Festvortrag Frau Dr. Specht-Tomann

Entspannte Atmosphäre zu Beginn der Veranstaltung
Eine Gesprächsrunde während des Vortrages

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Organisationsteam!

Ich möchte mich herzlich für die Einladung bedanken, hier in Freising anlässlich der Jahrestagung verwaiste Eltern den Festvortrag zu halten. Bereits im Titel "Aus den Tränen wächst die Hoffnung" werden jene zwei Themenbereich angesprochen, denen wir uns zuwenden werden. Tränen als Ausdruck der Trauer auf der einen Seite -Hoffnung auf der anderen: beim ersten Hinschauen scheinen diese beiden Bereich nur wenig miteinander zu tun zu haben -manchem werden sie sogar als Widerspruch erscheinen. Und doch gibt  es viele verschiedene Verbindungen zwischen einer durchlebten  Trauer und dem weiten Feld der Hoffnung. Diese Verbindungen sichtbar zu machen, ist ein Anliegen dieser Veranstaltung und ich hoffe, dass wir alle am Ende dieses Zusammen-treffens viele verschiedene Bausteine in Händen halten, um an dem Haus Hoffnung bauen zu können.

Bei der Vorbereitung auf den heutigen Nachmittag habe ich selbst ein bisschen Rückschau gehalten und mir über meinen persönlichen Zugang zum Veranstaltungs-Thema Gedanken gemacht. Und so möchte ich meine Ausführungen damit beginnen, Ihnen einige Stationen aus meiner eigenen Lebensgeschichte zu erzählen, die mich  mit den Themen Trauer, Verlust und Abschied konfrontierten und  dafür sensibel gemacht haben. Gleichzeitig werde ich dabei einige Aspekte der Trauer ansprechen, die wir dann auch noch anhand von Folien und Gruppengesprächen vertiefen werden. 

Von meiner beruflichen Ausbildung her  bin  ich Krankengymnastin und Psychologin. Als junge Krankengymnastik habe ich zunächst mit querschnittsgelähmten Patienten gearbeitet und später in einem Heim für mehrfach schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche. In beiden Fällen habe ich Menschen getroffen, die trauerten  -bei den Querschnittsgelähmten Menschen war es die Trauer um den Verlust der Beweglichkeit, Trauer um den Verlust eines normalen Lebens, bei den behinderten Kindern war es vor allem die Trauer der Eltern, die mich sehr berührte, es war die Trauer wegen der nicht zu ändernden Situation ihrer Kinder,  Trauer um den Verlust an Hoffnung auf ein gesundes, "normales" Leben ihrer Kinder. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass Trauer sich durchaus nicht nur auf den Verlust von Leben bezieht, sondern viele verschiedene Facetten hat und sich als lebensbegleitendes Gefühl in vielen Situationen zeigt.

Es waren nicht zuletzt diese intensiven Begleitsituationen, die mich dazu gebracht haben, Psychologie zu studieren. Es war mir ein Anliegen, die therapeutischen Möglichkeiten der Krankengymnastik mit denen der Psychologie zu verbinden und einen ganzheitlichen Zugang zu den Menschen und ihren Problemsituationen zu finden.

