(sie starb an einer nichterkannten Herzmuskelentzündung) waren wir auf die Hilfe und den Zuspruch von Familie und Freunde angewiesen. Für dieses "Dasein" bin ich heute noch unendlich dankbar. Doch nicht nur die persönlichen Begegnungen mit Anderen haben uns geholfen, sondern auch all die Briefe und Karten, die wir täglich in unserem Briefkasten fanden. Jeder Brief, jede Zeile ließ uns spüren, dass wir nicht allein sind, und dass wir gesehen werden in unserem Schmerz. Ich kann mich noch heute an die Enttäuschung erinnern, als nach einigen Tagen der Briefkasten leer blieb, obwohl wir noch auf den einen oder anderen Brief gehofft hatten.

Auch wir haben alle Briefe sorgsam aufbewahrt. Sie sind wichtig für uns, da wir noch heute Trost aus Ihnen erfahren. Ganz oben auf dem Stapel liegt der Brief einer Verwaisten Mutter. Wir kannten uns nicht, aber diese Verbundenheit und das Wissen um unseren Schmerz gab uns das wichtige Gefühl nicht alleine zu sein. Eine andere Karte mit dem "Kleinen Prinzen" bemalt und dem Text aus dem gleichnamigen Buch von der Freundin meiner Nichte, war ein Zeichen von Mitgefühl und Wärme für uns. Gut getan haben uns die Gedichte, die manchmal mit drin standen. Am Schönsten fand ich "Spuren im Sand".

Man spürt den Aufwand, die Mühe und das persönliche Mitgefühl aus vielen dieser Briefe, auch wenn oft wenige Worte darin stehen. Weniger hilfreich empfanden wir die Post, die nur eine Karte mit dem Namen und einen Geldschein enthielten. Aber auch hier spürten wir die gute Absicht (manchmal) und die Hilflosigkeit der Menschen.

Schön sind alle die Karten, die farbig oder keine speziell vorgedruckten Trauerkarten sind. Ich empfinde sie persönlicher.

Mit Schrecken erinnern wir uns an eine Karte mit vorgedrucktem religiösem Text. Den Inhalt verstehe ich heute noch nicht ganz, aber der Schlusssatz: "Doch tief drinnen freu ich mich auch für Dich, dass da einer mehr ist, der Dich einst willkommen heißt." hat uns alle tief getroffen und wütend gemacht. Dieser Familie begegne ich heute noch zurückhaltend.

 

Maria Ernst

 


Suchen

Interaktiv

Wir freuen uns immer über Vorschläge, wie wir unser Angebot ausbauen können. Schreiben Sie uns!

Spenden

Unterstützen Sie unsere Arbeit und damit Familien in der schwierigsten Zeit Ihres Lebens.

Jetzt online spenden


Oder spenden Sie direkt:

Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN: DE26 370205000008321100
BIC:  BFSWDE33

Herzlichen Dank für Ihre Spende!

© 2018 - VEID - ® "Verwaiste Eltern" ist seit 1997 eingetragenes und geschütztes Markenzeichen des Veid. Die Verwendung Bedarf der Zustimmung.