Pressereaktionen

Die Presse zeigte insgesamt reges Interesse an der Jahrestagung. Entsprechende Interviews fanden im Vorfeld, im Nachhinein, aber auch durch anwesende Journalisten vor Ort statt.

Hier drei Beispiele:

Hohenloher Zeitung

"Verwaiste Eltern" in Schöntal

Kanzlergattin ist die Schirmherrin für die Tagung

Der Bundesverband "Verwaiste Eltern in Deutschland e.V." lädt vom 21. bis 23. März unter dem Motto: "...aber die Liebe bleibt" zu seiner Jahrestagung in das Bildungshaus Kloster Schöntal in Baden-Württemberg ein.

Eingeladen sind BegleiterInnen von Gruppen für Verwaiste Eltern, Betroffene - also trauernde Mütter, Väter und erwachsene Geschwister - und alle, die an der Arbeit der Verwaisten Eltern interessiert sind. Eingeladen sind ebenfalls Vertreter europäischer Netzwerkpartner und Kontaktpersonen und alle in irgendeiner Weise thematisch involvierte Organisationen und Vereine wie zum

Beispiel: AGUS (Angehörige nach Suizid), IGSL (Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung & Lebensbeistand), GEPS (Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod), Hospiz-Mitarbeiter und Fördervereine für krebskranke Kinder. Sogar Gäste aus Finnland haben sich angemeldet. Doris Schröder-Köpf hat für diese Tagung die Schirmherrschaft übernommen. Sie hält die Hilfe, die diesen Betroffenen und deren Begleitern durch den Bundesverband zukommt, für unverzichtbar. "Das Engagement dieser Eltern hat dafür gesorgt, dass das Schweigen gebrochen wurde, das früher oft den Tod eines Kindes umgab", so Schröder-Köpf.

 

Aus Hohenloher Zeitung

Samstag 8. März 2003

Reutlinger Generalanzeiger

Durch das Leid hindurch

Expertin: Tod eines Kindes löst immer auch Familienkrise aus

Jagsthausen. (dpa) Krankheiten, Unfälle, Morde oder Suizide reißen jedes Jahr 20 000 Kinder in Deutschland urplötzlich aus dem Leben. Ihr Tod löst viele weitere Katastrophen aus, weiß Gabriele Knöll, Vorsitzende des Bundesverbands »Verwaiste Eltern«. »Der Tod eines Kindes bedeutet immer auch eine Familienkrise - und zwar langfristig«, sagte Knöll vor der Jahrestagung ihres Verbandes an diesem Wochenende in Kloster Schöntal bei Jagsthausen (Kreis Heilbronn).

 

Männer trauerten anders als Frauen, Erwachsene anders als Kinder. Die einen würden teilnahmslos, machten sich still große Vorwürfe, andere stürzten sich in Arbeit. Diese Unterschiede erzeugten Enttäuschungen und Unverständnis in den Familien. »Wir kennen Menschen, die sich nach dem Tod ihres Kindes oder Geschwisters selbst das Leben nehmen«, beschreibt Knöll. Es gebe Eltern, die sich scheiden ließen, weil sie ohne Hilfe nicht miteinander trauern könnten.

Der 1997 gegründete Bundesverband nimmt sich dieser Menschen an. »Der Weg in ein neues Leben führt durch das Leid hindurch, nicht am Leid vorbei«, heißt ein Leitspruch des gemeinnützigen Vereins mit Sitz im niedersächsischen Reppenstedt. Betroffene sind in rund 350 Ortsvereinen bundesweit organisiert. Unter dem Dach der Verwaisten Eltern haben sich auch 19 andere Selbsthilfegruppen gefunden - etwa die »Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod« (GEPS) oder die »Angehörigen nach Suizid« (AGUS).

