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Der Verlust eines Kindes wird als so einschneidend erlebt, dass Sie sich fühlen, als wäre ein Stück von Ihnen selbst gestorben. Sie sind beraubt worden, sind nicht mehr die, die Sie vorher waren, und Sie werden es auch nie mehr sein. Die Welt hat sich für Sie verändert, ihr Lebensmut wurde gemindert, der Zukunftsentwurf ist zerstört. Diese Veränderungen sind überaus schmerzlich. Es ist nicht nur der Verlust des Kindes, es ist auch die Verstörung, in Ihnen selbst, die Sie so orientierungslos macht.

Der Tod eines Kindes ist eine Krise für die gesamte Familie – und das nicht nur für eine kurze Zeit. Jeder trauert anders, Männer anders als Frauen, Erwachsene anders als Kinder oder Jugendliche. Diese unterschiedlichen Reaktionen und Wege der Trauer erzeugen Enttäuschungen und Unverständnis. Nicht selten zerbrechen Partnerschaften. Trauernde Geschwister leiden neben ihrem eigenen Schicksal vor allem unter der Trauer der Eltern und auch darunter, dass ihre Eltern nicht mehr die sind, die sie vor diesem Schicksalsschlag waren.

Männer und Frauen gehen bekanntlich ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen um, das schlägt sich auch ihrer Art zu trauern nieder. Männer lenken sich eher ab, während Frauen gerne darüber sprechen. Das fällt besonders ins Gewicht, wenn Paare trauern. Dass Frauen anders mit ihrer Trauer umgehen, macht es insbesondere für Paare, die ein Kind verloren haben, außergewöhnlich schwierig. Wenn der Partner bzw. die Partnerin in dieser extrem belastenden Situation so ganz anders reagiert, sind Beziehungsprobleme nicht selten. Auf der anderen Seite können  gemeinsam bewältigte Krisen eine Partnerschaft auch vertiefen. Sich der Trauer zu stellen, diese "auszuleben" kann dabei helfen. 

Was trauernde brauchen, ist Geduld, unendlich viel Geduld. In erster Linie wünschen sich die meisten Familien, sobald die Phase des ersten Schocks etwas abgeklungen ist, dass ihrer Klage geduldig gelauscht wird. Wenige Dinge verletzen sie in dieser Zeit mehr, als wenn ihnen - sei es auch in noch so gut gemeinter Absicht - Ratschläge erteilt werden. Zu einem Durchleben der Trauer gehört das Klagen und Jammern, das sich mit seinen Erinnerungen immer wieder im Kreise dreht. Und dann braucht Trauer Zeit, unglaublich viel Zeit — nicht Monate, sondern Jahre — damit die Wunden, wenn schon nicht heilen, so doch wenigstens vernarben können. Diese Geduld und Tragfähigkeit, Eltern in ihrer Klage zuzuhören, immer und immer wieder dieselben ins Leere stoßenden Fragen nach dem Warum anzuhören, bringen wohl auf Dauer nur diejenigen auf, die Ähnliches selbst erlebt haben. Deshalb sind unter den Helfenden in diesem Bereich diejenigen, die selbst betroffen sind, so besonders häufig anzutreffen. Deshalb haben sich auch Selbsthilfe- Zusammenschlüsse betroffener Mütter und Väter als besonders hilfreich erwiesen. Solche Selbsthilfegruppen „Verwaister Eltern", wie sie sich nennen, gibt es mittlerweile in Deutschland fast in jeder größeren Stadt der alten Bundesländer.

Es gibt weder einen richtigen noch einen falschen Weg. Viele Menschen haben Verluste erlitten und tiefe Trauer erlebt – und trotzdem überlebt. Für trauernde Eltern ist es von entscheidender Bedeutung, wahrzunehmen, dass sie nicht alleine sind mit solchen Erfahrungen.