte verändern sich. Was vorher wichtig war, verliert plötzlich an Stellenwert. Und ganz andere Dinge werden wichtig. Von daher werden verwaiste Eltern nie wieder wie vorher sein, jedoch ist es nach (untrschiedlich) langer Zeit wieder möglich am Leben auch in der Gesellschaft teil zu nehmen.

    Rita Kullen, betroffene Mutter

    Viele Leute tun sich schwer mit Verwaisten Eltern umzugehen. Sie haben Angst die Wunde wieder aufzureißen. Wie kann man sich richtig verhalten?



    Verwaiste Eltern denken sehr häufig an ihr verstorbenes Kind. Das Gespräch über das Kind und dessen Tod reißt in der Regel keine Wunde auf, da die Betroffenen sich eh damit beschäftigen. Vielmehr empfinden dies viele Eltern als hilfreich, da ihr Kind nicht auch noch tot geschwiegen wird. Normalerweise sind Gespräche positiv. Jedoch möchten oder können auch nicht alle Eltern über den Tod ihres Kindes reden. Wir empfehlen daher, das Angebot zum Gespräch zu machen. Damit haben die Eltern die Möglichkeit Gespräche zu führen oder auch abzulehnen. Offenheit und Einfühlsamkeit, durchaus auch das Eingestehen der eigenen Probleme mit dem Umgang, sind hilfreich.

    Rita Kullen, betroffene Mutter

    Gibt es Unterschiede in der Trauer von Vätern, Müttern und Geschwistern?



    Es sind sehr wohl Unterschiede feststellbar. Ob diese Unterschiede jedoch männer- oder frauenspezifisch oder aber einfach persönlichkeitsspezifisch sind, bleibt dahingestellt. Maßgebend ist, wie jeder Einzelne mit seinen Gefühlen umgeht und seine eigene Trauer zulässt. Bei Geschwistern ist noch zu beachten, dass neben dem Tod des Bruders oder der Schwester auch die Beziehung zu den Eltern anders wird. Viele Kinder versuchen stark zu sein und ihre Eltern noch zu trösten. Kinder brauchen häufig auch für ihre Trauer das Zulassen der Trauer durch die Eltern. Sie orientieren sich oft unbewusst an den Eltern. Wenn Eltern die Trauer zulassen und über ihre Trauer reden, ist es für viele Kinder hilfreich, ebenfalls die Trauer zu leben. Je nach Alter äußert sich die Trauer der Kinderunterschiedlich, häufig auch in Bildern.

    Rita Kullen, betroffene Mutter

    Wie können Verwandte und Bekannte helfen?



    Nach dem Tod eines Kindes bleiben Vater, Mutter und Geschwister zurück, jeder für sich zutiefst erschüttert. Darum ist es ganz wichtig, dass Verwandte und Bekannte sich den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stellen, als Gesprächspartner und Vertrauensperson. Es wird die ganze Familie entlasten, wenn diese Menschen die Bedürfnisse der Geschwister mit im Augen behalten und sie zum Beispiel zum Kindergarten- oder Schulfest begleiten, solange die Eltern das nicht können.

    Gabriele Knöll, betroffene Mutter

    Müssen trauernde Kinder und Jugendliche unbedingt über ihre Gefühle sprechen?



    Sie sollten zumindest die Chance dazu haben. Mit den Eltern sprechen Kinder oft nicht gern, da sie sie nicht noch mit der eigenen Trauer belasten wollen. Auch andere sollten reagieren: Ein Lehrer zum Beispiel, der die Trauer seines Schülers erkennt und ihm das auch zeigt, kann sehr viel Einsamkeit lindern.

    Gabriele Knöll, betroffene Mutter

    Ist es hilfreich, mit anderen, die trauern, Kontakt zu haben?



    Ja, denn so erfährt man oft, dass man nicht allein ist mit seinem Schicksal. Man erkennt, dass man offensichtlich weiterleben kann und dass das eingene Erleben "normal" ist.

    Gabriele Knöll, betroffene Mutter

    Wo trifft man Betroffene?



    Auf Trauerseminaren, die in fast allen größeren Städten inzwischen auch für Geschwister angeboten werden. Unsere Website bietet eine spezielle Themenseite für trauernde Geschwister, beispielsweise mit Berichten von Betroffenen und Gesprächsmöglichkeiten. Auch diejenigen finden Rat, die mit trauernden Geschwistern Kontakt haben und wissen möchten, was sie tun können.

    Gabriele Knöll, betroffene Mutter

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