Das ernste Thema dieser Tagung und der tragische Hintergrund aller Einzelschicksale fanden hier in Bremen eine Aufhebung, die sich nur so ausdrücken lässt: Aus dem Trauma wurde ein Traum. Farbig, von frischem Wind durchweht und von lebendiger Gemeinsamkeit getragen – diesen Eindruck vermittelte die Tagung von der ersten Minute an.

Das Hotel Atlantik Universum – dessen Mitarbeitern wir ausdrücklich für die hervorragende Unterstützung danken – bot eine ideale Atmosphäre. Karin Grabenhorst von den Verwaisten Eltern und Geschwistern Bremen hatte das Foyer fantasievoll dekoriert: Ein Surfsegel ließ immer wieder die Nähe der Nordsee ahnen, Seidentücher schwangen mit dem Luftzug. Ein großes Seidenbild wurde gemeinsam gestaltet. Im Fischernetz »fingen« sich nicht nur Muscheln, sondern auch aufgeschriebene Aktivitäten. Als Symbol vielfach aufgenommen, bewegte das Meer die Gedanken und schuf eine eigene Dynamik dieses Treffens.

So ließ Karin Grabenhorst in ihrer »Hoffnungswerkstatt « Schiffe aus Papier gestalten, die auf überraschende Weise den Blick auf die Trauerreise der Mutter/des Vaters öffneten. Kreativität kam in Bremen besonders gut an: Die Schreibwerkstatt mit Dr. Peter Holz wurde wunderbar angenommen. Mit Luci van Org und Hauke Scholten schufen Teilnehmer des Musik-Workshops ihr eigenes Lied für ihr Kind, die sich das niemals zugetraut hätten. Die zugehörige CD ist inzwischen fertig. Als die jugendlichen Sänger der »Lerchen« mit ihrem Chorleiter Hauke aus »So weit vor deiner Zeit« und »Siris Reise« sangen, mit dem sie inzwischen von Bremen aus als musikalische Botschafter der Verwaisten Eltern auch den Süden der Bundesrepublik erobert haben, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Ein entspannender Abend am nachempfundenen Lagerfeuer mit Karin und Florian an der Gitarre, von der »Moorhexe« bis zu Reinhard Mey, ließ Sorgen und Kummer eine Weile auf dem Meeresboden ruhen und gab Kraft, die ernsten und gewichtigen Themen anzusprechen und zu diskutieren. Die großen Gongs, mit denen Brigitte Zickmann in ihrem sehr intensiven Workshop die »Klänge der Trauer« zum Schwingen brachte, ließen etwas von der universalen Dimension der Trauer spüren.

Das Feedback der einzelnen Veranstaltungen war durchweg begeistert und brachte viele Anregungen für weitere Aktivitäten, sei es Heidi Blohmann im Umgang mit Eltern frühverstorbener Kinder, sei es der Workshop zur Schuldfrage mit Leonore Matuschek, seien es die Veranstaltungen von Mag. theol. Christine Fleck-Bohaumilitzky zur Kindertrauer oder die Supervisionen mit Christian Fleck.

Der Eröffnungsvortrag von Sabine Müller zum Verhältnis von Trauer und Trauma hatte einen soliden Grund für alles weitere Nachdenken gelegt. Vielleicht ermöglichte das manchem auch eine Hilfe beim Zugang zum Thema»Organspende« in der bewegenden Podiumsdiskussion – ein Thema, das immer aktueller zu werden scheint und bei dem sich der Bundesverband bewusst neutral und besonders sensibel verhält. Heiner Melching von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin brachte das in seiner Moderation sehr kompetent zum Ausdruck.

Als Ausklang hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, bei einer Stadtführung auch den Bremer Stadtmusikanten einen Besuch abzustatten. In Bremen trifft man überall auf viel Humor und Sympathie für die Vier, die der brutalen, unverständigen Gesellschaft ein Schnippchen schlagen.

Aber das ist eine Symbolik, die die verwaisten Eltern noch viel weiter führen würde …

Am Ende der Tagung übergab Karin Grabenhorst symbolisch einen kleinen Leuchtturm an Holger Günther für die nächste Jahrestagung, die 2010 in Erfurt stattfinden wird.

Beate Bahnert


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