Marius starb im Alter von 18 Jahren auf den Gleisen eines Zuges

Wir sind tief in unserem Herzen berührt und wir wissen gar nicht, wie wir Trost finden können.

Wir wollen nicht glauben, was geschehen ist und wir verstehen es auch nicht wirklich.

Aber nun sind wir heute hier und müssen annehmen, was uns unannehmbar erscheint.

Unser Herz muss lernen zu akzeptieren, dass Du, lieber Marius, diesen Weg für Dich gewählt hast.

Wir wollten Dich so gerne hier halten.

Wir denken, dass unser Leben lebenswert und schön sein kann und dass es kostbar ist. Doch für Dich war es wohl in letzter Zeit anders. Du wolltest nicht mehr weiterleben, Du konntest es wohl nicht. Das verstehen wir nun, da Du so mutig warst, diesen Weg zu gehen, der uns so erschreckt und der uns so verletzt hat.

Nichts hielt Dich mehr hier.

Wir wissen nicht wirklich, wie Du Dich gefühlt hast. Und das belastet uns. Vielleicht hätten wir doch etwas tun können, vielleicht hätten wir manches anders machen müssen. Selbstvorwürfe und Schuldgefühle liegen auf unseren Herzen.

Und viele unbeantwortete Fragen bleiben zurück und soviel Ungelebtes, wir wollten noch so viel Schönes mit Dir teilen im Leben.

Doch wir werden nun den Blick auf das richten, was uns trösten kann.

Du wolltest Veränderung und Verwandlung für Dich, so versuchen wir es zu sehen.

Und wir hoffen und vertrauen darauf, dass Du nun frei bist von aller Last des Lebens, wir wollen glauben, dass Du nun an einem Ort bist, wo Du in Frieden sein kannst. An einem Ort, wo Du nichts erreichen musst, wo Du nichts werden musst, wo Du nur sein darfst. An einem Ort, wo alle Wünsche und alle Sehn-süchte gestillt sind und wo wir alle irgendwann tiefe innere Ruhe finden werden.

An einem Ort des Lichts, der Liebe und der allumfassenden Geborgenheit.

Wir trauern um Dich, Marius, Deine Eltern, Deine Großeltern, Deine Familie, Deine Freunde und die Men-schen, die Dir von Herzen verbunden waren und die nun die Trauer mittragen, wir stehen hier und wir sind voller Traurigkeit und Schmerz.

Die Erinnerung an Dich wollen wir in unseren Herzen bewahren.

Du kamst auf die Welt und Deine Eltern waren voller Glück und Freude über Deine Geburt, Du warst der Sonnenschein in ihrem Leben.

Du hast Fröhlichkeit und Freundlichkeit verströmt wohin Du auch kamst und alle hatten Dich gern.

Du konntest versinken in Dein Tun, Du hast gespielt und gebastelt mit Hingabe, später hast Du mit Holz gearbeitet und Du hast es sehr gut gemacht, und am liebsten warst Du draußen in der Natur, in der Son-ne, und Du hast das Wasser und den Matsch geliebt, Teiche und Bäche und die Steine, ja, die Schönheit eines Steines konnte Dich völlig begeistern.

Du hast die Tiere so geliebt, Deine Katzen Pitsch und Grobi. Und Du konntest nicht genug Geschichten hören, besonders Gute-Nacht-Geschichten.

Deine Eltern haben Dir viel Liebe und Fürsorge gegeben und sie wollten Dich unterstützen auf Deinem Weg ins Leben.

 

Marius,

Du warst auch zart und empfindsam, wie eine kleine Pflanze

Im Sturm konntest Du in der Wirklichkeit der Welt nicht richtig Wurzeln schlagen. Die Anforderungen und die Konkurrenz in unserer Gesellschaft drückten Dich nieder, und Deine Krankheit auch, und Du konntest den Weg nicht finden zu einem erfüllten Leben, zu einem Platz für Dich, den es sicher für Dich gegeben hätte. Und unsere unvollkommene Hilfe hatte nicht genug Kraft Dich zu halten.

Wir haben Deine Begabungen gesehen und wir hätten uns gewünscht, dass Du sie ein ganzes Leben lang voller Freude hättest leben können.

Doch wo wir einen leichten Weg für Dich vermuteten, da war für Dich der Weg voller

Hindernisse und schwer und Du konntest ihn nicht weitergehen.

Wir wollen in der Zeit der Trauer lernen, Dich freizugeben für eine andere Existenz. Und wir wollen Dich nun, da Du gestorben bist, nicht mehr festhalten und an uns binden mit Vorwürfen, Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen.

Und wir wollen den Weg der Vergebung suchen.

Wenn wir Dich verletzt oder gekränkt haben, dann wollen wir Dich bitten, uns zu verzeihen. Und wir wollen auch Dir vergeben.

Wir wissen ja, wie unvollkommen wir Menschen sind in unserem Denken, Handeln und Reagieren. Wir spüren ja unsere Fehler und doch suchen wir immerzu nach einem guten Weg.

Und wir wollen das weiter tun, wir wollen weiter nach einem guten Weg für uns alle suchen. Wir wollen gerade jetzt, wo Du uns verlassen hast, noch achtsamer sein und unsere Wahrnehmung für das, was um uns geschieht, noch verbessern.

Wir wollen uns den Menschen gegenüber öffnen und uns nicht verschließen mit unserem Schmerz.

Die Liebe, die Dir galt und die wir weiterhin für Dich empfinden, werden wir nun anderen Menschen ent-gegentragen, damit sie nicht verloren geht.

Und es wird uns trösten, dass wir Dir in unseren Gedanken und in unseren Träumen und Erinnerungen jederzeit begegnen können.

Wir vertrauen den heilenden Kräften, die immer wieder in unserem Leben wirken.

Und vielleicht ist es ja wirklich wahr, dass wir uns alle irgendwo, irgendwann wiedersehen werden.

Die Linien des Lebens sind verschieden,

wie Wege sind und wie der Berge Grenzen.

Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen

mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.

Friedrich Hölderlin

 

Worte von Frau Prahl

Herr Werner Gürtler spielt Posaune

Gebet: Gott im Himmel...

Ausgang

Am Grab: “Du stehst an meinem Grabe...”

Ein Gedicht, das Martina zur Trauerfeier mitbrachte.

Du stehst an meinem Grabe - doch trauere nicht,

denn ich liege nicht hier und schlafe.

Ich bin der Wind, der dich umspielt,

die Sonne über den Feldern

Ich bin die Schneeflocke in der Luft,

der Regen über den Wäldern.

Ich bin der Vogel; der singend ruft

der Stern, der dich grüßt aus der Ferne.

Ich bin bei dir, wenn die Sonne sinkt –

du weißt doch, ich sah es so gerne.

Ich bin bei dir, ob Nacht oder Licht,

geh ruhig zum Grabe, doch weine nicht,

denn ich liege nicht hier und schlafe.


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