Wenn ein(e) Mitarbeiter(in) um ein Kind trauert

Die meisten Menschen werden irgendwann emotionalen Stress und Trauer im Zusammenhang mit dem Tod eines Familienmitgliedes erleben. Doch der Tod eines Kindes ist wahrscheinlich der verheerendste Verlust, den Eltern erleben können.

Trauer ist eine normale und natürliche Reaktion auf Verluste jeglicher Art. Trauer erfasst den ganzen Menschen, körperlich, emotional, spirituell und auf psychologischer Ebene.

Trauer erfasst den ganzen Menschen

Trauer ist ein sehr komplexer Prozess, der durch unsere vorangegangenen Erfahrungen, die Einstellung zum Glauben, das soziale Umfeld des Trauernden, die körperliche Verfassung und auch durch die Umstände, die zum Tode führten beeinflusst wird. Niemand kann den Tod ungeschehen machen, auch der verständnisvollste und einfühlsamste Arbeitgeber kann dem Trauernden nicht den Schmerz nehmen, jedoch können umsichtige, verständnisvolle und akzeptierende Vorgesetzte ganz wesentlich dazu beitragen, dass der Trauernde sich angenommen und verstanden fühlt. Das wiederum sind wesentliche Voraussetzungen dafür, dass Menschen auch nach dem schlimmsten Verlust, dem Tod eines Kindes, ganz allmählich wieder zurückfinden in einen geordneten Alltag, in dem sie ihre Fähigkeiten nutzen können für die anstehenden Aufgaben.

Es ist wichtig, Trauer zu verstehen

Es ist wichtig zu verstehen, dass Trauer nicht ein Zeichen der Schwäche oder des Zweifelns an seinem Glauben ist. Der Weg durch die Trauer ist nie einfach. Die, die trauern, fühlen sich oft wie in einem Netz des Schmerzes, der Verwirrtheit und Isolation gefangen. Und Menschen, die sich in der Umgebung dieser Trauernden befinden, zeigen häufig ein Gefühl der Hilflosigkeit und Überforderung, was sich nicht selten in Abwehr und Gefühlen von Genervt – sein äußern kann. Das geschieht besonders dann, wenn man das Gefühl hat, dass die Trauer „ zu lange „ dauere. Doch dauert der Trauerprozess mit seinen vielen Höhen und Tiefen viel länger, als es unsere Gesellschaft wahrhaben will.

Auswirkungen von Trauer auf Persönlichkeit, Familie und Partnerschaft

Der Tod eines Kindesführt zu fundamentaler seelischer Erschütterung

  • bedeutet Persönlichkeitskrise und Familienkrise
  • zerreißt das Geflecht von Rollen, Funktionen und Beziehungsstrukturen in der Familie und im gesamten sozialen Umfeld
  • führt  zu einer zusätzlichen Belastung für die Familie wegen des unterschiedlichen Umgangs mit Trauer:

Männer trauern anders als Frauen,

Erwachsene anders als Kinder und Jugendliche

Forschungen haben gezeigt, dass durch emotionalen Stress die Produktivität verringert und das Unfallrisiko erhöht werden kann. Ein Mitarbeiter, dessen Kind gestorben ist, empfindet vielleicht

  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
  • Konzentrationsschwäche
  • Kein Interesse für Dinge, die die Arbeit betreffen
  • Frust und Gereiztheit
  • Depressionen und Stimmungsschwankungen
  • Ehe- und Familienprobleme

Nicht gelebte Trauer ist Auslöser u. a. für folgende

psychosomatische und körperliche Erkrankungen.

  • Suchtverhalten
    • Rauchen
    • Konsum von Alkohol
    • Beruhigungsmittel / Schlafmittelkonsum
  • Herzbeschwerden
  • Gewichtsverlust
  • Anhaltende Angst oder Panikgefühl
  • Atemnot
  • Allgemeine Erschöpfung
  • Schlaflosigkeit
  • Nervosität
  • Verstopfung
  • Erbrechen
  • Durchfall

Aus F.Lösel, M. Ott-Engelmann (1985)

Trauer ist keine Krankheit, kann aber krank machen.

Die folgenden Zitate stammen von einem Geschäftsführer eines großen Deutschen Industrieverbandes, nach dem Tod seiner Tochter. Sie geben einen Einblick in die tiefe der seelischen Erschütterung und machen deutlich, dass Trauer über mehr oder weniger langen Zeitraum gravierend die Arbeitsfähigkeit und Belastbarkeit eines Menschen beeinflussen kann. Dass Menschen in dieser Situation der besonderen Fürsorge – auch durch Vorgesetzte und Kollegen – bedürfen, steht außer Frage.

Zitate:

„In der tiefen Sehnsucht nach meiner Tochter zerfließe ich, habe das Gefühl, jede Form zu verlieren. Dies grenzt an Persönlichkeitsverlust, ich hör für Momente als Wesen mit Wille und Form auf zu existieren...“

„Meine Gewissheiten, Bezüge und Sinngehalte sind wie weggeblasen. Ich sehe keine Zukunft, nur ein schwarzes Loch.“

„Selbsterhaltung hat keinen Wert mehr. Wochenlang an der Grenze zum Irresein entlang. Wochen- und monatelang am Rande des Halluzinativen entlang zu leben.“

( aus Martin Janssen: Laßt mich weinen. Ein Vater trauert um seine Tochter. Göttingen, Zürich (1998).

Wie können Sie helfen?

