Möglichkeiten der Begleitung trauernder Kinder und Jugendlicher (für GruppenbegleiterInnen und Interessierte)

Möglichkeiten der Begleitung werden ausführlich in der Gruppe diskutiert

Im Rahmen meiner familientherapeutischen Tätigkeit auf einer onkologischen Kinderstation betreue ich trauernde Familien, somit auch die Geschwister verstorbener Kinder in der Nachsorge. Ein wichtiger Grund für mich, das Angebot zum Thema "Geschwistertrauer" wahrzunehmen.

 

6 GruppenbegleiterInnen bzw. Interessierte hatten sich zu dem ganztägigen Workshop zusammengefunden, darunter ein betroffenes Ehepaar und ein betroffener Vater.

In einer Einstiegsrunde erfragte die Referentin Wünsche und Bedürfnisse der TeilnehmerInnen. Daran schloss sich ein ausführlicher Vortrag an, der den aktuellen Wissensstand auf dem Gebiet der Trauerforschung darstellte. Sie informierte über Trauertheorien und lieferte Zahlen und Fakten zur Trauer von Erwachsenen und Kindern. Z.B. wies sie darauf hin, dass die bekannten Stufen- und Phasenmodelle überholt sind. Trauer als individueller Prozess sprengt jedes Schema und kann von 10 Tagen bis lebenslang dauern.

 

Darüber hinaus erfuhren wir, wie sich Trauer im körperlichen, emotionalen, geistig-spirituellen und im sozialen/sozialökonomischen Bereich äußern kann und wovon Trauer bestimmt wird. Es wurde deutlich, dass Trauer krankheitsähnliche Symptome hervorrufen kann, aber keine Krankheit ist. Weiter wurden Gemeinsamkeiten von trauernden Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen dargestellt, sowie Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen, abhängig von Alter, Entwicklungsstand und den entsprechenden Todesvorstellungen hervorgehoben. Besondere Risikofaktoren, die Trauern verstärken oder erschweren wurden berücksichtigt.

Ausführlich wurde erläutert, wie Kinder und Jugendliche auf einen Todesfall reagieren können und vor allem, wie sie unterstützt werden können in ihrer Trauer.

Die Referentin stellte die provokative Frage, ob man nicht auf professionelle Trauerbegleiter verzichten könne, wenn Tod und Trauer wieder mehr ins Leben einbezogen würden und auch in Kindergarten und Schulen Aufklärungsarbeit geleistet würde.

In der anschließenden Gesprächsrunde konnten wir unsere Fragen einbringen und unsere Erfahrungen austauschen.

 

Nach der Mittagspause setzten wir uns mit der Abgrenzbarkeit von Trauma und Trauer sowie Depression und Trauer auseinander.

Ich hatte Gelegenheit, meine Begleitung einer Familie mit Hilfe der Gruppe zu reflektieren und erfuhr, dass mein kontinuierliches Begleiten, das überwiegend im Da-sein und "Aushalten" besteht, mehr ist, als ich meinem Wunsch nach eigener "Wirksamkeit" entsprechend annahm..

 

Frau Eibl ging dann auf die Wünsche der TeilnehmerInnen ein, sich über bestehende und geplante Angebote im Bereich der Geschwistertrauer auszutauschen.

Die Beziehung von Geschwistern ist die am längsten bestehende familiäre Verbindung, und der Tod eines Geschwisters trifft Jugendliche in einer besonders verletzlichen Lebensphase. Ein stützendes Angebot ist also notwendig. Aus unserer Gesprächsrunde ergab sich, dass Angebote von begleiteten Geschwistergruppen sinnvoll sind, damit interessierte Geschwister die Möglichkeit haben, über das zu reden, was sie ansonsten nicht los werden können. Die Gruppen sollten ständig begleitet sein, damit zuverlässige Ansprechpartner da sind.

Wir stimmten überein in der Erfahrung, dass trauernde Kinder und Jugendliche am ehesten über Freizeitangebote zu erreichen sind wie z. B. Einladung zu einer Bergtour, Segeltörn u. ä.

Gemeinsame Aktivitäten jeder Art können dazu beitragen, ein tragfähiges Netz zu knüpfen für die Geschwister, deren Trauer häufig von ihren Eltern nicht wahrgenommen werden kann, da sie sich selbst in ihrem eigenen tiefen Trauerprozess befinden. Viele Jugendliche leben ihr Leben ausserhalb der Familie mit Freunden oft so weiter, wie es vor dem Tod des Geschwisters war, und ihre Trauer wird so kaum sichtbar, was Konflikte ergeben kann in der Familie.

 

Eine Geschwistergruppe für erwachsene trauernde Geschwister besteht seit geraumer Zeit in Mainz unter dem Dach der Trauernden Eltern Rhein/Main. Sie wurde vorgestellt vom Leiter der Gruppe. Regelmässig einmal im Monat besteht für Geschwister ab ca. 17 Jahren das Angebot zum Gespräch in einer offenen Gruppe, die sich an den aktuellen Bedürfnissen der TeilnehmerInnen orientiert. Die Teilnehmerzahl schwankt von ca. 3-12, in der Regel sind 3-4 trauernde Geschwister anwesend.

 

In Stuttgart existiert ein Arbeitskreis Kind und Trauer, in dem sich Mitglieder aus unterschiedlichen psychosozialen Arbeitsfeldern treffen wie z. B. Mitarbeiter eines Kinderhospizes, Pädagogen, Seelsorger, Psychologen und Ärzte.

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Workshop mir ermöglichte, meine Arbeit mit neuem Mut weiter zu tun und mich für die Betreuung trauernder Geschwister stark zu machen. Den Austausch mit Kollegen und insbesondere mit trauernden Eltern erlebte ich als fruchtbar und anregend, und ich nahm wertvolle Denkanstöße mit zurück in den Alltag.

Die neu gegründete SHG Trauernde Familien in Regensburg wird Angebote für Kinder sowie die Möglichkeit des Besuchs einer Geschwistertrauergruppe bieten, geleitet von einer Sozialpädagogin und Trauerbegleiterin, die selbst um ihre Schwester trauert.

Ich danke herzlich VEID für die Veranstaltung des Seminars, sowie Frau Eibl und den GruppenteilnehmerInnen für das Mitteilen und Teilen von Erfahrung und Wissen.

 

Monika Schüßler

Leitung: Ursula Eibl

Referat für Gesundheit und Umwelt/LH-München,

Fachstelle Trauernde Kinder und Jugendliche.

 


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