Gründung

Was tun, wenn es in Ihrer Gegend keine Gruppe gibt?


Die Situation:

Ihr Kind, Enkelkind, Bruder oder Schwester ist gestorben. Sie erleben den größten Schrecken, die größte Hilflosigkeit, den größten Schmerz, und das größte Entsetzen Ihres Lebens.
Sie haben keine Ahnung, ob und wie Sie das überleben, aushalten sollen.
Sie spüren, daß Sie dringend der Hilfe bedürfen, aber wer soll sie Ihnen geben?
Wer versteht Sie in dieser Situation, wer weiß wovon Sie sprechen?
So gerne würden Sie von anderen Betroffenen hören, wie es ihnen geht, wie sie mit diesem Schicksal zurechtkommen.
Sie wissen oder ahnen auch, daß nicht nur Ihr Kind gestorben ist. Sie sehen plötzlich viele solcher Anzeigen in den Zeitungen.
So liegt die Überlegung nahe, eine Gruppe für Verwaiste Eltern, Großeltern oder trauernde Geschwister zu besuchen.  

Was tun, wenn es in Ihrer Gegend keine Gruppe gibt?

Vielleicht könnten Sie eine Gruppe gründen.

"Will ich das wirklich?"

Das sollte Ihre erste Frage sein, deren Antwort nur Sie selbst geben können.

Die Gründung einer Gruppe setzt voraus, daß Sie bereit sind, Zeit, Geduld und manchmal auch etwas Geld zu investieren.

Es mag auch sein, daß Sie sich unerwarteten, ablehnenden Reaktionen Ihrer Familie gegenüber sehen. Hören Sie sich die Argumente an, wägen Sie gut ab, aber lassen Sie sich nicht vorschnell entmutigen.

Aller Anfang ist schwer, aber viele andere haben es auch schon geschafft. Warum nicht auch Sie? 

"Kann ich mir das zutrauen?"

Bedenken Sie bitte eines: In der Gruppe werden Sie nicht nur mit Ihrem eigenen Leid konfrontiert sein, sondern auch mit dem der anderen Teilnehmer. Das kann vor allem am Anfang sehr belastend sein. Kennt man sich nach den ersten Treffen aber etwas besser, kennt man die "Geschichten" der anderen, werden auch Sie vielleicht erleben, daß das Leid der anderen zusätzlich zu tragen weniger wiegt, als die Hilfe, das Verständnis und manchmal sogar Freundschaft, die man hier erfährt. 

Wo bekommen Sie Hilfe?

Ist dann der Entschluß gefaßt, so können Sie sich hier auf unseren Seiten viele Informationen und Anregungen holen.

Erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Nähe eine Selbsthilfekontaktstelle gibt. Dort bietet man vielfach ganz praktische Hilfe an, von der Raumbeschaffung über Pressekontakte bis hin zur Hilfestellung bei den ersten Gruppentreffen. 

Braucht die Gruppe eine Begleitung?

Eine reine Selbsthilfegruppe hat keine Leitung. Alle Teilnehmer sind gleichgestellt, helfen sich gegenseitig, jeder kann Leitungs- und Arbeitsaufgaben innerhalb der Gruppe und für die Darstellung in der Öffentlichkeit übernehmen.

So arbeiten auch viele Verwaiste-Eltern-Gruppen.

Die Erfahrung in diesen Gruppen hat jedoch gezeigt, daß es aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein kann, daß es ein oder zwei Personen gibt, die die Hauptverantwortung übernehmen, die als Ansprechpartner für neue Gruppennmitglieder zur Verfügung stehen und die Gruppenabende organisieren.

Begleitete Gruppen

Meistens sind diese Gruppenbegleiter selbst betroffene Mütter, Väter oder Geschwister, die schon ein Stück ihres eigenen Trauerweges hinter sich haben und für die die Verarbeitung der eigenen Trauer nicht mehr so im Vordergrund steht. Vielleicht wollen Sie die Hilfe, die Sie selbst erfahren haben, dankbar weitergeben, oder aber aus der Erfahrung einer vergeblichen Suche nach Hilfe anderen dieses Alleinsein ersparen. 

