Schmetterling
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Schmetterling - ein Sinnbild der Seele



Schmetterlingsjannek
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Grabstein von E.T.W. Hoffmann
Diese Schmetterlingsbilder malten die Eltern von Dennis, der mit 9 Monaten an plötzlichem Kindstod starb.
Dennis
Marius starb im Alter von 18 Jahren. Sich Marius Seele so vorzustellen, gab seiner Mutter Ruhe.

 

Die Gedanken und Ideen zu diesem Thema wurden zusammengetragen von Gabriele Knöll (Verwaiste Eltern Lüneburg) und Erdmute Wiarda (Verwaiste Eltern Eckerförde).

Als vor einigen Wochen eine Verwaiste Mutter ein Bild malte, auf dem sie selbst der große Baum war, der durch die Liebe zu Mann und überlebendem Kind genährt wurde, fragte ich, wo hier Jannek, der verstorbene Sohn, seinen Platz finden könne. Jannek ist eine Blume unter dem Saum”, sagte sie, und begann zu malen. "Nein‘ entschied die Mutter mittendrin,” Jannek ist keine Blume, sondern ein Schmetterling. Ein Schmetterling” meinte die Mutter, “da weiß ich gar nicht, wie ich darauf komme. Ein komischer ZufalI", urteilte sie.

 

Wirklich ein Zufall? Ich denke, das ist das Wunderbare an Symbolen: wir tragen ein tiefes Wissen um sie in uns. Janneks Mutter war verblüfft, als ich ihr sagte, das altgriechische Wort ‚Psyche‘ bedeute sowohl “Seele” als auch “Schmetterling”, weshalb der Schmetterling u.a. für die Griechen ein Symbol der Seele gewesen Sei. Anschließend malte die Mutter ihren Schmetterlingsjannek.

 

Danach war sie tief befriedigt Erstmalig halte sie eine Vorstellung von Jannek entwickelt, die nicht nur die Schrecken der Krankheit und des Sterbens zuließ. Jannek war nun ein wunderschöner Schmetterling.

 

Von diesem Bild fühlte sich Janneks Mutter so inspiriert, daß sie spontan ein “Namensgedicht‘ von Jannek schrieb.

 

JANNEK

 

J  Jannek. mein kleiner Schmetterling der Herzen mein kleiner Schmetterling der Liebe

A Deine einmaligen großen, dunklen Augen

N Dein süße kleine Stups-Nase

N Niemand kann mir meine Schatztruhe nehmen, Deine Spuren bleiben für immer

E Die schönen Erinnerungen mit Dir, mit Deinem Papa Thomas und mit seinem großen Bruder Cassian werde ich nie vergessen

K  Keiner weiß wirklich wie sehr ich Dich vermissen!

 

Jannek starb mit knapp 2 Monaten.

 

Zu dieser Zeit flogen in unserem Garten unzählige Schmetterlinge herum. Das Thema ließ mich nicht mehr los. Gespräche mit meiner lieben Kollegin, Erdmute Wiarda, verdichteten das Thema. Wir trugen Texte zusammen und Erdmute Wiarda “stiftete" auch wieder neue Scherenschnitte.

 

Auch Hermann Hesse greift nur auf eine alte Metapher zurück wenn er schreibt:

 

“Und weiter wurde er....Sinnbild zugleich der Kurzlebigkeit wie der ewigen Fortdauer, wurde den Menschen schon in früher Zeit zum Gleichnis und Wappentier der Seele.”

 

Hermann Hesse aus: Schmetterlinge

 

Bei den Griechen waren Schmetterlinge Erscheinungsbilder der Seele und zugleich Sinnbilder für deren Unsterblichkeit. Im vorchristlichen Griechenland verehrte man Nachtfalter als Seelen der Verstorbenen. Auf vielen christlichen Grabsteinen ist der Schmetterling Symbol des Sterbens und der Wiedergeburt. So auch auf dem Grabstein des Dichters E.T.W. (E.T.A) Hoffmann (1776-1822) dessen Grab in Berlin-Kreuzberg zu besichtigen ist.

 

Der Schmetterling als Unsterblichkeitssymbol soll auf die Seele verweisen, die sich mit dem Tod aus der sterblichen Hülle des Menschen befreit, gleich einem bunten Schmetterling, der seine - zumeist graue— Puppenhülle verläßt.

