Wenn ein Kollege/eine Kollegin um ein Kind trauert

Wenn Mütter, Väter oder Geschwister nach dem Tod eines Kindes an den Arbeitsplatz zurückkehren, sind sie oft unsicher und besorgt. Sie haben Angst vor der Reaktion der Kollegen und vor der der Vorgesetzten. Sie haben Angst davor, jeder Kollegin berichten zu müssen, was geschehen ist. Oft wissen die Trauernden nicht, ob sie der Arbeit noch gewachsen sind.

Ebenso groß ist aber auch die Verunsicherung eben dieser Kollegen und Kolleginnen. Was soll ich sagen, wie soll ich es sagen, wie reagiere ich richtig?

Mit den folgenden Hinweisen möchten wir Ihnen eine kleine Hilfestellung geben und Sie ermutigen, auf die betroffenen KollegInnen zuzugehen. Diese finden Sie auch in unserer oben abgebildeten Broschüre Trauer am Arbeitsplatz

Ein Kind ist gestorben. Es gibt keine Worte, die dies wieder ungeschehen machen könnten. Doch es ist möglich, auf verschiedene Weise Unterstützung zu bieten. Indem Sie diesen Text lesen, haben Sie schon den ersten Schritt getan und zeigen, dass Sie helfen möchten.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass Trauer eine natürliche, völlig gesunde und normale Reaktion auf einen Verlust ist. Trauer erfasst den gesamten Menschen von Kopf bis Fuß. Trauer findet im gesamten Menschen statt, in Körper, Geist und Seele. Gefühle wie Wut, Einsamkeit, Angst, Frustration, Schuldgefühle und Verzweiflung sind alles Teile des Trauerprozesses.

Man sollte verstehen, dass Trauer weder ein Zeichen von Schwäche, noch ein Zeichen von mangelndem Glauben ist. Trauernde Menschen erleben Schmerz, sind durcheinander, leiden unter Konzentrationsschwäche und Isolation. Menschen in der Umgebung der Trauernden fühlen sich oft frustriert und hilflos, was sich auch gelegentlich darin zeigt, dass sie sich den Trauernden gegenüber als "genervt" erleben, wenn das Trauern ihrer Meinung nach zu lange dauert. Jedoch dauert die Trauer mit all ihren Begleiterscheinungen viel länger als es unsere Gesellschaft anerkennt und zulässt.

Wie kann ich in solchen Zeiten helfen?

  • Nehmen Sie Kontakt zu anderen KollegInnen auf und berichten Sie von der Situation.
  • Nehmen Sie an der Beerdigung teil oder rufen Sie ihren Kollegen, Ihre Kollegin an, um Ihre Anteilnahme zu bekunden.
  • Bieten Sie an, bestimmte Dinge zu übernehmen, wie z.B. Autofahrten, Telefonate...
  • Haben Sie keine Angst vor Tränen. Tränen sind für trauernde Mütter, Väter und Geschwister eine gesunde Reaktion, ja sogar eine Notwendigkeit.
    o Warum drehen sich alle weg, sobald eine Träne fließt? (ein Manager)
  • Seien Sie sich dessen bewusst, dass jeder und jede unterschiedlich trauert. Einige finden großen Trost und willkommene Abwechslung in ihrer Arbeit, wogegen andere diese zuweilen als unerträglich empfinden.
  • Bieten Sie an, Ihrem Kollegen, Ihrer Kollegin etwas von seiner oder ihrer Arbeit abzunehmen. Manchmal können die kleinsten Gesten die Last wesentlich erleichtern.

Was kann ich sagen?

