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Pressetexte für Journalisten



 

Verwaiste Eltern - was ist das?

 

Es ist der Albtraum aller Eltern: Unser Kind ist tot! Und dieses Kind hat einen Namen, eine Persönlichkeit. Es hatte „sein Leben vor sich“. Hatte Hoffnungen und Träume, die vielleicht auch die seiner Eltern waren. Es hat einen Platz in der Familie und im Lebensentwurf von Vater und Mutter. Tot!

 

Mehr als 20.000 Kinder und junge Erwachsene sterben jährlich. Wie sehen sie aus, diese viel zu frühen Kindertode?

 

1999 starben 4.301 Säuglinge und Kleinkinder in den ersten 5 Lebensjahren, 3.475 Kinder und Jugendliche erreichten das 20. Lebensjahr nicht. Vor dem 25. Lebensjahr starben 2.828 junge Menschen. Rechnen wir die Kinder dazu, die tot geboren, die unter 500 g geboren wurden und starben und die jungen Erwachsenen zwischen 25 und 30 Jahren, so sterben insgesamt jährlich mehr als 20.000 Kinder.

 

Kinder sterben an Leukämie, Tumoren, Erbkrankheiten, Kinder werden ermordet, verzweifeln am Leben, an der Umwelt und bringen sich um, Kinder werden totgefahren, verunglücken beim Spiel...

 

Über 20.000 stille Katastrophen - jedes Jahr!

Zurück bleiben Trauernde. Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Großeltern, Freunde ...

 

Menschen, für die nach dem Tod des Kindes nichts mehr ist, wie es einmal war. Die seelische Erschütterung ist fundamental. Kein Stein bleibt auf dem anderen! Gott und die Welt stehen in Frage! Das Weltbild, der Glaube, das Selbstbild, die eigene Identität. Ein Vater, der um seine 16jährige Tochter trauert, beschreibt diese Persönlichkeitskrise so:

 

1. Zitat:
In der tiefen Sehnsucht nach meiner Tochter zerfließe ich, habe das Gefühl, jede Form zu verlieren. Dieses grenzt an Persönlichkeitsverlust, ich hör für Momente als Wesen mit Wille (und Form) auf zu existieren ...

2.Zitat:
Meine Gewissheiten, Bezüge und Sinngehalte sind wie weggeblasen. Ich sehe keine Zukunft, nur ein schwarzes Loch. Die Bedrohlichkeit dieser Persönlichkeitskrise erahnen wir, wenn er schreibt. 

3.Zitat:
Selbsterhaltung hat keinen Wert mehr. Wochenlang an der Grenze zum Irresein entlang. Wochen- und monatelang am Rande des Halluzinativen entlang zu leben.*

 

Aber mehr noch: Der Tod zerreißt das Geflecht von Rollen, Funktionen und Beziehungsstrukturen. Er verändert langfristig die Dynamik und das seelische Gleichgewicht der Familien im Ganzen: Der Tod eines Kindes bedeutet nicht nur Persönlichkeitskrise, sondern auch Familienkrise, vielschichtig, langfristig. Häufig wird als große Belastung für das Familiengleichgewicht der sehr unterschiedliche Umgang mit der Trauer erlebt. Männer trauern anders als Frauen, Erwachsene anders als Kinder und Jugendliche. Gegenseitige Erwartungen werden enttäuscht, die Andersartigkeit wird schlecht ausgehalten, was häufig zu Partnerschaftsproblemen führt. Genau hier setzt die Arbeit der Verwaisten Eltern an.

 

Damit aus Verschiedenheit nicht Trennung und Zerstörung wird, damit aus Trauer nicht seelische und körperliche Krankheit wird, damit im Wettkampf zwischen Sinnverlust und dem Ringen um neue Sinngebung * das Leben siegen kann, suchen immer häufiger die trauernden Eltern und Geschwister Hilfe und aktive Unterstützung in den Gruppen für Verwaiste Eltern.

 

 

Was geschieht in diesen Gruppen?

 

Durch das Leid hindurch, nicht am Leid vorbei, führt der Weg in neues Leben. In den Gruppen finden die Trauernden nach dem Tod des Kindes den schützenden Raum, in dem dieses Leid zugelassen werden darf - ohne Angst vor Bewertung oder gar Verurteilung, ohne Angst vor vordergründiger Vertröstung in Form oft gut gemeinter aber verletzender Ratschläge. Hier darf erinnert werden immer wieder, bis der Schmerz der Erinnerung sich wandelt in einen kostbaren Schatz, der das Fundament für das Experiment Zukunft wird.