 

24.03.2003 Rubrik Baden-Württemberg S. 3 Reutlinger Generalanzeiger

Bericht von Kathrin Schreier

Die Journalistin Kathrin Schreier hat durch das Bestattungsinstitut ihres Mannes viel Kontakt zu Betroffenen und begleitet auch selbst eine Gruppe für Verwaiste Eltern. Sie schrieb folgenden Artikel:

 

" ... aber die Liebe bleibt" - Wenn Eltern ihre Kinder verlieren

Jahrestagung des "Verwaiste Eltern in Deutschland e.V."/ Großzügige Spende der WAZ

Kerstin ist eine lebensfrohe junge Frau. Was ihre Seele aushalten muss, steht ihr nicht auf der Stirn geschrieben. Was ihre Ehe mit Rayk für Krisen bewältigen musste, ahnt keiner, der die beiden sieht. Doch die Bilder der Vergangenheit und der Schmerz - sie gehören nun zum Leben von Kerstin und Rayk.

Wie glücklich war das junge Stendaler Paar, als sich Ende 1996 Nachwuchs ankündigte. Freude, Harmonie, Erwartung. Wie wird das Kind wohl aussehen? Ob es ein Junge oder ein Mädel wird? Wann kommt das Baby eigentlich zur Welt? Da war kein Platz für Angst, kein Platz für Bedenken. Wie sollte auch, ist man doch auf Deutschlands Straßen mittlerweile wieder umringt von strahlenden Kinderwagenschiebenden Müttern. Da will man einfach dazugehören.

Am 20. Januar 1997 kam die Ernüchterung. "Das Gehirn ihres Kindes ist nicht ausgeprägt", erfuhr das Paar genau am Geburtstag von Rayk. Was heißt das nun? Was können wir tun? Es dauerte eine Weile, bis Rayk und Kerstin realisieren konnten: Das Kind wird nicht lebensfähig sein. Auf Anraten des Arztes stimmten sie einem Abbruch der Schwangerschaft in der 14. Woche zu. "Das würde ich heute nicht wieder tun", weiß Kerstin über sechs Jahre später. Sie hätte das Kind lieber austragen sollen, es zur Welt gebracht und dann die Natur entscheiden lassen, auch wenn das Resultat vorher schon festgestanden hätte.

Dass Kerstin ihren Jannes, der während der Geburt verstarb, nicht noch einmal sehen durfte, macht ihre Seele noch heute krank. "Die Krankenhausseelsorgerin hatte mir das unbedingt empfohlen. Leider war sie nicht da, als Jannes geholt wurde. Da ich mich beim Erwachen aus der Vollnarkose nicht klar artikulieren konnte, wertete man das, als ob ich mein Kind nicht sehen wolle", erklärt die heute 36-Jährige relativ wütend.

1998 im Mai. Die Seelen von Kerstin und Rayk scheinen heilen zu können. Die Medizin heißt Joana, ist gerade mal acht Schwangerschaftswochen alt und wächst in Kerstins Bauch. Nun sollte alles gut werden. Jannes würde nach wie vor ihr erstes Kind bleiben, zu ihrem Leben gehören. Doch Joanna würde leben dürfen.

Nein, sie durfte nicht. "In der achten Schwangerschaftswoche, genau am 8. Mai, konnte der Arzt bei Joana keine Herztöne mehr feststellen", erzählt Rayk, noch immer fassungslos.

Was das Schicksal den beiden noch antat, ist für den Menschenverstand schwer zu fassen.

Am 26. Juni 2000 kam Marius in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt. Wehen, Blasensprung, Geburt. Warum schon jetzt? Hätte er doch nur noch ein paar Wochen ausgeharrt! Doch was Marius mit auf diese Welt brachte, war eine Blutvergiftung und ein blutendes Hirn. "Einmal wurde er reanimiert, konnte aber nicht selbstständig atmen", erinnert sich Kerstin mit traurigem Blick. Der kleine Kerl kam unverzüglich in eine Magdeburger Klinik, Kerstin musste in Stendal bleiben. Die Mediziner konnten immer nur bedauernd mit dem Kopf schütteln, wenn die jungen Eltern hoffnungsvoll fragend schauten. Zwei Tage nach der Geburt hielt Kerstin es nicht mehr aus. Sie musste zu ihrem Kind. Trotz Kaiserschnittnarbe fuhr sie mit ihrem Mann mit dem Auto in die Magdeburger Klinik, konnte dort endlich Körperkontakt aufnehmen. Marius´ kleiner Körper war an lebenserhaltende Geräte angeschlossen. "Die Ärzte sagten uns, sie würden nicht sein Leben verlängern, sondern sein Leiden. Und wir hatten an diesem Tag das Gefühl, wir würden uns von ihm verabschieden", erzählt Kerstin. Als die jungen Eltern zurück in Stendal waren, bekamen sie einen Anruf der Magdeburger Klinik: "Es sieht nicht gut aus." Am nächsten Tag fuhren sie wieder zu ihrem Marius. Kerstin hielt das kleine Kerlchen, das nun nicht mehr an den medizinischen Geräten hing, an die zwei Stunden in ihren Armen. Dort endete sein Leben an seinem dritten Tag.