  • Es gibt keine Zauberworte, durch die der Schmerz verschwindet. Ein "Es tut mir Leid" wird ihre Gefühle ehrlich wiedergeben, und eine Umarmung oder Berührung schenkt den Trost, der oft dringend benötigt wird.
  • o Eine Kollegin hat mein schmerzendes Herz berührt, indem sie auf einem 
       Picknick ihre Erinnerungen an mein Kind mit mir geteilt hat
    .
  • Erwähnen Sie den Namen des verstorbenen Kindes und hören Sie Ihrem Kollegen, Ihrer Kollegin zu, wenn er oder sie erzählt.
  • Vermeiden Sie es, Dinge zu sagen wie "Ich weiß, wie es Ihnen geht", da es sehr schwierig ist, das Ausmaß des Todes eines Kindes verstehen zu können.
  • Sprüche wie "Es war Gottes Wille" und andere Klischees entwerten den Verlust und sind nicht hilfreich.
  • Versuchen Sie nicht, irgendetwas Positives im Tod des Kindes zu sehen, wie z.B. "Wenigstens habt ihr noch weitere Kinder.", oder "Wenigstens hat er nicht leiden müssen.", oder "Ihr könnt ja immer noch weitere Kinder haben." Äußerungen dieser Art tragen wenig zum Trost der Eltern bei.

Was kann ich bei der Arbeit tun?

  • Hören Sie einfach zu! Lassen Sie Ihren Kollegen, Ihre Kollegin von Schmerz, Wut, Fassungslosigkeit und seinen oder ihren Schuldgefühlen erzählen. Trauernde Eltern und Geschwister haben oft das Bedürfnis, immer und immer wieder über ihr Kind, ihren Bruder, ihre Schwester und die Umstände des Todes zu reden.
    o Jemand hat mich bei der Arbeit getroffen, um das Auto meines Sohnes zu
       kaufen. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass einer meiner Kollegen 
      
    dabei gewesen wäre als das Auto wegfuhr. (ein Bauarbeiter)
  • Denken Sie an Ihren Kollegen, Ihre Kollegin an besonderen Tagen wie Feiertage oder Geburtstag oder Todestag des Kindes. Schicken Sie eine Karte, rufen Sie an oder machen Sie einen Besuch, … Lassen Sie ihn oder sie wissen, dass Sie auch daran gedacht haben.
  • Wenn Sie das Kind selbst gekannt haben, scheuen Sie sich nicht davor, eine liebevolle Erinnerung, die Sie an das Kind haben, zu erzählen.
  • Seien Sie geduldig. Trauer kann Monate, sogar Jahre andauern. Auch kann sie ganz unerwartet wieder an die Oberfläche treten.
  • Reden Sie mit der Leitung, wie das Unternehmen dem Kollegen oder der Kollegin Unterstützung bieten kann.
  • Reagieren Sie auf die Veränderungen, die trauernde Eltern und Geschwister durchmachen. Während diese versuchen, mit dem Tod des Kindes, des Bruders oder der Schwester zu leben, werden sie neue Verhaltensweisen annehmen. Erwarten Sie nicht, dass man aus einer solchen Erfahrung unverändert hervorgeht.
  • Weisen Sie die Eltern und die Geschwister auf die Verwaisten Eltern hin. Zu jedem Abschnitt der Trauer kann es andere Eltern oder Geschwister geben, die Unterstützung, Freundschaft und Verständnis bieten können.
  • Brechen Sie die Isolation, die so häufig trauernde Mütter, Väter und Geschwister umgibt, indem Sie andere Menschen dazu ermutigen, den Kontakt mit der Familie aufrecht zu erhalten.
  • Bleiben Sie auch selbst in Kontakt mit der oder dem Trauernden. Laden Sie Ihren Kollegen, Ihre Kollegin ab und zu zum Mittagessen oder auf einen Kaffee ein.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei all den Menschen bedanken, die versuchen wollen, Ihren Kollegen oder Ihre Kollegin in einer solch schwierigen Phase des Lebens zu unterstützen.

 

 


Suchen

Interaktiv

Wir freuen uns immer über Vorschläge, wie wir unser Angebot ausbauen können. Schreiben Sie uns!

Spenden

Unterstützen Sie unsere Arbeit und damit Familien in der schwierigsten Zeit Ihres Lebens.

Jetzt online spenden


Oder spenden Sie direkt:

Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN: DE26 370205000008321100
BIC:  BFSWDE33

Herzlichen Dank für Ihre Spende!

© 2018 - VEID - ® "Verwaiste Eltern" ist seit 1997 eingetragenes und geschütztes Markenzeichen des Veid. Die Verwendung Bedarf der Zustimmung.