Rahmenbedingungen

Rahmenbedingungen für die Arbeit einer Gruppe

Hier finden Sie Gedanken zu

  • Gruppengröße
  • Anrede untereinander
  • Dauer einer Sitzung
  • äußerem Rahmen
  • formalem Ablauf einer Sitzung.

Wie groß sollte eine Selbsthilfegruppe sein?

Eine Selbsthilfegruppe sollte in der Regel nicht weniger als sechs und nicht mehr als zwölf Personen umfassen, wenn die Arbeitsprozesse effizient sein sollen. Bei zu geringer Anzahl fehlt es an Vielfalt in den Beziehungen untereinander und es kann besonders zu Beginn die Angst auftreten, dass die Gruppe auseinander bricht

Bei einer zu hohen Personenzahl ist das Gruppengeschehen für die Mitglieder fast nicht mehr überschaubar, und es wird schwer, intensive und vertrauensvolle zwischenmenschliche Beziehungen zueinander aufzubauen. Die Gruppenmitglieder entwickeln dann keine persönliche Bindung an die Gruppe, alles bleibt ein wenig unverbindlich. Eine zu große Personenzahl begünstigt zudem hierarchische und bürokratische Strukturen innerhalb der Gruppe.

Erfahrungsgemäß verlassen einige Mitglieder wieder die Gruppe, und es dauert eine Weile, bis sich ein fester Mitgliederstamm entwickelt hat. Das sind ganz normale und „übliche“ Prozesse und Entwicklungen in Gruppen. Als hilfreich hat sich erwiesen, wenn man sich in der Gruppe darauf einigt, dass jedes neue Mitglied an drei bis fünf Sitzungen teilnimmt und sich dann erst entscheidet, ob eine dauerhafte Zugehörigkeit und Mitarbeit angestrebt wird. Hat sich eine Gruppe gebildet, die verbindlich miteinander arbeiten will, so entscheidet sie gemeinsam, ob später weitere Mitglieder aufgenommen werden sollen oder z. B. über eine Kontaktstelle an andere Selbsthilfegruppen verwiesen werden.

Wie reden sich die Mitglieder an?

Häufig wird die Anrede mit dem Vornamen und dem Du, unabhängig vom Alter, von den Gruppenmitgliedern als erleichternd empfunden und dokumentiert das Vertrauen und die gemeinsame Betroffenheit aller Mitglieder.

Wichtig ist, dass jede Gruppe selbst die Form der Anrede auswählt, mit der alle Mitglieder einverstanden sind. Dabei ist die Einheitlichkeit der Anrede wichtiger als die Form. Denn mit einer Mischform von Sie und Du ginge die Gleichheit innerhalb der Gruppe verloren. Eine Ausnahme kann natürlich die allererste Begegnung bilden, ein Vorgespräch oder eine Art „Probeteilnahme“, wenn Neue noch Distanz wahren möchten.

Wie lange sollte eine Gruppensitzung dauern?

Ein wirkungsvolles Gespräch, in dem Aufmerksamkeit und Konzentration erhalten bleiben, sollte nicht länger als etwa eine oder zwei Stunden dauern; danach ist mindestens eine Pause notwendig. Viele Selbsthilfegruppen haben die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist die Gruppensitzung zu einer festgelegten Zeit pünktlich zu beginnen und nach zwei Stunden auch pünktlich zu beenden.

Manche Gruppen oder einzelne Gruppenmitglieder treffen sich im Anschluss noch für eine gewisse Zeit in einem Café oder in einer Gaststätte zu einer „Nachsitzung“.

Dauert die Sitzung über die vereinbarte Zeit von zwei Stunden hinaus, lässt bei vielen Teilnehmenden die Aufnahmefähigkeit nach oder sie werden unruhig, weil sie eigentlich gehen möchten. Der vereinbarte Beginn und die Dauer sollten stets eingehalten werden, damit das Treffen gemeinsam begonnen und gemeinsam beendet werden kann.

Wie kann der Rahmen einer Sitzung gestaltet werden?

Für die Gestaltung der Gruppensitzung gibt es keine allgemeingültige Regel. Die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe müssen den Rahmen selber entwickeln und er muss für alle Beteiligten annehmbar sein. Die einzelnen Gruppen gestalten ihren Rahmen sehr unterschiedlich.

Es gibt Gruppen, die legen Wert auf eine geordnete und disziplinierte Arbeitsweise; während der Sitzungen darf beispielsweise nicht geraucht, gegessen oder getrunken werden. Andere wiederum bevorzugen einen lockeren Rahmen und eine gemütliche Atmosphäre mit einer Kerze auf dem Tisch, Getränken, Gebäck oder sogar leiser Musik. In manchen Gruppen dulden die Mitglieder keinen Tisch in der Mitte, damit die Körpersprache ganzheitlicher im Gruppenprozess berücksichtigt werden kann. Auf jeden Fall sollte man möglichst im Kreis sitzen, damit sich alle gegenseitig sehen und fühlen können.

Was für die eine Gruppe richtig ist, kann für eine andere unangemessen sein. Deshalb müssen sich die Mitglieder absprechen, damit alle mit dem vereinbarten Rahmen zufrieden sind. Solche Gespräche über die äußeren Rahmenbedingungen können gelegentlich wiederholt werden, denn gerade diese Bedürfnisse, die sich in der Sitzordnung und in Ritualen spiegeln, verändern sich immer wieder im Laufe der Zeit auch durch den Zugang neuer Gruppenmitglieder.

