Praktikum 18.2.-30.3.2008 (Denise Nagel)
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Mein Praktikum beim Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V.



 

Vom 18.2.2008 bis zum 30.3.2008 absolvierte ich ein Praktikum in der Leipziger Bundesgeschäftsstelle, des Bundesverbandes Verwaiste Eltern in Deutschland e.V.

Das Praktikum ist ein Pflichtteil meines Psychologiestudiums und sollte mir helfen einen Einblick in praktische Tätigkeiten zu bekommen.  Die Wahl eines Praktikumsplatzes fiel mir nicht leicht, allerdings interessierte ich mich schon des Längeren für die Tätigkeiten von VEID, denn ich finde die Aufgaben des Bundesverbandes einfach wichtig. Umso mehr freute ich mich schließlich über eine Zusage des Praktikumsplatzes.

Von meinem Umfeld (Familie, Freunde, Kommilitonen) erntete ich eher ungläubige  Blicke und fragende Gesichter.  „Wieso denn ausgerechnet sowas?“, „Willst du dich etwa den ganzen Tag mit dem Tod beschäftigen? Die Lebenden haben doch schon genug Probleme.“, „Ist das nicht viel zu belastend für so eine junge Frau?“ Diese und viele weitere Fragen konnte ich mir mehrfach anhören und doch es blieb dabei, ich trat das Praktikum an. Dennoch muss auch ich gestehen, nicht ohne Zweifel. Dass ich „die Sache“ gut fand, daran änderte sich nichts, allerdings war auch ich mir nicht sicher, ob mir der tägliche Umgang mit Tod, Trauer und Sterben nichts ausmachen würde, schließlich hatte ich bis dahin noch keine Erfahrungen mit dem Thema.


Ich wurde sehr offen von Frau Hohn empfangen und dieses offene, warme Klima zog sich durch das ganze Praktikum. Die zu erledigenden Arbeiten waren vielseitig. Natürlich waren es nicht immer Arbeiten, die das Herz eines Psychologiestudenten höher schlagen ließen, so mussten zum Beispiel die Mitgliedsordner auf Aktualität und Vollständigkeit überprüft, sowie geordnet werden. Aber es gab auch fachlich interessante Arbeiten. Ich hatte mein eigenes kleines Projekt, in dem ich Kurkliniken, die spezielle Trauerbewältigungskonzepte anbieten bzw. Erfahrung mit trauernden Eltern haben, erfasste und umfangreiches Informationsmaterial sowie Klinikbewertungen zusammenstellte. Darüber hinaus, lernte ich viel darüber ,wie gesunde Trauer abläuft, welche „Phasen“ Betroffene durchlaufen, welche psychosomatischen Krankheiten auftreten können und welche Schwierigkeiten und Probleme nach dem Tod eines Kindes vorkommen können. Auch der Kontakt mit Betroffenen war allgegenwärtig. Zunächst fiel es mir nicht leicht, denn die Angst, etwas „falsch zu machen“ war groß. Ich versuchte mit viel Einfühlungsvermögen, mich in die Betroffenen einzufühlen, sie zu verstehen und Ihnen mit Geduld und Ratschlägen behilflich zu sei, gelungen ist mir das sicher nicht in jedem Fall. Trotzdem wurde ich mit der Zeit sicherer und die Arbeit machte mir zunehmend mehr Spaß. Natürlich gab es auch für mich Momente, in denen ich sprachlos war, nicht weiter wusste und mich nur still fragte, wie viel Leid ein Mensch ertragen kann, aber es waren nicht die Momente, die überwogen. Langeweile gab es praktisch nie, es gab Tage da stand das Telefon nicht still oder das E-Mail-Postfach quoll über. Ständig gab es irgendetwas zu organisieren, sei es etwas für die Jahrestagung, das Gruppenleitertreffen Mitteldeutschlands, das Regionalstellentreffen… Es mussten Anfragen beantwortet werden, Ansprechpartner vermittelt, Informationsmaterial übersandt, Telefonate geführt, oder den Leuten mit einem offenen Ohr zur Seite gestanden werden, usw. 


Gab es doch einmal Zeit für ein Gespräch mit Frau Hohn, so gab es keine Tabuthemen. Über jedes Thema durfte gesprochen werden und gefragt werden und alles wurde ehrlich und ohne Scham beantwortet. Über diese Offenheit bin ich sehr dankbar, denn so konnte ich mich besser in die Lage der Betroffenen versetzen.


Außenbesuche, wie zum Beispiel beim FLAMARIUM oder auch Besuche von Journalisten oder anderen Mitarbeitern von VEID, rundeten das Praktikum ab und schafften Abwechslung. Auch hier konnte ich wieder sehen, wie vielseitig die Aufgaben bei VEID sind, es reicht eben nicht, nur die anfallende Arbeit im Büro zu erledigen, sondern auch die Präsens nach außen ist wichtig und bestehende Kontakte müssen gepflegt werden.


Ich bin sehr froh, dass ich mich trotz der anfänglichen Zweifel für dieses Praktikum entschieden habe und wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil, ich nehme sehr viel mit und wäre jeder Zeit bereit für ein neues Praktikum.


Ich hoffe sehr, dass der Bundesverband seine gute Arbeit weiterführt und ausbaut, denn ich finde man müsste viel mehr Leute für dieses Thema sensibilisieren. Ihnen wünsche ich dabei viel Kraft und Geduld, alle Hürden zu bewältigen. Die Arbeit  des Bundesverbandes ist wichtig und bitte denken Sie daran, Sie tun diese Arbeit nicht nur für sich sondern auch für ihre Kinder und ich bin mir sicher die sind sehr stolz auf Sie.


Ich danke Ihnen für die Unterstützung und die herzliche Aufnahme während meines Praktikums.

In enger Verbundenheit,
Denise Nagel

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