Als wir gestern zu dritt in Magdeburg losfuhren, hatten mein Mann, eine Verwaiste Mutter und ich ein beklommenes Gefühl. Warum fahren wir hin? Eigentlich wollen wir gar nicht dazugehören. Am liebsten das Schicksal abschütteln, wenn es ginge. Anderseits fahre ich nach Leipzig auch für Dich Daniel. Weil Du nicht mehr lebst, fahre ich zum Konzert. Es ist auch ein Konzert für Dich. Farbe bekennen.

Es regnet, es ist grau. Passendes Wetter oder weint der Himmel?Auch die Nikolaikirche wirkt von außen dunkel. Doch als ich das Gebäude betrete, bin ich überrascht. Ein heller, freundlicher, festlicher Raum. Und auf einmal bekomme ich Gänsehaut und Tränen schießen in meine Augen. Sie sind nicht runterzuschlucken, sie laufen hemmungslos. Sebastian Krumbiegels unverkennbare Stimme hallt durch die Kirche, die Prinzen, Erinnerungen schießen mir durch den Kopf. Irgendetwas passiert in mir. Noch begreife ich nicht.

Da spricht mich eine Mutter an. Wir kennen uns aus einem Seminar der Verwaisten Eltern. Sie erzählt von ihrem Sohn und was ihn und die Prinzen verbindet. Während sie erzählt, ordnen sich die Bilder in mir: Als die Prinzen noch sangen "Du musst ein Schwein sein..." wurde Daniel gerade langsam "erwachsen". Er kam in das Alter, wo man über den ersten Konzertbesuch nachdenken konnte. Und so schenkten wir im Mitte der 90er zum Geburtstag Karten für ein prinzenkonzert. Sein erstes und sein letztes Konzert einer Band. Er war glücklich. Damals begleitete ich ihn dorthin, er war ja erst auf dem Weg erwachsen zu werden. Wenige Jahre später mit 13 verunglückte er bei einem Kanuwettkampf. Wir mussten die Beerdigung unseres Kindes planen. Wie mechanisch und überlegten: Was spielen wir für eine Musik? Gleich war klar: es müssen die Prinzen sein, es war sein erstes großes Konzerterlebnis. Längst hörte er andere Musik, aber das war ein wichtiges Erlebnis. Wir kauften CDs, hörten uns durch die Texte und wählten zwei Lieder aus. Seit der Beerdigung habe ich nie wieder bewusst diese Musik gehört. Erst ging es nicht, dann wollte ich nicht. Und jetzt dieser Augenblick in der Kirche. Das alles schoss mir in Sekunden durch den Kopf. Und irgendwie schloss sich der Kreis. Und es tat gut.

Auf der Rückreise nach Magdeburg redeten wir lange über uns, das Konzert, unsere Kinder. Und wir waren uns einig. Es war ein tolles Konzert. Stimmig, rund, gefühlvoll. Frei von Reden. Aber voller Emotionen. Ein perfekt zusammengestelltes Programm, sehr sensibel und festlich. Danke! An die Sänger, an die Musiker, an die Organisatoren.

Familie Kurrat und Familie Hartig aus Magdeburg


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