Ende März diesen Jahres fuhren Rayk und Kerstin nach Schöntal in Baden-Württemberg. Hier fand ein Wochenende lang die achte Jahrestagung des "Verwaiste Eltern in Deutschland e.V." statt. Seit einem halben Jahr sind Rayk und Kerstin Mitglieder des Bundesverbandes, der mittlerweile fast 300 Gruppen vereint. Gruppen, in denen betroffene Eltern, die ihre Kinder vor unterschiedlich langer Zeit verloren haben, eine Heimat gefunden haben und andere Menschen ihre verstorbenen Kinder kennen lernen können. Hier kann gemeinsam getrauert und erinnert, Schmerz, Wut und Angst gezeigt werden. Auch Kerstin trifft sich in Stendal regelmäßig mit anderen Eltern in einer Gruppe. Nach Schöntal brachte sie daraus zahlreiche Erfahrungen mit. Wen sie noch mitbrachte, war Lennart. Der kleine Mann ist ein Jahr und vier Monate und vereint in sich das ganze Glück seiner Eltern. Wer nun die Geschichte der kleinen Familie kennt, weiß, warum er mit nach Baden-Württemberg kam und ihn seine Eltern keinen Moment aus den Augen ließen.

"... aber die Liebe bleibt". Unter diesem Titel trafen sich nun im Kloster Schöntal etwa 50 trauernde Eltern, Mittrauernde und Menschen aus helfenden Berufen. Eltern erzählten ihre Lebensgeschichten, lernten andere kennen, teilten Leid und Erfahrungen. In verschiedenen Workshops verwirklichte sich jeder Einzelne auf kreative Weise oder in intensiver thematischer Arbeit. Im Gedenken an all die verstorbenen Kinder flossen auch viele Tränen, Tränen, die helfen, die Seele zu heilen. Nach zweieinhalb Tagen lagen sich Menschen in den Armen, die alle gemeinsam ein Ziel haben: die Umwelt für die Thematik verwaister Eltern zu sensibilisieren, ihr zu erklären, dass betroffene Eltern über ihre Kinder sprechen möchten und es als Verletzung empfinden, gemieden zu werden. Aber auch die Betroffenen sollen für ihr soziales Umfeld, das sich im Umgang mit ihnen so schwer tut, fit gemacht werden. Dies geschieht vorwiegend in den zahlreichen regionalen Selbsthilfe- und begleiteten Gruppen im gesamten Bundesgebiet.

Die Frau, die die Arbeit des Bundesverbandes all jener Gruppen überblickt und begleitet, heißt Gabriele Knöll. Die Frontfrau, selbst betroffene Mutter und selbstlos Engagierte, schart um sich einen agilen Vorstand und zwei ABM-Mitarbeiterinnen. In überwiegend ehrenamtlicher Arbeit wird hier organisiert, vermittelt und beraten. Unterstützung erhält der Verein aus verschiedensten Richtungen. Doris Schröder-Köpf übernahm die Schirmherrschaft für die Jahrestagung, hier und da geht finanzielle Unterstützung ein. Recht ungewöhnlicher Natur war jedoch die jüngste Spende. 20.000 Euro und damit ein beträchtlicher Teil des Gesamthaushaltes flossen von der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" an die "Verwaisten Eltern in Deutschland e.V.".

von Kathrin Schreier


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