Erstmals ermöglicht wurde mir dies -nach einigen Jahren, die ich als Assistentin an der Uni arbeitete -  im Rahmen einer Tätigkeit in einer  Familienberatungsstelle. Hier erhielt ich die Aufgabe, Frauen zu begleiten, die nach dem damals notwenigen Beratungsgespräch im Vorfeld eines Abtreibungswunsches sich dann doch für das Kind entschieden haben. Die meisten dieser Frauen hatten sowohl große seelische wie auch soziale Probleme. Einschneidende Erfahrungen machte ich vor allem mit jenen Frauen, die eine Fehlgeburt oder Todgeburt erlitten. Und wieder zeigte sich einen neue Facette der Trauer -jene Trauer, die auftritt, wenn Anfang und Ende des Lebens zusammenfallen. Es ist die Trauer um ein Leben, das meist noch keinen Namen hat, Leben, das erst ganz zaghaft angeklopft hat und dabei war, einen neuen Lebensabschnitt für die Eltern einzuleiten. Und es ist eine oft schwer greifbare, gesellschaftlich wenig akzeptierte -wenn man das so sagen kann - Trauer, die sich oft erst Jahre später in aller Wucht ihren Weg bahnt. Dies habe ich nicht nur in Begleitsituationen erlebt,  sondern auch am eigenen Leib: Nach einer schweren Fehlgeburt, bei der die Ärzte kurzzeitig in großer Sorge um mein Leben waren,  habe ich die Zeit danach wie in Trance erlebt: da war die Trauer um den Verlust eines Lebens, die Trauer um den Verlust eines neuen Lebensabschnittes -aber da war auch die Freude, einfach am Leben zu sein,  überlebt zu  haben. Erst einige Jahre später -nach der glücklichen Geburt meiner Kinder und dem Leben mit ihnen konnte ich der Trauer um dieses verlorene Kind Raum geben, konnte diesem Kind einen Namen geben und einen Platz in meinem Herzen. Diese persönliche Erfahrung hat mich darin bestärkt, Frauen Mut zu machen über die oft Jahre zurückliegende Ereignisse rund um den Themenbereich Abtreibung, Fehl- oder Todgeburt zu sprechen und ihre Trauer zuzulassen.

Eine weitere wichtige Station meines beruflichen Weges war die Auseinandersetzung mit der Hospizidee. Dabei geht es um die spezielle Begleitung und Betreuung von Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen oder bei denen eine Heilung ihrer Krankheit nicht möglich ist. Im Vordergrund der Bemühungen steht die Aufrechterhaltung der Lebensqualität durch eine optimale palliativ-medizinische, soziale und spirituelle Begleitung. Im Rahmen der steirischen Hospizbewegung konnte ich an der Entwicklung und Umsetzung der Ausbildungskonzepte für die ehrenamtlichen  Hospizbegleiterinnen und -begleiter arbeiten. Besonders wichtig war mir jedoch über die Jahre hin der Kontakt zu Patienten und deren Angehörigen. In den letzten Jahren habe ich fast ausschließlich  Krebspatienten und deren Familien begleitet. Und wieder waren die Themen Trauer und Hoffnung zentrale Themen. Ich  habe in und durch diese Begleitungen sehr viel über den Verlauf von Trauerprozessen ler-nen können, über die Bedeutung des Prinzips Hoffnung und über die Wandelbarkeit der "großen Hoffnung" hin zu vielen kleinen Hoffnungssplittern.

Durch die Begleitung der Angehörigen von Patienten wurde mir noch etwas sehr deutlich vor Augen geführt: Trauer trifft jeden einzelnen -Trauer trifft aber  immer auch das ganze Familiensystem. Wenn Eltern, Ehepartner oder Kinder schwer erkranken oder gar sterben, sind alle betroffen. Wie bei einem Mobile, von dem man einen Teil wegnimmt, verliert auch die Familie die Balance. Zwei Aspekte machen es für Familien oft so schwer, nach dem Verlust eines geliebten Familienmitgliedes wieder in den normalen Lebensalltag zurückzufinden. Das eine sind die unterschiedlichen Trauerreaktionen, das andere das unterschiedliche Trauer-Tempo.

Eine  trauernde Mutter zeigt beispielsweise ihre Trauer ganz anders als der trauernde Vater oder die trauernden Geschwister. Alle trauern -  doch jeder trauert anders. Und: jeder braucht seine Zeit, um mit dem Schicksalsschlag fertig zu werden. Aus diesen  großen Unterschieden der Trauerreaktionen und des Tempos können leicht Missverständnissen entstehen, Konflikte und Probleme. Oft stehen Vorwürfe im Raum, etwa: "Du trauerst ja gar nicht", "Du tust so als sei gar nichts geschehen", "Wie kannst Du nur so reagieren…". Auch die oft sehr unterschiedlich erlebten Wünsche und Bedürfnisse nach Rückzug oder verstärkter Nähe können zusätzliche Belastungen darstellen. Auf die große Bandbreite individueller Trauerreaktionen und welche Rolle der Faktor Zeit spielt, werden wir noch ausführlich besprechen.

