Am 22. Mai trafen sich wieder die Gruppenleiter aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig. Allen war die Freude über das Wiedersehen
und den Austausch anzumerken, verbinden sie doch jahrelange Erfahrungen in ihrer Region und größtenteils auch als selbst betroffene Eltern. Dank der liebevollen Vorbereitung durch die »guten Geister« in der Geschäftsstelle, Silke Friederici und Christine Schneider, war es für alle gleich wie ein Nach-Hause-Kommen. Doch diesmal wurde die Veranstaltung vor allem durch
einen kompetenten Gast bestritten: Die Lebensberaterin und Supervisorin Sabine Horsch aus Erfurt leitete die Teilnehmer an, über ihre Gruppenarbeit
zu reflektieren. In der Geschäftsstelle in Leipzig selbst treffen sich regelmäßig eine offene und eine geschlossene Gruppe. (Inzwischen wurde auch ein Trauercafé als regelmäßiges offenes Angebot eingerichtet.) So ergeben sich überall ähnliche Probleme. Vieles wurde besprochen, manches musste als Frage im Raum stehen bleiben.
Was tun, wenn Bildungsniveau und Erfahrungshintergrund der Gruppenteilnehmer extrem unterschiedlich sind? Hier sind besonders zugeschnittene kreative Angebote gefragt. Wie können Neue mit sehr großer »Trauerenergie« eingebunden werden, ohne dass die Gruppe darunter leidet?
Das Herz geht den Zuhörern auf, wenn Gruppenleiter von den kleinen Ritualen berichten, die bei allen ähnlich und doch immer individuell sind.
Ein »Dauerbrenner« für Gruppenleiter, so auch hier im Gespräch mit der Supervisorin, ist das Verhältnis von Abgrenzung und Einbringung der
eigenen Persönlichkeit. Wie schütze ich mich, um nicht selbst traumatisiert zu werden? Die Gruppenleiter hier waren sich einig, dass die eigene
Geschichte sehr oft als »Türöffner« dienen kann.
Elementar wichtig, so die erfahrenen Gruppenbegleiter, ist vor allem die Klarheit darüber, wo ich selbst im Ausgleich von Geben und Nehmen
stehe. So gab es ganz praktische Tipps, um den Energiefluss im Gleichgewicht zu halten: Arbeitsteilung und Austausch miteinander pflegen Conny und Holger Günther. Rasenmähen, Garten und Hund lenken andere ab. Schon die Vorfreude auf den Urlaub und auf Ausschlafen stärkt ungemein; Laufband, Sport und Fitness ebenfalls. Auch »Blödfernsehen« und »Abhängen« helfen beim Abschalten.
Aber die zeitliche und räumliche Abgrenzung fällt allen Menschen in helfenden Bereichen schwer. Da hilft nur, das Telefon auf den
Anrufbeantworter zu schalten und wenigstens einen Tag in der Woche nicht in die E-Mails zu schauen. Sabine Horsch kennt alle diese Gefahren
selbst. »Jeder kann auf eigenen Füßen kommen, ich bin nicht ihre Mutter«. »Die Leute sollen kommen, nicht umgekehrt«. »Ich allein kann die
Welt nicht retten«. Diese Sätze immer mal vorsagen – hilft das? Gruppenleiter müssen oft einen übergroßen Spagat versuchen, den sie nicht leisten können. Dabei ist Gruppenarbeit nur ein Baustein der Hilfe. Doch Zahl und Qualität von Therapeuten reichen nicht aus, so dass oft die Laien
gefragt werden, wo Profis hingehören. Holger Günther sprach noch ein weiteres Problem an: Da Trauer nicht als Krankheit definiert wird –
mit Recht – fehlt oft nicht nur die Anerkennung durch die Krankenkassen, sondern auch die der Gesellschaft überhaupt.
Am Ende brachte Silke Friederici den Eindruck dieses Treffens auf den Punkt: »Ich bin dankbar für das Erleben, wie unterschiedlich wir alle sind«, sagte sie. »In anderen Gruppen läuft manches anders, aber es funktioniert trotzdem!«
Von der Geschäftsstelle des Bundesverbandeskam leichte Kritik: Die Rückmeldung der etwas 40 Gruppen Mitteldeutschlands war zu zögerlich gewesen.
Umso konstruktiver und erfreulicher war das Gespräch mit den Trauerbegleitern aus Stadt und Landkreis Leipzig, Magdeburg, Ostthüringen,
Erfurt und dem Erzgebirge.
Für das nächste Mal wünschen sich die Gruppenleiter mehr zu den Themen »Rituale« und »Werkzeuge« sowie »Vernetzung in der eigenen
Region«.
Beate Bahnert
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Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V.