Wenn Polizisten auf den Tod eines Kindes reagieren müssen

"dies ist eine unersetzliche Hilfe für Polizisten, die das Richtige sagen möchten, aber nicht wissen wie. Jeder Polizist sollte diese Broschüre gelesen haben."

Wenn Ihnen die schwierigste Aufgabe des Lebens bevorsteht...

Ein Kind stirbt

Die Notrufstelle nimmt einen Anruf entgegen. Sie übernehmen die Fahrt zum Unfallort. Ein Kind ist gestorben. Der Tod kann auf unterschiedlichste Weise geschehen sein: durch Unfall, Krankheit, Mord, plötzlicher Kindstod, Ertrinken, Suizid oder unbekannt.

Wenn  ein Kind stirbt, stehen Familien einer Tragödie gegenüber, durch die sich ihr ganzes Leben für immer verändern wird.

Die Art und Weise wie SIE mit den Familien in den ersten Momenten der Trauer umgehen wird eine lang anhaltende Auswirkung haben. IHR Auftritt wird die Art, wie die Familien an die Trauer herangehen, ganz wesentlich beeinflussen.

Der elterliche Beschützerinstinkt gegenüber ihren Kindern, egal wie alt, wird massiv bedroht wenn sie merken, dass sie diese Situation, die zum Tode ihres Kindes geführt hat, nicht ungeschehen machen können. Sie fühlen sich hilflos durch die Gewissheit, dass sie die Uhr nicht zurückdrehen können, um die Tragödie zu verhindern. Sie fühlen sich wie Versager.

Ihre Pflichten als Polizist sind sehr komplex. Sie versuchen die Situation einzuschätzen und Ihren Pflichten nachzukommen. Das ist nicht einfach, zumal Sie spüren, dass Ihr Handeln als Polizist sich nicht unbedingt deckt mit dem, was Sie als Mensch gerne tun möchten. Es scheint so, als widersprächen sich teilweise die Anforderungen, die man an Sie als Polizist und als Mensch hat. Ihre eigene Zufriedenheit im Umgang mit diesem schwierigen Einsatz wird davon abhängen, wie es Ihnen gelingt, diese beiden Aspekte zu vereinbaren.

Ebenso wie ein Schwerverletzter so geborgen werden muss, dass beim Transport weitere Folgeverletzungen möglichst verhindert werden, so gilt dies auch für die hier besprochene Situation: Sie müssen achtsam vorgehen, um weiteren seelischen Schaden zu verhindern. Das wollen Sie ja auch, denn deshalb lesen Sie diese Zeilen.

Mit unserer Broschüre möchten wir Ihnen Hilfestellung geben, damit Sie Ihre Aufgabe so erfüllen können, dass Sie das gute Gefühl haben, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten alles getan zu haben, um den seelisch schwerverletzten Familienangehörigen mit der notwendigen Sensibilität begegnet zu sein, dies ist eine unersetzliche Hilfe für Polizisten, die das Richtige sagen möchten, aber nicht wissen wie. Jeder Polizist sollte diese Broschüre gelesen haben. Die Broschüre finden Sie hier.

Auf Ihrer Liste der "sehr wichtigen" Dinge sollte auf alle Fälle eine Einschätzung Ihrer Pflichten gegenüber den überlebenden Familienmitgliedern stehen.

Die folgenden Vorschläge von Familien, die den Tod eines Kindes erleben mussten, könnten für Sie hilfreich sein:

  • Seien Sie ruhig, beruhigend. Lassen Sie die Eltern über ihr Erleben und die damit verbundenen Gefühle sprechen. Familienmitglieder zeigen manchmal Zeichen und Symptome extremer Panik und Stress.
  • Erkennen Sie, dass Worte die wütend klingen, oft nur die Angst der Betroffenen ausdrücken. Nehmen Sie das auf keinen Fall persönlich. Man meint mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Sie, sondern diese schreckliche Situation. Die Betroffenen spüren, dass sie dagegen nicht rebellieren können, also richten sie ihre Wut gegen Sie.
  • Sagen Sie der Familie, wie leid Ihnen tut was geschehen ist.
  • Vermeiden Sie urteilende Aussagen. Eltern fühlen sich ohnehin schuldig, dass sie ihr Kind nicht haben beschützen können, selbst dann, wenn sie auf die Umstände überhaupt keinen Einfluss hatten.
  • Seien Sie ehrlich. Sagen Sie den Eltern so viel Sie können. Erklären Sie auch, warum Sie vielleicht nicht all ihre Fragen beantworten können.
  • Erklären Sie den Betroffenen so genau wie möglich, was jetzt alles geschehen wird, vor allem dann, wenn Sie die Staatsanwaltschaft oder das Gesundheitsamt einschalten müssen. Erklären Sie, dass dies alles zu ihrem eigenen Schutz geschieht, z.B. um spätere Vorwürfe entkräften zu können.
  • Zeigen Sie ruhig, dass auch Sie Mensch sind. Dies ist eine Situation, in der Sie Ihren emotionalen Schutzschild ablegen sollten. Hören Sie zu; halten Sie die Hände. Helfen Sie dabei, am Leben festzuhalten, wenn die Eltern am liebsten aus Verzweiflung aufgeben würden.
  • Halten Sie Informationen bereit über Stellen in der Gemeinde, wo der Familie in einer solchen Situation geholfen werden kann. Suchen und kontaktieren Sie jemanden, der für die Familie Unterstützung bieten kann.
  • Sind weitere Kinder in das Geschehen involviert, so suchen Sie möglichst gleich zu Beginn nach einer Person, die sich um die Kinder sorgt, ihnen Beistand gibt.
  • Wenn möglich statten Sie der Familie noch einmal einen Besuch ab, oder rufen Sie einmal an. Dies zeigt, dass Sie wirklich mit ihnen fühlen. Es wird den Eltern mehr bedeuten, als Sie jemals erfahren werden. Dadurch leisten Sie einen wichtigen Beitrag, dass die Betroffenen den schweren Weg durch die Trauer wagen können, ohne zusätzliche Verletzungen, aber im Vertrauen auf eine unterstützende Umwelt.

Sie können und werden etwas bewirken.

Die Familien, die am erfolgreichsten mit ihrer Trauer fertig wurden, haben berichtet, dass sie spürten, wie der Tod ihres Kindes auch den Polizisten nahe ging. Es tat Ihnen gut, die Anteilnahme zu spüren. Womöglichlich sind es Ihre Tränen, (ja, auch das darf sein!) sind es Ihre mitfühlenden Worte oder Gesten, die später den verletzten Seelen der Eltern und Geschwister Heilung bringen - jedenfalls dann, wenn man sieht, dass Sie aufrichtig sind.

Ein Polizist formulierte das Besondere eines solchen Einsatzes so:

"Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man nur eine Chance hat, einer Familie den Tod eines Kindes mitzuteilen. Eine Chance. Das bedeutet, dass ein Polizist nur eine Gelegenheit hat, die richtige Wortwahl im richtigen Ton und mit dem richtigen Grad an Mitgefühl zu sagen."

 

 


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