In den letzten Jahren kam zu meiner praktischen Tätigkeit noch das Verfassen von Fachbüchern zum Thema Sterben, Tod und Trauer sowie Kommunikation und Biografiearbeit hinzu. Gerade in meinem letzten Buch "Erzähl mir dein Leben" habe ich versucht, die Bedeutung des Erzählens für die Bewältigung schwieriger Lebenssituationen darzustellen. Ich habe immer wieder erlebt, wie entlastend es sein kann, über Schwierigkeiten zu sprechen. Bereits das Erzählen der eigenen Krankheitsgeschichte, Trauergeschichte, der eigenen Schicksalsschläge kann heilend und heilsam wirken.

Das erste Buch, das ich gemeinsam mit Kollegin Tropper geschrieben habe, ist als Antwort auf viele Fragen von Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern entstanden, mit denen  wir im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsseminaren aber auch in  Supervisionen gearbeitet haben. Wir haben versucht sog. Tabuthemen in einer - hoffe ich - gut verständlichen Sprache praxisnahe zu vermitteln.

Im Zusammenhang mit dem Themenbereich Trauer werden mir in den Aus- und Weiterbildungsseminaren immer wieder zwei Kernfragen gestellt: zum einen die Frage, in welchen Trauersituationen professionelle Hilfe angezeigt ist und zum anderen wie lange ein sog. normaler Trauerprozess dauert.

Es ist mir ganz wichtig zunächst einmal festzuhalten, dass Trauer  keine Krankheit, kein pathologischer Zustand ist, sondern ein Gefühl, das uns erlaubt, mit den vielen Verlusten unserer Lebens fertig zu werden. Es ist die Antwort unserer Seele auf Abschied und Verlust. Ohne die Trauer könnten wir die vielen notwendigen Anpassungsleistungen, Veränderungen und Trennungen nicht bewältigen. Normaler weise können Menschen mit Hilfe ihres sozialen Netzes -der vielfältigen Beziehungen zu ihrer Familie, ihren Freunde und Kollegen -Trauersituationen gut bewältigen.

Manche Situationen sind jedoch so gravierend, dass eine spezielle Unterstützung hilfreich wenn nicht gar notwendig ist.

Dazu zählt in erster Linie der Verlust eines Kindes. Dieser Verlust stellt die Lebensgesetzte auf den Kopf. Wenn beispielsweise die Großmutter mit 85 Jahren am Ende eines erfüllten Lebens stirbt, sind wir auch betroffen und traurig und doch können wir diesen Tod leichter akzeptieren. Es gehört zu den Lebensgesetzten, dass am Ende des Lebensbogens Leben erlischt. Diese Gesetzmäßigkeiten können wir Jahr für Jahr in der Natur beobachten, sie sind Teil unseres Wissens, unserer Erfahrungen. Jede Blume keimt, entwickelt eine Knospe, erblüht langsam, steht in voller Blüte bis sie langsam verblüht und verwelkt. Tod am Ende eines auch biologischen Weges haben wir gelernt zu akzeptieren.  Ganz anders ist dies jedoch, wenn der Tod bereits früher anklopft, wenn  Kinder oder Jugendliche sterben. In der Fachsprache sprechen wir demnach auch von  einem sog. "unzeitgemäßen" Tod. Dieser Tod stellt die Lebensgesetzte auf den Kopf, bringt den festen Boden zum Schwanken und lässt keinen Stein auf dem anderen. In aller Regel werden Familien in so einer Situation intensive professionelle Unterstützung brauchen -sei dies von Ärzten, Seelsorgern, Therapeuten, die zusätzlich zu einem aktiven Sozialnetz tätig werden. Ich möchte an dieser Stelle bereits kurz darauf hinweisen, wie wichtig Trauerarbeit ist und: es ist keine Schande, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen!