 

Diesen Gedankenvergleich greift auch E.Kübler-Ross auf. Sie schreibt:

 

Wenn wir den Körper ablegen,

werden wir frei sein

von Schmerzen, Angst und allem Kummer

frei sein, wie ein bunter, schöner Schmetterling dürfen heimkehren zu Gott.

 

und:

 

Der Tod ist ganz einfach

das Heraustreten aus dem physischen Körper, und zwar in gleicher Weise,

wie ein Schmetterling

aus seinem Kokon heraustritt.

 

aus: Jedes Ende ist ein strahlender Beginn

 

Diese Texte kann man In der Gruppe vorlesen, eigene Begebenheiten/Erlebnisse erzählen lassen. Dann darf jeder der Seele seines Kindes zeichnerisch Ausdruck geben: Jeder matt einen Schmetterling als Seele seines Kindes.

 

Aber die Seele als Schmetterling zu malen ist für verstorbene Kinder jeden Alters möglich, wie obige Zeichnung von Marius zeigt.

 

Ein Schmetterling also, als “Zeichen” für die Seele unserer Kinder...

 

Es wird aber immer darauf ankommen, die Zeichen zu erkennen, wie uns auch die folgenden Zeilen lehren:

 

“Um dorthin zu gelangen, mußt Du den Zeichen folgen. Gott zeichnet den Weg vor, den jeder Mensch gehen soll. Du mußt also nur erkennen, was er für Dich aufgezeichnet hat." Bevor der Jüngling etwas sagen konnte, flatterte ein Schmetterling zwischen ihm und dem Alten hin und her. Da muß er an seinen Großvater denken: Als er noch ein Kind war, hatte ihm der Großvater erzählt, daß Schmetterlinge Glück bringen. Wie Grillen, vierblättriger Klee und Hufeisen. “Das stimmt, sagte der Alte, der seine Gedanken lesen konnte.

“Es ist wie Dein Großvater Dich lehrte. Das sind die Zeichen,”

 

Paulo Coelho

in: Der Alchimist

 

Ob wir offen sind, "unsere" Zeichen zu sehen und zu verstehen?

Wer sich gerne mit Wörtern ausdrücken möchte, kann auch sein eigenes Schmetterlingsgedicht schreiben. Es geht ganz einfach. Man schreibt das Wort "Schmetterling" senkrecht untereinander.

 

S

C

H

M

E

T

T

E

R

L

I

N

G

Dann nutzt man den jeweiligen Buchstaben als Anfang einen Wortes oder Satzes, ganz spontan, ohne großes Grübeln. Lassen Sie sich nur inspirieren von der Seele ihres Kindes. Lassen Sie sich überraschen, wie leicht das geht.

 

Ein Beispiel:

Schmettterling - Sommertier

Meine

S ehnsucht auf seinen Flügeln – nutzt er die

C hance,

H ebt er ab in die Lüfte - schön und frei.

M it der Erfahrung von Einsamkeit im Herzen, als er

E ingesponnen,

T ief verwoben,

T atenlos,

E iner, seiner, Verwandlung

R ichtung gebend - sich seinem Schicksal ergab

L autlos, fast unbemerkt, von

I nnen heraus, entstand das

N eue,

G anz andere.

 Nun fliegt er  - wenn auch mit Sehnsucht auf seinen Flügeln.

G. Knöll

 

"Meinen" Eltern sind solche Bilder und Teste zumeist sehr lieb und wertvoll geworden. Ein weiterer Schatz der Erinnerungen.

Als Abschluß noch eine kleine Episode:

 

"Guck mal!" ruft Jannica. ‚”Da ist Cilla!" Sie zeigt auf einen blauen Schmetterling, der mit glücklich schwirrenden Flügeln über dem Grab durch die Luft taumelt. “Als alle wieder gehen, begleitet der Schmetterling sie noch ein Stück weit zum Tor hinaus. “Ich glaube, das ist tatsächlich Cilla‘, sagt Monika. ‚Er ist so fröhlich.‘ ‚Klar ist das Cilla‘ stimmt Tina zu. “Was hätte ein blauer Schmetterling sonst ausgerechnet hier verloren?

 

Peter Pohl u. Kinns Gieth

In: Du fehlst mir, du fehlst mir.

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