Impressionen von der 8. Jahrestagung der VEID im Kloster Schöntal

Am Sonntagmorgen fand ein Gottesdienst statt, in welchem die Arbeiten der einzelnen Workshops ausgestellt wurden und die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, ihre jeweiligen Arbeiten zu erläutern

Was bleibt?

"......aber die Liebe bleibt!"

 

Es war für mich ein aufregendes Angehen, mich auf dieses Wochenende in Kloster Schöntal einzustimmen. Ich habe viel nachgedacht und war unruhig. Und das, obwohl ich freundlich eingeladen war, ich im übrigen gern auf Tagungen oder Seminar fahre und ich es aus meiner Tätigkeit als Seelsorgerin in einer Kinderklinik sehr wohl gewohnt bin, mit sterbenden Kindern und trauernden Eltern konfrontiert zu sein und zu arbeiten.

 

Warum also meine Aufregung?

Ich glaube, daß in mir in Erwartung dieses Wochenendes ganz akut die Angst wieder einmal wach wurde, daß es ja sein kann, daß ich als Mutter irgendwann einmal die Seite wechseln muß, von der Seite der mittrauernden, begleitenden Seelsorgerin zu der Seite der trauernden, verwaisten Eltern.

So steht für mich als zweite Überschrift für dieses Wochenende das Motto "...auch die Angst bleibt!" als ein Motiv, daß sich mal mehr, mal weniger vordergründig in jede Auseinandersetzung und Begegnung mit dem Sterben und den Tod von Kindern geltend macht.

Mit diesen Gedanken machte ich mich auf den Weg nach Kloster Schöntal. Dort angekommen wurde mir die Bedeutung meiner Vorüberlegungen kostbar, weil sie mir möglich machten, mich mit offen und mit freien Sinnen auf die Begegnungen und Gespräche einzulassen. Denn das Wertvollste an diesem Wochenende waren für mich die Begegnungen und Impulse, die ich in den Pausen zwischen den Programmpunkten und an den Abenden in den Gesprächen mit den Teilnehmern empfing. Einige Facetten möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

 

"Ach,. ... Sie sind Pfarrerin..." - Pause. – "Naja, ich kann mit Gott nichts anfangen, ich habe auch keine guten Erfahrungen bisher mit Kirche und so gemacht..." Pfarrerin sein war an diesem Wochenende manchmal eine Bürde. Flink schnappte die Falle zu und ich fühlte mich in der Rolle, "meine" Kirche und mein Gottvertrauen zu verteidigen, anstatt unvoreingenommen einander zuzuhören und miteinander zu reden, Antworten zu suchen auf die Frage, warum Menschen zu so verschiedenen Lebensentwürfen und Glaubensvorstellungen gelangen. Ich habe es als sehr wohltuend empfunden, daß die Tagung von einer Atmosphäre getragen wurde, in der dieses Miteinander reden gegenüber dem Gegeneinander reden Vorrang finden konnte.

Das schaffte eine tragende Grundlage für den gemeinsamen Gottesdienst am Sonntagmorgen. Er wollte in diesem Sinne eine offene Einladung an alle sein, eine ganz eigene Stärkung für die Glaubenden und die Zweifelnden. Sehr persönliche Eindrücke und Anliegen einzelner fanden in dieser meditativen Feier ihren Platz und bereicherte uns alle.

 

Szenenwechsel.

"Und wann ist dein Kind gestorben?" - diese Frage habe ich einige Male in diesem Tagen beantworten müssen.. "Nein, ich bin keine verwaiste Mutter. Ja, ich bin Mutter zweier Kinder." Und dann war da wieder diese Grenze der Trauernden und der Mittrauernden. Der unbefangene Umgang damit hat mir gut getan. Ich habe ein großes Teil der verwaisten Eltern als starke Persönlichkeiten erlebt, die mir den Eindruck vermittelten, daß sie gelernt haben, auf sich selbst zu achten und für sich zu sorgen und dabei den Konflikt nicht scheuen. Dafür empfinde ich großen Respekt. Der Gewinn in den freien persönlichen Begegnungen brauchte nicht ständig Impulse von außen. Deshalb bin ich für die viele, nicht verplante Zeit, die uns Teilnehmenden wahrend dieser Tagung offengehalten worden war, dankbar.

 

Die Workshops haben jeder für sich ihre eigene Dynamik entwickelt. Sie haben ihre eigene Stimme gesucht und konnten am Sonntagvormittag zum Teil dem Plenum in Bild und Worten bekannt werden.

Ich selbst habe an dem Malworkshop teilgenommen und fand dort für mich einen Raum, meine Erschöpfung und meine Trauer, die ich angesichts meiner Arbeit in der Kinderklinik in mir trage, zu spüren. In dem Workshop fand ich die Möglichkeit, ihr sowohl Gestalt zu geben als auch fassungslos ihren Lauf zu lassen. Als Mittrauernde habe ich oftmals mir selbst wenig, zu wenig Zeit und Trost gesucht, - vielleicht weil ich mich als "am Rande stehende" nicht in den Vordergrund drängen wollte. Dabei habe ich mich selbst wohl aus dem Blick verloren.

 

Als letzte Facette möchte ich gerne noch einen Blick auf das Theaterprogramm "Im Himmel  ist was los" richten. Ich hatte während des Theaterspiel zu Beginn Beklemmungen und Gänsehaut. Mit Leichtigkeit und Frohmut zeigte die Himmelsgestalt Celeste dem Clown Pepito die Chance, noch einmal sein gestorbenes Hündchen zu sehen, ihn noch einmal zu erleben. Von Celeste in den Himmel geführt, darf Pepito dort noch eine letzte Zirkusvorstellung mit seinem geliebten Hund geben, sozusagen dem Tod ein Schnippchen schlagen und die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten durchlassen scheinen lassen. Pepito findet für sich noch einmal das schon verloren gewähnte für sich zurück und Celeste zeigt Pepito auf diese Weise ein Weg durch die Trauer zum Leben.

Nach der Vorstellung wünschte ich mir, daß viele Menschen eine solche bewegte und bunte Phantasie für sich vom Leben nach dem Tod gewinnen können. Eine Vorstellung, die am Ende unseres Lebens für uns alle Wärme und Farbe, Licht, Musik und Tanz bereit hält. Ein Bild, das möglicherweise auch mit den Worten von Herrn Schwickart aus seinem Vortrag beschrieben ist: Im Himmel wird ein Fest gefeiert, wenn Gott selbst die Toten in die Anne schließt. Diese Hoffnung ist für mich ein Trost, der dem Tod nicht den Schmerz, aber die Aussichtslosigkeit nimmt, so daß ich ihn ertragen kann.

 

Als ich am Sonntagnachmittag nach Hause fuhr, war ich erschöpft von der Intensität und der Intimität der vergangenen Tage, und vor allem dankbar für diese geschenkte Zeit und den langen Weg, den ich noch allein im Auto vor mir hatte, ehe mich mein Alltag zu Hause wieder empfing.

Andrea Below

Reaktionen von TeilnehmerInnen

Frau S.K. schrieb:

Mir hat das Wochenende sehr viel gegeben und auch gezeigt, daß auch wenn der Verlust meiner Zwillinge schon fünf Jahre zurück liegt, es gut tut sich immer mal wieder Zeit dafür zu nehmen. Hinzu kommt natürlich auch, daß es ganz wunderbar organisiert war und es sich von daher einfach gelohnt hat.


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