Die zweite häufig gestellte Frage bezieht sich auf die Dauer der Trauer. Wie lange ist es normal zu trauern? Sie alle kennen sicherlich das sog. Trauerjahr. Für dieses erste Jahr nach einem Todesfall gab es bestimmte Regeln und Rituale, die leider in unserer Zeit immer seltener werden. Früher hat man beispielsweise die Trauerkleidung getragen -schwarze Kleidung sollte signalisieren, dass ein Mensch trauert. In diesem Ritual lag eine doppelte Bedeutung: zum einen machte sie den Betroffenen selbst ihre Ausnahmesituation deutlich, zum anderen setzte es ein sichtbares Zeichen für die Umgebung: jeder wusste um den Ausnahmezustand des Menschen Bescheid. Der weitgehende Verlust dieser Rituale in unserer Zeit erschwert so manchem Trauernden eine aktive Auseinandersetzung mit der Trauer und erschwert den Mitmenschen eine adäquate Reaktion.

Die angesprochene soziale Regel des Trauerjahres korrespondiert in gewisser Weise tatsächlich mit dem seelischen Verlauf von Trauer. Häufig wandelt sich nach einem Jahr das Trauererleben. Das erste Weihnachten ohne den geliebten Menschen ist vorübergegangen, der erste Geburtstag, der erste Jahrestag … . Vieles hat sich verändert, der Schmerz brennt nicht mehr ganz so stark, die Wunden beginnen langsam zu heilen. Dennoch weiß man heute aus zahlreichen Untersuchungen, dass ein normaler Trauerprozess bis zu drei Jahre dauern kann. Erst ab einer Zeit von drei Jahren und mehr spricht man in der Fachsprache von chronifizierter Trauer -einer Trauer, die sich nicht mehr ohne gezielte thera-peutische Begleitung auflöst.

Bevor wir uns den einzelnen  Stationen der Trauer und wichtigen Aspekten der Begleitung zuwenden, möchte ich Sie zu einer kleinen Bil-derreise durch den Jahreskreislauf einladen. Setzen Sie sich entspannt zurück und lassen Sie die Bilder aus den verschiedenen Jahreszeiten auf sich wirken. Vielleicht werden Sie ein Lieblingsbild finden, vielleicht werden Sie sich durch eine Jahreszeit besonders angesprochen fühlen, vielleicht werden Sie auch an bestimmte Ereignisse und Erfahrungen erinnert.

An dieser Stelle wurden Fotos zum Jahreskreislauf gezeigt. Die Blumen- und Landschaftsbilder wurden da und dort durch "Fremdkörper" unterbrochen.

Sie haben sicherlich bemerkt, dass da und dort ein Bild auftauchte, dass als Fremdkörper in die harmonische Reihe der Bilder hineinragte: da ein Stacheldraht -dort ein todbringender Frost. Der Verlust von geliebten Menschen ist -auch wenn er vorhersehbar ist -immer so ein Einschnitt, ein Wunden schlagender Stacheldraht, ein eisiger Wind, ein mahnendes Kreuz.

Ich bitte Sie jetzt, sich zu zweit oder zu dritt zusammen zusetzten und miteinander ins Gespräch zu kommen:

"Wie haben Sie diese Reise durch die Jahreszeiten erlebt, in welcher Jah-reszeit fühlen sie sich wohl und zu Hause… welche Erinnerungen sind aufgetaucht…. und welche Reaktionen haben sie bei sich bemerkt."

An dieser Stelle folgte ein Gedankenaustausch in Kleingruppen

Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass Trauer keine Krankheit ist, sondern die natürliche Reaktion unseres Organismus auf Verlust, Abschied und Trennung. Nun leben wir in einer Zeit, in der es schwierig ist, sich mit seelischen Ausnahmesituationen bewusst auseinanderzusetzen. Leichter erscheint es, einfach normal weiterzuleben, nach dem Motto "als wäre nichts geschehen". Dies ist im Zusammenhang mit Trauer jedoch fatal. Trauer, die nicht durchlebt werden kann, friert gleichsam ein, liegt verschlossen, abgekapselt in unserem Inneren -und führt dennoch ein intensives Eigenleben. Unbewältigte, unbearbeitete Trauer bahnt sich auf verschiedene Weise ihren Weg: sie macht sich sowohl auf körperlicher Ebene bemerkbar als auch auf seelischer Ebene. Zu denken ist da an beispielsweise an chronische Schlafstörungen, die über Wochen und Monate anhalten, an Konzentrations- und Leistungsschwächen, an Kopfschmerzen, quälende Gefühle der Sinn -und Hoffnungslosigkeit  u.ä. Ein mehr an Ablenkung von der eigentlich zu bewältigenden Trauerarbeit -z.B. die  Flucht in die Arbeit -bringt jedoch nicht die so dringend erhoffte Linderung der Beschwerden sondern verstärkt diese in aller Regel.