Aus- und Weiterbildung?

Diese selbst betroffenen Gruppenbegleiter sollten auch zu ihrer eigenen Unterstützung die Chance nutzen und eine Trauerbegleiter- oder Gruppenleiter-Ausbildung machen. Die Angebote dazu sind so vielfältig wie auch sehr unterschiedlich teuer. Informieren Sie sich über solche Ausbildungsmöglichkeiten auf diesen Seiten. Die lokalen Krankenkassen bezuschussen sehr häufig solche Weiterbildungen.

Für Gruppen, die dem Netzwerk des Bundesverbandes angeschlossen sind, besteht darüber hinaus die Möglichkeit zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch und zur Weiterbildung bei den Gruppenleitertreffen der einzelnen Regionen und der Jahrestagung des Bundesverbandes.  

Vorteile einer begleiteten Gruppe                                                                                      Wenn Gruppen sich eine Begleitung wünschen, geschieht dies meistens aus der Erfahrung, daß sich die Betroffenen, die noch so sehr im eigenen Leid gefangen sind, damit überfordert fühlen, stets die Belange anderer auch im Auge haben zu sollen. Sie empfinden es als Entlastung, wenn sie sicher sein können, daß sie selbst sich ganz fallen lassen dürfen - anders als im Alltag - weil jemand da ist, der die Gruppe als Gesamtes im Auge behält.

  1. Eine ausgebildete Gruppenbegleitung verfügt zudem über ein Repertoire an methodischem Wissen, wie man sich bestimmten Themen, Gefühlen und Aufgaben nähern und ihnen Ausdruck geben kann.
  2. Auch in Trauergruppen können Konflikte innerhalb der Gruppe entstehen, deren Auswirkung oft besonders gravierend ist, da sie ja Menschen trifft, die ohnehin seelisch schwer verletzt sind. Auch hier kann es erleichternd sein, wenn jemand die Gruppe begleitet, der den Umgang mit Konflikten gelernt hat.
  3. Ein weiterer Vorteil einer begleiteten Gruppe wird erst spürbar, wenn die Gruppe schon längere Zeit besteht. Wenn nämlich erste Gruppenmitglieder die Gruppe verlassen, weil sie sich stark genug fühlen, ihren weiteren Weg alleine zu gehen. Die Wenigen, die zurückbleiben, treffen sich fortan womöglich lieber privat als Neubetroffene ausfzunehmen, weil sie einerseits froh sind, daß es ihnen schon besser geht, sie andererseits sich aber noch nicht stabil genug fühlen, um mit den "Neuen" noch einmal "von vorn" anzufangen. Sie haben Sorge, selbst wieder in die Tiefen der Trauer zurückgezogen zu werden. So schlafen Gruppen nach einiger Zeit häufig ein. Die nächsten Betroffenen stehen dann wieder vor der Anstrengung einer Neugründung. Eine ausgebildete Gruppenbegleitung, die selbst schon  stabiler ist, kann hier für Kontinuität sorgen, indem sie den "Neuen" zur Verfügung steht. 

Einen Verein gründen?                                                                                                         Vielleicht überlegen Sie sich, für Ihre Gruppe die Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins zu wählen. Dies kann tatsächlich Vorteile haben, insbesondere für die Einwerbung von Spenden und Bußgeldern, da diese Rechtsform dafür oft Voraussetzung ist. Bedenken Sie bei allen Vorteilen bitte auch, daß ein Verein zusätzlichen bürokratischen Aufwand bedeutet. Sollten Sie sich für eine Vereinsgründung entscheiden und Fragen dazu haben (z.B. zur Satzung, Logo , Namen "Verwaiste Eltern"), melden Sie sich gerne bei uns in der Bundesgeschäftsstelle. 

 

 


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