Es gibt durchaus einige Möglichkeiten, wie Sie die Auswirkung der Trauer auf die Arbeitsleistung Ihres Mitarbeiters verringern können.

  • Ihre Anteilnahme und ihr Interesse an seinem Schicksal kann für Ihren Mitarbeiter, aber auch für Sie selbst, von großer Bedeutung sein. Wer sich angenommen und verstanden fühlt, ist eher bereit  und in der Lage, auch unter schweren Bedingungen Leistung zu zeigen.
  • Vielleicht wird es in der Anfangsphase nötig sein, sich flexibel zu zeigen hinsichtlich der Arbeitsregeln, wie z.B. der Arbeitszeiten, und der Pausenregelung.
  • Vermeiden Sie es, dem Mitarbeiter in dieser Zeit neue Verantwortung oder neue Aufgaben zuzuteilen.
  • Sollte der Mitarbeiter eine gefährliche Arbeit (z. B. mit gefährlichen Maschinen) verrichten, sollten Sie darüber nachdenken ihn eine Weile woanders einzusetzen.
  • Achten Sie darauf, dass Sie den Arbeitseinsatz mit dem Mitarbeiter durchsprechen. Wenn möglich , geben Sie dem Mitarbeiter Anweisungen schriftlich. Dann kann er immer mal wieder nachsehen, falls er mit seinen Gedanken nicht immer ganz bei der Sache war.
  • Kommunizieren Sie! Überhäufen Sie ihn nicht mit Aufgaben; aber lassen Sie es zu, dass der Mitarbeiter Ihnen zeigt, wenn er für weitere Aufgaben bereit ist.
  • Es kann auch sein, dass der Mitarbeiter dankbar dafür ist, wenn er eine Weile etwas entlastet wird, was den Arbeitsumfang betrifft.

Treffen Sie solche Entscheidungen aber nicht über den Kopf des Mitarbeiters hinweg, sondern beziehen Sie ihn in Ihre Überlegungen mit ein.

  • Wenn es ein spezielles Programm gibt, welches Mitarbeiter in schwierigen Zeiten in Anspruch nehmen können, dann sorgen Sie dafür, dass der Trauernde darüber Bescheid weiß.
  • Halten Sie Broschüren und Faltblätter über Selbsthilfegruppen bereit, wie z. B. die Verwaisten Eltern.

Trauer ist eine ganz individuelle Reaktion. Jeder Mensch trauert anders, und jeder Mensch empfindet andere Dinge als hilfreich und entlastend. Deshalb ist es so wichtig, sich mit dem Trauernden zu unterhalten, ihm Hilfen anzubieten, aber ihn auch zu ermutigen, ganz konkret mitzuteilen, was er für sich in dieser Situation als Unterstützung wünscht.

 Es gibt keinen präzisen Zeitplan für den Trauerprozess. Während dieser Zeit kann es sein, dass ihr Mitarbeiter weniger produktiv ist. Doch hat unsere Erfahrung gezeigt, dass Mitarbeiter, die bei der Arbeit Unterstützung erhalten, sich schneller erholen und schneller wieder leistungsfähig werden als die Eltern, die keine Hilfe bekommen. Verarbeitete Trauer führt letztlich zu einem produktiveren Mitarbeiter, wogegen unbearbeitete Trauer zu weiteren, anhaltenden Symptomen führen kann. Trauer ist keine Krankheit, aber sie kann krank machen, wenn man ihr nicht den nötigen Raum gibt.

Es wird sich bezahlt machen, wenn Sie trauernden Eltern helfen. Die gesamte Arbeitsatmosphäre kann dadurch verbessert werden, wenn nämlich die anderen Mitarbeiter sehen, wie Sie mit einer solchen Situation umgehen. Außerdem kann Ihr Verhalten eine besondere Bindung bewirken, was zu einem treuen , engagierten und loyalen Mitarbeiter führt. Dann gehören solche Meldungen für Ihr Unternehmen bald der Vergangenheit an:

"Depressive Erkrankungen führen in Deutschland zu immer mehr Arbeitsausfällen. Die Fehlzeiten auf Grund depressiver Störungen seien seit dem Jahr 2000 jährlich um mehr als fünf Prozent gestiegen, heißt es im Gesundheitsreport, den die Techniker-Krankenkasse am Montag in Berlin vorstellte. In Deutschland führten solche Arbeitsausfälle im Jahr 2002 zu etwa 18 Millionen Fehltagen – und mit durchschnittlich 51 Tagen je Fall zu „ausgesprochen langen Krankschreibungen“. Der allgemeine Krankenstand in Deutschland habe sich hingegen nur geringfügig erhöht. (dpa)"

Aus Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.09.2003, Nr. 209

Im Namen aller verwaisten Eltern danken wir Ihnen sehr, dass Sie sich um das Wohl Ihrer trauernden Mitarbeiter sorgen und sich deshalb durch diese Zeilen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihnen inspirieren lassen. Weitere hilfreiche Hinweise erhalten Sie auch in unserer Broschüre Trauer am Arbeitsplatz

 

Im Land der Trauer

 

Im Land der Trauer

will die Nacht

nicht mehr aufwachen.

Mond und Sterne haben längst ihr Leuchten

eingestellt.

Selbst die Schatten

gingen in der Finsternis

verloren.

Schwarze Gräser

säumen unsern Weg,

den wir nicht sehen.

Doch jede Hand,

die man uns

entgegenstreckt,

verwandelt sich

in Licht.

Renate Salzbrenner


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