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Der Tod eines Kindes ist eine Krise für die gesamte Familie – und das nicht nur für eine kurze Zeit. Jeder trauert anders, Männer anders als Frauen, Erwachsene anders als Kinder oder Jugendliche. Diese unterschiedlichen Reaktionen und Wege der Trauer erzeugen Enttäuschungen und Unverständnis. Nicht selten zerbrechen Partnerschaften. Trauernde Geschwister leiden neben ihrem eigenen Schicksal vor allem unter der Trauer der Eltern und auch darunter, dass ihre Eltern nicht mehr die sind, die sie vor diesem Schicksalsschlag waren.

Männer und Frauen gehen bekanntlich ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen um, das schlägt sich auch ihrer Art zu trauern nieder. Männer lenken sich eher ab, während Frauen gerne darüber sprechen. Das fällt besonders ins Gewicht, wenn Paare trauern. Auch wenn natürlich jeder Mensch auf seine individuelle Art trauert und immer wieder Ausnahmen die Regel bestätigen, lassen sich doch wesentliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Trauerbewältigung ausmachen. Die meisten Männer versuchen ihr Inneres nicht nach außen zu tragen und sich im Trauerfall ihre extreme emotionale Belastung nicht anmerken zu lassen. Sie wollen den Verlustschmerz allein bewältigen und ihrer Trauer analytisch begegnen. Frauen dagegen lassen ihre Trauer zu und haben in der Regel viele Personen um sich herum, denen sie sich auch in gefühlsmäßigen Ausnahmesituationen gerne anvertrauen.

Eine typische männliche Reaktion beim Tod eines geliebten Menschen ist die Flucht in Ablenkung: Viele stürzen sich vehement in die Arbeit, machen extrem viel Sport oder betäuben sich mit Alkohol und Drogen, um die Gefühle von Wut und Hilflosigkeit, die in der Trauer immer mitschwingen, nicht spüren zu müssen. Dass Frauen so ganz anders mit ihrer Trauer umgehen, macht es insbesondere für Paare, die ein Kind verloren haben, außergewöhnlich schwierig. Wenn der Partner bzw. die Partnerin in dieser extrem belastenden Situation so ganz anders reagiert, wirkt das für den jeweils anderen Partner verstörend. Über Gefühle zu sprechen fällt Männern oft nicht leicht. Wenn Sie dann lieber verdrängen, als über den Tod des gemeinsamen Kindes zu sprechen, kann das zu Mißverständnissen führen, bis hin zu Vorwürfen, weil die unterschiedliche Art des Trauerns nicht gesehen bzw. verstanden wird.

Häufige Verhaltenmuster sind, ein Mann versucht in einer Stresssituation, die Familie zusammenzuhalten, während die Frau sich fallen lässt. Das ist das klassische Verhalten von uns Männern. Die Frauen leben ihre Trauer aus, während die Männer mehr oder weniger herunterschlucken, sich durch Aktivitäten ablenken oder in ein Suchtverhalten geraten, weil sie nicht darüber reden können. Sie fangen an zu trinken, werden spielsüchtig, flüchten sich in sportliche Aktivitäten und auch die Vernachlässigung des eigenen Körpers und das Ignorieren körperlicher Warnsignale sind typische männliche Verhaltenmuster.

Diese Art der Kompensation verhindert, dass die Trauer wirklich akzeptiert und man so wieder handlungsfähig wird. Wenn das dauerhaft nicht gelingt, resultieren daraus häufig körperliche Beschwerden, Depressionen oder Suchtprobleme mit den entsprechenden Folgeschäden. Es lohnt sich also, in der Trauer über seinen Schatten zu springen und darüber zu sprechen, auch wenn es ungewohnt ist und einem am Anfang wirklich schwerfällt. Es heißt, dass insbesondere Männer von den Gesprächen in offenen Trauergruppen profitieren, weil sie dort in relativ anonymer und doch verständnisvoller Atmosphäre über ihren Verlust reden können. Und ganz gleich, ob man viel oder wenig Worte über seine Trauer verliert: Es tut Männern und Frauen gleichermaßen gut.