 

Aus mitgeteilter Trauergeschichte wachsen verwaiste Eltern so in geteilte Lebensgeschichte hinein.

 

Trauer ist keine Krankheit, kann aber krank machen zumal in unserer leistungsorientierten Gesellschaft, die wenig Raum lässt für den, der nicht funktioniert. Nicht gelebte Trauer ist oft genug der Auslöser für unzählige psychosomatische und körperliche Erkrankungen.

 

Das Netzwerk der Verwaisten Eltern geht auf die Initiative von Frau Dr. Mechthild Voss-Eiser Anfang der 80er Jahre zurück. Es ist die deutsche Variante der weltweiten Bewegung der Compassionate Friends (mitfühlende Freunde).

 

Inzwischen gibt es ca. 500 lokale Gruppen, die sich jeweils vor Ort aus dem Bedürfnis der Trauernden heraus gründeten. Mit der stetigen Zunahme der bundesweiten Anfragen bezüglich Information, Beratung, Seminarangeboten und des Koordinationsbedarfes waren die Gruppen und die örtlichen Vereine schnell überfordert. Aufgrund dieser Entwicklung wurde 1997 in Berlin der Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e.V. (VEID) gegründet.

 

Im September 2007 beging der Verband unter großer Beachtung von Presse und Öffentlichkeit sein zehnjähriges Bestehen in Leipzig, wo sich seit 2006 die Bundesgeschäftsstelle befindet. Die Bundesgeschäftsstelle ist für sämtliche überregionalen Kontakte und Informationen zuständig. Das Leistungsspektrum des VEID ist ausgesprochen vielschichtig und wegweisend.

 

 

Was bieten wir an?

 

Der Verein

1) er bietet Begleitung, Beratung und Information für verwaiste Eltern, trauernde Geschwister, soziale Kontaktpersonen und Multiplikatoren

2) er bietet mit über 500 Gruppen ein bundesweites Netzwerk für trauernde Familien an

3) er unterstützt die Neugründung von Gruppen für trauernde Eltern und Geschwister in der gesamten Bundesrepublik

4) er koordiniert und pflegt das Netzwerk

5) Kontaktvermittlung Betroffener untereinander / er vermittelt Kontakte

6) er organisiert Informationsveranstaltungen zu Trauer, Verlust, Geschwistertrauer...

7) er informiert über Trauerseminare für Eltern und Geschwisterkinder, die bundesweit mit verschiedenen Kooperationspartnern stattfinden

8) er bietet an und vermittelt bundesweit Aus- und Weiterbildungsangebote für Trauerbegleiter und Gruppenbegleiter (Seminare, Workshops)

9) er entwickelt neue Konzepte für die Trauerbegleitung von Eltern, Geschwistern und Angehörigen

10) er bringt grundlegende Broschüren und Materialien zum Thema heraus  

11) er initiiert und beteiligt sich an Forschungsprojekten

12) er bemüht sich zur Zeit um Kooperation mit den Krankenkassen für die finanzielle Unterstützung der Elterngruppen

13) er vermittelt bundesweit Referenten für Vorträge und Seminare

14) Öffentlichkeitsarbeit

Berufliche Kooperationspartner wie Ärzte, Hebammen, Pädagogen und Seelsorger haben längst den Wert und die dringende Notwendigkeit dieser Arbeit erkannt. Sie ist seelsorgerisch, medizinisch, präventiv und aktiv lebensberatend, lebensrettend.

 

 

Wie finanziert sich das?

 

Jeder fragt sich, wie finanziert sich das? Als gemeinnütziger Verein finanzieren wir unsere Arbeit neben unserem ehrenamtlichen Engagement lediglich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

 

Es stimmt, das verstorbene Kind ist durch keine Spende mehr zu retten. Doch die traumatisierten Familien und besonders die überlebenden Geschwister können vor krankmachenden und zerstörenden Entwicklungen bewahrt werden.

 

Damit das auch weiterhin möglich ist, kann jeder zur Sicherung unserer Arbeit beitragen, durch eine Spende (z. B. anstelle von Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenken, anstelle von Kränzen bei Beerdigungen etc.) oder deren Mitgliedschaft. Wir brauchen Hilfe, gerade auch von nichtbetroffenen Menschen (auch Multiplikatoren und Ansprechpartner in Werken, Institutionen, Verbänden, Behörden ...) Wir brauchen Ihre Hilfe, damit wir helfen können. Für alle überregionalen Arbeiten und Anfragen ist die Bundesstelle zuständig.

 

*Alle Zitate entnommen aus Martin Janssen: Lasst mich weinen. Ein Vater trauert um seine Tochter. Göttingen, Zürich (1998),

 

1. Vorsitzende

 

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