Sie werden in einer Situation zu Hilfe gerufen, die zu den schwersten Aufgaben zählt: ein Kind ist gestorben. In dieser Situation sind alle Anwesenden betroffen: Die Familienangehörigen inklusive der Kinder, die möglicherweise noch anwesenden Rettungskräfte, Vertreter der Polizei…und natürlich auch Sie selbst. Diese Hinweise wurden zusammengestellt, um Ihnen den Umgang mit den Besonderheiten dieses Einsatzes hinsichtlich Ihrer eigenen Gefühle und der der Familie zu erleichtern.
Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch unsere Broschüre: Hinweise für Rettungsdienste, Notfallseelsorge und Krisenintervention. Näheres dazu finden Sie hier:
Hören Sie auf Ihre eigenen Gefühle
Machen Sie sich Ihre eigenen Unsicherheiten und Ängste klar, bevor Sie das Haus betreten. Schauen Sie auf sich selbst um zu ergründen, was Sie selbst in dieser Situation gebrauchen können, um das mitzutragen, was eigentlich nicht auszuhalten ist, den Tod eines Kindes.
Versuchen Sie nicht, sich emotional von der betroffenen Familie abzugrenzen in der Annahme, dass dies Ihre Professionalität fordere. Authentische Anteilnahme. am Schmerz, kann sogar eine besondere Art der Bindung schaffen. Wenn Sie Gefühle oder gar Ihre Ohnmacht zeigen, bedeutet das nicht zugleich, dass Sie Ihre Objektivität und Professionalität verlieren.
Seien Sie einfach da
Es gibt keine einfachen Antworten die man der Familie geben kann, wenn ein Kind gestorben ist. Versuchen Sie deshalb gar nicht erst Antworten zu finden auf mögliche Fragen nach dem WARUM, warum dieses Kind, warum diese Familie, warum jetzt, warum so, warum Gott das zugelassen hat oder ähnliches. Halten Sie statt einer vorschnellen Antwort lieber die Qual der Fragen mit aus. Sie dürfen auch ruhig zugeben, wenn Sie selber ratlos sind. Sie werden sehen,, wenn Sie den Kontakt zur Familie halten, dass die Familienmitglieder eines Tages selber die für sie passenden Antworten finden werden, mit denen sie leben können. Jetzt ist es wichtig, einfach da zu sein und sie dies spüren zu lassen.
Hören Sie zu
Trauernde Menschen müssen ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. Das, was Sie hören werden, kann Unbehagen auslösen, manchmal haben Sie vielleicht sogar das Gefühl, dass die vorgetragenen Gefühle nicht der Wahrheit entsprechen. Seien Sie froh, dass Sie das nicht bewerten und beurteilen müssen. Nehmen Sie es einfach so hin, zumindest für diese Zeit, und geben Sie der Familie damit das Gefühl der unvoreingenommenen Akzeptanz. Das bedeutet den Trauernden oft mehr als ein geistliches Wort.
Akzeptieren Sie die Qual und den Schmerz der mit Trauer verbunden ist
Trauer verursacht ungeheure Schmerzen. Manche Betroffenen beschreiben es so, als würden sie innerlich auseinander gerissen, als würde ihnen wirklich jemand körperlich aus dem herzen gerissen. Erwarten Sie nicht, dass besonders gläubige Menschen weniger Schmerz empfinden. Es mag sein, dass der Glaube ihnen auf Dauer einen Halt zu geben vermag und sie den Glauben als Hilfe erleben um mit der Trauer leben zu lernen, aber das wird nichts an der Tiefe des Schmerzes ändern. Es ist gesund, seine Trauer auszudrücken, und je nach Persönlichkeit und Temperament fällt das auch unterschiedlich intensiv, laut oder leise, erkennbar oder zurückgehalten aus. Helfen Sie den Trauernden, den ihnen angemessenen Weg zu gehen.
Vermeiden Sie Klischees wie: "na ja, sie haben ja noch andere Kinder", "Sie sind ja noch jung und können weitere Kinder haben", "Es war Gottes Wille", oder "Für ihn/sie ist es besser so", "er/sie ist jetzt bei Gott" oder "jetzt haben Sie einen Engel im Himmel". Einige Betroffene fühlen sich durch solche Ideen vielleicht getröstet, bei vielen verursachen sie aber sehr negative Gefühle.
Lassen Sie auch Stille zu
Geistliche sind zwar geschult, die richtigen Worte für verschiedene Situationen zu finden, aber wenn man einer Familie gegenübersteht, die ein Kind verloren hat, so sind wenige Worte manchmal die Besseren. Befreien Sie sich von dem Druck, man erwarte von Ihnen kluge Worte in dieser Situation. Lassen Sie ruhig auch Stille zu. Diese Stille gibt der Familie Raum zum Weinen, vor Wut zu schreien, zu zweifeln oder selbst einfach ganz still zu sein. Diese liebevolle Stille ist sehr wertvoll für die betroffenen Familien.
Sein Sie offen für eine Langzeitbetreuung
In den ersten vier -fünf Wochen nach dem Tod eines Kindes erhalten die Familien oft Unterstützung, doch von da an fühlen sie sich häufig sehr einsam und isoliert. Besuchen Sie die Familie auch weiterhin, bieten Sie sich als Zuhörer an. Rufen Sie sie auch ab und zu an um zu zeigen, dass Sie noch immer an sie denken. Besonders zu Urlaubszeiten, Geburtstagen und Todestagen braucht die Familie jemanden, der ihnen beisteht., der zeigt, dass das Kid auch für andre Menschen nicht vergessen ist. Erwähnen Sie den Namen des Kindes und helfen Sie den Eltern dabei, sich an schöne, lustige aber auch an schmerzhafte Dinge zu erinnern.
Helfen Sie betroffenen Eltern, den Wert von Selbsthilfegruppen zu entdecken
Trauernde Eltern sind auf Sie angewiesen. Viele Eltern und Familien können darüber hinaus von Selbsthilfegruppen wie den Verwaisten Eltern profitieren. Ermutigen Sie die Familie, sich eine Selbsthilfegruppe anzuschauen. Betroffene sind häufig auf Hinweise angewiesen, da sie selbst solche Angebote nicht kennen oder sie mit ihrem zur Zeit eingeschränkten Blick nicht wahrnehmen.
Spenden Sie Trost
Da. Sein und zuhören ohne jede Bewertung ist oft der beste Trost. Seien Sie präsent und hören sie zu. Helfen Sie den Eltern zu erkennen, dass Gott auch in Zeiten des größten Schmerzes für seine Menschen da ist. Teilen Sie ihren Glauben auf eine vorsichtige Art und Weise. Bedenken Sie, dass Gottes Liebe nicht besser verständigen kann als Ihre mitfühlende Präsenz.
©The Compassionate Friends (TCF) USA - used by permission
©Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V. und Eva Knöll für die deutsche Übersetzung und Überarbeitung
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Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V.