Fürstin Gabriela Sayn-Wittgenstein-Sayn

 

Ich bin froh und dankbar, dass heute Vertreter von Verbänden anwesend sind, die Eltern, Müttern und Vätern, in schwierigen Situationen zur Seite stehen, und möchte stellvertretend für den Bundesverband verwaister Eltern in Deutschland, die Vorsitzende Frau Petra Hohn, Frau Textor vom Hospizverein Löwenzahn aus Koblenz und meine Mitstreiter von Lichtzeichen begrüßen. Sie sind die Ansprechpartner in der Not, Sie helfen Menschen in verzweifelten Situationen.

Liebes Ehepaar Todtenhausen
Ich spreche bewusst Sie beide an, weil diese Ausstellung mit Bildern, die von Wolfgang Todtenhausen geschaffen wurde, dennoch ein gemeinsames Werk ist. Es ist auf der einen Seite eine Liebeserklärung an Ihre Julia, auf der anderen Seite ist es Ihrer beide ausgestreckte Hand, anderen Menschen, die ein ähnliches Schicksal erleiden mussten wie Sie, zu helfen und Ihnen die Worte, den Trost zu geben, die sie sich nicht selbst geben können.

Die Zeichnungen von Herrn Todtenhausen sind entstanden und geprägt durch starke Gefühle, wie Schmerz, Verlassen sein, Trauer. Zumindest auf den ersten Blick hin, wirken sie nicht positiv, denn sie behandeln ein Thema, das wir heute am Liebsten aus unserem Leben ausblenden: Den Tod.

Umso dankbarer bin ich der Sparkasse Koblenz, dass sie es möglich gemacht hat, die Ausstellung in ihren Räumen zu zeigen. Das Thema ist für jeden von uns wichtig, da wir uns todsicher irgendwann damit auseinandersetzen müssen.

Das Ehepaar Todtenhausen musste sich früher als geplant damit auseinandersetzen. Sie verloren vor wenigen Jahren ganz plötzlich ihr geliebtes Kind, ihre Julia, im Alter von nur neun Jahren. Es ist immer sehr, traurig wenn man einen nahen Angehörigen verliert, wie die Großeltern oder Eltern, aber das ist normal, das ist der Lauf der Dinge.

Ein Kind zu verlieren ist anders. Denn normalerweise überlebt ein Kind seine Eltern. Eltern sehen ihr Kind aufwachsen, umgeben es mit Liebe und Fürsorge, freuen sich an der Entwicklung ihres Kindes, haben Hoffnungen, Erwartungen.

Und eines Tages ist das vorbei, plötzlich oder manchmal auch mit Vorwarnung.

Da bricht etwas zusammen, das sich nicht erklären lässt, es sei denn man hat es selbst miterlebt.

Die Mitmenschen reagieren liebevoll, fürsorglich, haben auch Verständnis für die Trauer, aber wirklich mitfühlen können sie nur begrenzt - zeitlich und gefühlsmäßig -. Das ist kein Vorwurf, das ist eine Feststellung und ich habe Verständnis für diese Reaktion, kenne, - besser kannte - sie auch von mir selbst.

Als Julia starb brach für Familie Todtenhausen ihre gesamte Welt zusammen, sie fühlten sich der Zukunft beraubt. Die quälende Frage nach dem Warum stellte sich.

Mit diesem Stachel im Herzen begann Herr Todtenhausen ein Buch zu schreiben - ich glaube, er schrieb seinen Schmerz in das Buch - und er widmete sich der Kunst.
 
Heute können wir hier seine Bilder sehen, Kohlezeichnungen und Collagen.
Auf den ersten Blick wirken die Bilder nicht positiv, sagte ich vorhin, ja man muss schon einen zweiten, intensiven darauf werfen um sich davon berühren zu lassen. Und dann wirken sie positiv.

Durch die Untertitel und Beschreibungen erfährt jeder der ein ähnliches Schicksal hatte, dass er im Leid nicht alleine ist, dass andere Betroffene ähnlich fühlen.
Bei Nichtbetroffenen werben die Bilder um Verständnis dafür, dass Eltern die ein Kind verloren haben auch dieses nach vielen Jahren noch schmerzlich vermissen, dass sich die Lücke, die ihre Kinder hinterließen, nicht geschlossen hat, sondern bewusst offengehalten wird.

Auch bei Todtenhausens ist auf der einen Seite die Lücke die Julia hinterließ offen, auf der anderen Seite sind die Spuren die Julia hinterließ auch heute noch sehr deutlich durch die Arbeit ihres Vaters. Es sind Spuren, die bleiben werden, weil Wolfgang Todtenhausen den Schmerz durch die Liebe für sein Kind in etwas positives und etwas hilfreiches für andere Menschen verwandeln konnte.
 
Heute Morgen las ich auf einem Kalenderblatt: Wer geliebt wird kennt keinen Tod, denn Liebe ist unsterblich -oder noch besser, sie ist göttlichen Ursprungs.


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