Es ist also durchaus notwendig, sich nach einem Verlust auf die Reise durch das Land der Trauer zu begeben, Trauerarbeit zu leisten. Eine wichtige Grundbedingung, um gerade auch in schweren Trauersituationen zu recht zu kommen, ist schlicht und einfach das Wissen, um die Merkmale des Trauerprozesses. Dieses Wissen kann helfen, kleine Spuren von Hoffnung wahrzunehmen -Hoffnung auf Wandlung der Trauer, Hoffnung auf Neuorientierung im Leben. Nur durch die Annahme der Trauer und die Bereitschaft, das Land der Trauer zu durchwandern, kann der Same Hoffnung zum Keimen gebracht werden, es ist, als würde das Nass der geweinten Tränen nach Zeiten der Hoffnungslosigkeit  das Pflänzchen  Hoffnung wieder wachsen lassen. Diese Sichtweise kann hilfreich sein, um sich nicht in der Dunkelheit der Trauer ganz zu verlieren.

Sie alle haben die eine oder andere Reise durch das Land der Trauer bereits hinter sich. Sie alle haben erlebt, wie sich Trauer auswirkt und was sie alles bewirken kann. Ich habe Ihnen Folien mitgebracht, auf denen die wichtigsten Abschnitte der Trauer dargestellt sind und ich möchte Sie bitten, diese Folien mit mir gemeinsam anzuschauen und für sich selbst festzuhalten, was Ihnen aus Ihrem eigenen Erleben bekannt und vertraut ist. Sie werden vielleicht entdecken, welche Stationen besonders schwer waren, wo sie immer wieder zurückkehren, wo sie vielleicht etwas Unterstützung brauchen. Sie werden vielleicht auch entdecken, wie gut sie durch das Land der Trauer gekommen sind.

An dieser Stelle folgte die Darstellung des Trauerprozesses, literarische Texte sowie wichtige Impulse für eine erfolgreiche Trauerbegleitung.

Exemplarisch seien zwei Zusammenfassungen wiedergegeben:

Stationen der Trauer

Ablehnung der Trauer: Verleugnen oder Verdrängen

 "Weg durch eine leere Wüstenlandschaft"

Aufbruch der Trauergefühle: Aggression, Angst, Schuld…

"Leben mit einem Vulkan"

Auseinandersetzung mit Trauergefühlen: Suchen, Verhandeln…

"Verweilen am See der Tränen"

Annahme der Trauer: Wandlung, Neugestaltung

"Über den Trauerberg zurück ins Leben"

 

In jeder Trauerbegleitung geht es um:

 Beziehung statt Isolation

 Sicherheit statt Angst

 Kommunikation statt Schweigen

 Wahrheit statt Phantasien

 Alltägliche Normalität statt Chaos

Textbeispiel:

Kindertotenlied

Du bist ein Schatten am Tage

Und in der Nacht ein Licht;

Du lebst in meiner Klage

Und stirbst im Herzen nicht.

Wo ich mein Zelt aufschlage,

Da wohnst Du bei mir dicht;

Du bist mienSchatten am Tage

Und in der Nacht mein Licht.

Wo ich auch nach Dir frage,

Find ich von Dir bericht:

Du lebst in meiner Klage

Und stirbst im Herzen nicht.

Du bist ein Schatten am Tage

Und in der Nacht ein Licht;

Du lebst in meiner Klage

und stirbst im Herzen nicht.

(Rückert, F.)

 

Für detaillierte Angaben sei auf folgende Bücher der Autorin verwiesen:

Specht-Tomann, M./Tropper, D.: Zeit des Abschieds. Sterbe- und Trau-erbegleitung. Patmos Vlg.

