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Geschwisterkinder

"Freude und Trauer sind Geschwister, die sich nie aus den Augen verlieren." (Brigitte Fuchs)

Kinder begegnen dem Tod – wenn das geliebte Haustier stirbt, die Großeltern oder auch wenn der Bruder oder die Schwester versterben.

Wenn wir Kinder in ihrer Konfrontation mit dem Tod begleiten sind wir bereits einen ersten wichtigen Schritt gegangen. Der erste Impuls vieler Erwachsener ist es, die Kinder vor der Begegnung mit Sterben und Tod zu schützen. Doch Kinder reagieren auf den Verlust, den sie erfahren haben.

Kinder trauern – trauern aber anders als Erwachsene. Kinder leben in der Gegenwart. So können Momente großer Trauer auf ein fröhliches Spielverhalten folgen. Kinder zeigen und leben ihre Trauer eher tropfenweise, das heißt weniger kontinuierlich als Erwachsene.

Todesvorstellungen von Kindern entsprechen ihrem jeweiligen Alter und die Trauer wird altersentsprechend Ausdruck finden. Sie haben kaum die Möglichkeit sich durch Fragen die Informationen zu holen, die sie brauchen und erleben so den Tod ihres Geschwisterkindes als tiefe Verunsicherung. Daher sind sie auf Erwachsene und ihre Begleitung angewiesen. Sie drücken ihre Gefühle weniger über Sprache aus als über nonverbale Ausdrucksweisen. Das Nachspielen von Schlüsselszenen, das Malen von Bildern oder Erfinden von Ritualen kann eine für sie hilfreiche Möglichkeit sein ihre diversen Gefühle in ihrer Trauer auszudrücken.

Verstirbt ein Kind innerhalb einer Familie kommt es für das Geschwisterkind oft zu Mehrfachverlusten. Die Eltern sind aufgrund ihrer eigenen Trauer gerade anfänglich nicht gänzlich in der Lage dem lebenden Kind den emotionalen Schutz und Halt zu geben, den es braucht. Hinzu kommt, dass Kinder, die ein Geschwisterkind verloren haben, sich manchmal aus individuellen Gründen schuldig fühlen, manchmal Erleichterung empfinden, geängstigt sind oder auch verwirrt von ihren Emotionen und dem Geschehen im Familiensystem.

Im Folgenden können Sie nachlesen, wie sich die Trauer bei Kindern ausdrückt und wie Kinder mit ihrer Trauer begleitet werden können:

  • Sprechen Sie altersangemessen über den Tod mit den Kindern.
  • Nennen Sie  den verstorbenen Bruder/ Schwester bei seinem Namen.
  • Geben Sie dem Geschwisterkind als vertrauensvolle Bezugsperson Zeit, Nähe und Sicherheit.
  • Ermutigen Sie das Kind seine Gefühle auszudrücken - verbal und nonverbal.
  • Trauernde Kinder brauchen Raum für Spiele und kindgerechte Rituale.
  • Lassen Sie Kindern den Freiraum für ihre eigenen Erklärungen und Bilder, was über den Tod hinaus mit dem verstorbenen Bruder/ der Schwester passiert.

Viele Eltern und andere Bezugspersonen fragen oft, ob sie Kinder mit der Beerdigung des Geschwisterkindes konfrontieren können und wenn ja, ab welchem Alter. Bestenfalls fragen sie das Kind, ob es an der Beerdigung teilnehmen möchte oder nicht. In einem Gespräch sollte es zuvor alle seine Fragen stellen können. Hierfür finden Sie unter auf unsere Webseite demnächst Buchempfehlungen.

Es gibt in der für Kinder befremdlichen Situation von Bestattung und Trauerveranstaltungen Möglichkeiten sie mit einzubeziehen: Kleinere Geschwister können zum Beispiel die Blumen für den Grabschmuck mit aussuchen, der Sarg kann von den Verwaisten Eltern und dem Geschwisterkind bemalt werden. Oder Kinder können Ballons mit einem Wunsch für die verstorbene Schwester/ dem Bruder steigen lassen.

Je mehr ein Geschwisterkind nach dem Tod von Bruder oder Schwester eingebunden ist, dabei Halt und Geborgeneheit erfährt sowie Raum für die eigenen Gefühle hat, desto tragender kann für sie der Abschied sein.