Wenn ein Kind trauert

Lehrer und Klassenkameraden sind die „zweite Familie“ eines Kindes. Auch sie reagieren mit starken Gefühlen, wenn ein „Familienmitglied“ mit Tod konfrontiert wird. Diese Hinweise sind von trauernden Eltern, überlebenden Kindern, Schulpersonal und Therapeuten erstellt worden, um die zu unterstützen, die einem trauernden Kind helfen möchten.

Die Trauer eines Kindes

Kinder drücken ihre Trauer häufig eher durch ihr Verhalten aus und weniger mit Worten. Er-wachsene teilen ihre Gefühle überwiegend sprachlich mit. Kinder hingegen eher durch Ihr Handeln. Seien Beobachten Sie also aufmerksam das Verhalten des Kindes, besonders dann, wenn Ihnen Veränderungen auffallen.

Jedes Kind reagiert anders. Rückzug, Aggressivität, Panik, Angst, Wut, Schuld, rückläufige Entwicklung und körperliche Symptome, all das können alles Anzeichen von Trauer sein. Seien Sie geduldig und haben Sie Verständnis.

Wenn Kinder trauern, verkürzt sich deren Konzentrationsspanne .Was möglicherweise im Unterricht wie Desinteresse oder Gelangweiltsein wirkt, ist eher Ausdruck von gedanklicher oder emotionaler Abwesenheit aufgrund der Trauer. Die schulischen Leistungen können da-durch beeinträchtigt werden.

Es kommt vor, dass ein Kind versuchen wird, seine Gefühle von Wut, Schmerz und Angst zu leugnen, indem es sie unerdrückt. Aber letztendlich wird die Trauer sich einen Weg suchen. Es können Monate oder gar Jahre vergehen, ehe ein Kind seinen Mitmenschen diese Gefühle zeigen kann. Dann ist es oft nicht leicht, einen Zusammenhang zum Todesfall zu sehen. Ver-hält sich ein Kind in dieser Weise auffällig, vielleicht auch „ untypisch“, dann ergründen Sie vorsichtig, ob es irgendetwas in der Vergangenheit gab, dass dem Kind Anlass zur Trauer war.

Trauernde Kinder müssen ihre Identität wieder aufbauen. „Wer bin ich?“ wird zu einer wich-tigen Angelegenheit. Helfen Sie ihm bei seiner Suche.

Wahrnehmung von Tod

Mit zunehmendem Alter und wachsender Erfahrung ändert sich die kindliche Wahrnehmung des Todes. Kinder im Kindergarten- oder Vorschulalter halten den Tod oft für etwas Vorü-bergehendes. Mit zunehmendem Alter werden sie sich der Endgültigkeit des Todes immer bewusster. Sie zeigen sich eventuell neugierig in Bezug auf Tod und Beerdigungsrituale. 11-Jährige fangen an, den Tod wie Erwachsene wahrzunehmen.

Ausdruck von Trauer

Setzen Sie sich mit ihren eigenen Gefühlen dem Tod gegenüber auseinander. Teilen Sie Ihre Gefühle mit dem Kind und der Klasse. Es ist in Ordnung zu weinen, traurig oder wütend zu sein. Es ist aber ebenso in Ordnung zu lächeln.

Wenn ein Schüler Sie um ein Gespräch bittet, seien Sie erreichbar und hören Sie mit Ohren, Augen und dem Herzen zu.

Berühren Sie den Schüler. Eine herzliche Umarmung drückt aus:„Ich weiß, was passiert ist und es geht mir nahe. Ich bin für dich da wenn du mich brauchst.“

Seien Sie offen und ehrlich mit Ihren Gefühlen. Schaffen Sie eine Atmosphäre in der Fragen erlaubt sind und die so Vertrauen und Zuwendung fördert.

Ermutigen Sie Kinder, ihren Kummer zu zeigen. Erkennen Sie an, dass Trauer weh tut. Ver-suchen Sie nicht, das Kind (oder die Klasse oder auch sich selbst) vor dem Schmerz zu schüt-zen. Halten Sie den Schmerz mit aus. Bieten Sie Unterstützung und seien Sie erreichbar.