Specht-Tomann, M./Tropper, D.: Wege aus der Trauer. Kreuz Vlg.

Specht-Tomann, M./Tropper, D.: Zeit zu trauern. Kinder und Erwachse-ne verstehen und begleiten. Patmos Vlg.

Specht-Tomann, M./Tropper, D.: Wir nehmen jetzt Abschied. Kinder

und Jugendliche begegnen Sterben und Tod. Patmos Vlg.

 

Mit dieser Übersicht über die Stationen der Trauer und wichtige Aspekte der Trauerbegleitung habe ich versucht, Ihnen eine differenzierte Sicht des Trauerprozesses zu vermitteln. Für viele Menschen ist es hilfreich zu wissen, wie der Weg, auf dem sie sich befinden, weitergeht und was sich hinter der nächsten Wegbiegung zeigen wird. Viele Menschen können nicht zu letzt aus diesem Wissen Hoffnung schöpfen, dass ihr Weg aus der Dunkelheit wieder hin zum Licht führen wird, Hoffnung, dass sie wieder festeren Grund unter den Füßen spüren werden.

Was jedem einzelnen Trauernden wirklich helfen kann, lässt sich nicht Verallgemeinern. Jeder von uns hat einen ganz besonderen und speziellen Zugang zur Trauer. Jeder von uns trauert anders. Und: es gibt keine Hierarchie der Trauer im Sinne: "diese Trauer ist nicht so schlimm wie jene". Ähnlich wie bei körperlichen Schmerzzuständen ist jede Trauer so tief, so schmerzhaft, so belastend wie sie der Trauernde erlebt. Niemand kann über die Trauer anderer urteilen, niemand kann das Ausmaß an erlittenem Leid, an aufgebrochener Trauer anderer genau nachvollzie-hen. Und so bleibt uns als Helfer und Begleiter nur das eine: sensibel Dazusein für unsere Mitmenschen und ihnen dort Stütze sein, wo sie sich von Gott und der Welt verlassen fühlen.

Ich habe Ihnen Blumenkarten mitgebracht und darf Sie bitten, sich eine zu nehmen und den Kartenstoß dann weiterzugeben. Vielleicht möchten Sie auf der Karte festhalten, was Ihnen ganz persönlich geholfen hat, mit ihrer schwierigen Situation fertig zu werden, was Ihnen geholfen hat, nach dem schweren Verlust wieder Hoffnung zu schöpfen. Vielleicht möchten Sie sie auch nur als Erinnerung an den heutigen Tag aufbewahren.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch zeigen, was anderen Menschen in der schweren Zeit der Trauer geholfen hat.

An dieser Stelle kamen Hinweise über Hilfreiches in Zeiten der Trauer -für alle Betroffenen ist es besonders wichtig, mit sich und den anderen GEDUD zu haben:

Und ich möchte…

Und ich möchte Sie, so gut ich kann,

bitten, lieber Herr, Geduld zu  haben

gegen alles Ungelöste in ihrem Herzen

und zu versuchen, die Fragen selbst

lieb zu haben wie verschlossene Stuben

und wie Bücher, die in einer sehr fremden

Sprache geschrieben sind.

Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten,

die Ihnen nicht gegeben werden können,

weil Sie sie nicht leben könnten.

Und es handelt sich darum, alles zu leben.

Leben Sie jetzt die Fragen.

Vielleicht leben Sie dann allmählich,

ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort  hinein.

(R.M.Rilke)

Ich bin jetzt am Ende meiner Ausführungen angelangt. "Aus den Tränen wächst die Hoffnung" -der Titel unserer Veranstaltung ist aus meiner Sicht sowohl als Feststellung, als Wunsch aber auch als Aufforderung zu verstehen, sich der Trauer nicht zu verschließen. Nur wer sich auf den Weg macht durch das Land der Trauer wird erfahren können, dass sich die Sinn- und Hoffnungslosigkeit wandeln kann. Nur wer sich der Trauer zuwendet wird erleben können, dass sich Wunden langsam schließen. Dass Sie dies selbst erfahren können, wünsche ich Ihnen vom ganzen Herzen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.


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