Bieten Sie einen ruhigen, privaten Ort an, an den das Kind sich jederzeit zurückziehen kann, wenn es alleine sein möchte. Fast alles kann zu Tränen führen. Respektieren Sie, dass das Kind trauern muss. Helfen Sie Schülern zu erkennen, daß Trauer eine ganz natürliche und normale Reaktion auf Verlust ist.

Halten Sie das Thema Tod nicht von den Kindern fern. Stellen Sie den Kindern den Tod als natürlichen Teil des Lebens vor. Diskutieren Sie z.B. anhand eines Herbstblattes, einer ver-welkten Blume, eines toten Schmetterlings oder eines gestorbenen Haustieres, den Tod als Teil des Lebenszyklus`. Erkunden Sie Gefühle über Tod, Verlust und Trauer durch Lektüre. Reden Sie darüber gemeinsam als „Klassenzimmer - Familie“.

Trauer im Klassenzimmer

Bedenken Sie, daß eine Klasse eine Gruppe ist, in der die gemeinsame Verarbeitung von Trauer der ganzen Klasse helfen kann. Das bedeutet, dass Schüler sich mit dem Tod in einer vertrauensvollen Atmosphäre auseinandersetzen, und das trauernde Kind Menschen vorfindet, die es unterstützen. Indem wir die Trauer miteinander teilen, vermeiden wir die Isolation, die Trauernde oft empfinden, und die die Trauer ganz unnötig zusätzlich erschwert.

Versuchen Sie nicht, das trauernde Kind durch besondere Vorrechte oder Vergünstigungen zu bevorzugen. Es muss sich nach wie vor als Teil seiner Gruppe fühlen können und es sollte von ihm erwartet werden, sich auch dementsprechend zu verhalten. Mildern Sie Ihre Erwar-tungen mit Verständnis und Freundlichkeit, aber erwarten Sie dennoch, dass das Kind sich weiterhin einfügt.

Wenn möglich, treffen Sie sich mit einigen Freunden des trauernden Kindes, um diesen zu helfen herauszufinden, wie sie den Freund unterstützten können. Es kann sein, daß sich Freunde unsicher fühlen , wie sie mit ihrem Kameraden umgehen sollen, wie sie ihm helfen können.

Helfen Sie, für das Kind Menschen zu finden, die ihm besondere Unterstützung geben könn-ten. Vielleicht gibt es weitere Schüler in der Schule, die Ähnliches durchgemacht haben. Eine Einladung zum Gedankenaustausch untereinander, wird vielleicht gerne angenommen.

Gibt es in der Schulbibliothek Bücher über Tod und Trauer? Dann können Sie dem Kind ein Buch anbieten, was es lesen kann.

Nehmen Sie Kontakt zu den Eltern auf. Halten Sie sich gegenseitig über die Entwicklung des Kindes auf dem neuesten Stand. Weitere hilfreiche Hinweise erhalten Sie auch in unserer Broschüre Vom Umgang mit Trauer in der Schule

Kenntnisnahme eines Todesfalls

Es ist wichtig und notwendig, dass die Schulgemeinschaft über den Tod eines Schülers informiert wird. Unterstützen Sie Gespräche und andere Ausdrucksmöglichkeiten von Trauer, wie z.B. das Vortragen von Gedichten, Bildern und Zeichnungen im Klassenzimmer. Tun Sie et-was, um zu zeigen, wie Sie sich vom Tod des Schülers berühren lassen, damit die Schüler Vergleichbares tun können.

Kinder und Jugendliche werden sich, während sie älter und reifer werden, stets weiter mit dem Tod eines Familienmitgliedes auseinander setzen. Seien Sie weiterhin erreichbar und geben Sie Unterstützung, auch dann noch, wenn andere längst zur Tagesordnung zurückgekehrt sind.


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