Treffen in neutralem Raum

Für alle Gruppen gilt, dass das Treffen in einem neutralen Raum stattfinden sollte, in dem sich möglichst jeder wohlfühlen kann. Ungünstig sind Hinterzimmer von Gaststätten, wo es häufig zu Störungen durch die Bedienung kommt. Zudem sind Privatwohnungen nicht geeignet, weil immer eine Person als Gastgeberin in eine Sonderrolle gerät. Dies ist in manchen Regionen eher schwierig zu organisieren, denn es müssen auch geeignete und kostenneutrale oder preiswerte Räumlichkeiten gefunden werden.

Treffen auch außerhalb der Gruppensitzungen? (siehe dazu auch Stolpersteine

Es gibt Selbsthilfegruppen, deren Mitglieder auch einen Teil ihrer Freizeit miteinander verbringen. Dabei können sich Freundschaften entwickeln, die die Beziehung zwischen zwei Mitgliedern besonders fest und intim werden lassen, so dass sie mehr voneinander wissen als der Rest der Gruppe. Dies kann auch mal als Konflikt in der Gruppe auftauchen, wenn andere z. B. den Eindruck bekommen, dass hinter dem Rücken oder außerhalb der Gruppensitzung über sie gesprochen wird, oder wenn schlicht Eifersucht entsteht.

Diese Freundschaften sollten auf keinen Fall vor der übrigen Gruppe verheimlicht werden, denn das würde das Vertrauensverhältnis belasten. In jedem Fall löst eine intensive Beziehung zwischen zwei Mitgliedern eine gewisse Verunsicherung in der Gruppe aus. Die Gleichstellung ist gestört und einzelne Mitglieder können sich zurückgesetzt oder sogar hintergangen fühlen.

Diese Situation kann eine Chance für die Gruppe sein, wenn es den Mitgliedern gelingt, ihre eigenen Gefühle und die der anderen ernst zu nehmen und offen darüber zu sprechen. Dadurch festigen sich die Beziehungen untereinander und es kann größere Nähe entstehen.

Einige Gruppen treffen sich in Ergänzung der Sitzungen zu gemeinsamen Aktivitäten, wie Wanderungen, Besuch der Gräber oder Ruderfahrten. Oder sie veranstalten Lesungen und Vorträge. (Dazu mehr unter Gruppenberichte)

Formaler Ablauf eines Gruppenabends

Wenn die Gruppe keine "Begleitung" hat, wählt sie eine Moderatorin für diesen Abend.

1. Eingangsrunde

Eine festgelegte gemeinsame Eröffnung der Sitzung erleichtert es, vom Alltag abzuschalten und sich auf das Gruppengespräch einzustellen und einzulassen. Dazu eignet sich das Vorgehen mit einem „Blitzlicht».

Bei einem Blitzlicht sagt jedes Gruppenmitglied kurz,

- wie es ihm seit der letzten Sitzung ergangen ist

- wie er sich gerade fühlt und

- ob er heute über etwas Bestimmtes sprechen will.

Wichtig ist, dass sich jede wirklich kurz fasst - Faustregel ca. zwei Minuten pro Person, denn aus einem Blitzlicht soll kein Flutlicht werden! Redebeiträge der anderen werden nicht kommentiert, unterbrochen oder gar kritisiert! Man hat die Freiheit, während der Blitzlichtrunde auf eine Äußerung zu verzichten. Nach dem Blitzlicht wird gemeinsam überlegt und entschieden, welche Themen nun besprochen werden. In den meisten Fällen ergibt sich ganz „natürlich“ ein Thema aus dem soeben Gesagten.

Ist Ihre Gruppe größer, wenn z. B. mehr als 14 oder 16 Personen an einem Treffen teilnehmen, empfiehlt es sich, vor dem Blitzlicht ein Zweiergespräch vorzuschlagen z. B.:

„Bitte tauscht euch zunächst kurz mit eurem rechten oder linken Nachbarn darüber aus, was euch heute bewegt, wie es euch geht und was Ihr davon später in die gesamte Gruppe als Frage oder Anliegen einbringen möchtet.“

Lassen Sie den Paaren ca. 10 Minuten Zeit, anschließend ist es wesentlich leichter, ein kurzes Blitzlicht anzuregen und dabei gezielt die Wünsche oder Erwartungen der einzelnen für dieses Treffen herauszufinden.

In noch größeren Gruppen kann das Blitzlicht auch in Kleingruppen mit drei bis fünf Personen durchgeführt werden. Anschließend fragen Sie die Kleingruppen ab, ob bei dem Austausch Wünsche für das heutige Treffen benannt wurden.

2. Themen und Beiträge

Dieser Hauptteil ist natürlich der wichtigste des Abends. Er ist für die Moderatorin aber auch der schwierigste, weil sie außer auf Einhaltung der Zeiten auch die Gesprächshilfen im Auge behalten sollte. Diesen Teil gestalten Gruppen sehr unterschiedlich. In manchen wird mehr geredet, andere benutzen mehr kreative Methoden um sich einem Thema zu nähern. Wieder andere verabreden schon feste Themen im voraus.

3. Abschlussrunde

Es empfiehlt sich, die Sitzung ebenfalls mit einem „Blitzlicht“ zu beenden. Dadurch wird allen Teilnehmerinnen bewusst, wie sie sich fühlen, mit welchen Eindrücken sie die Sitzung verlassen, was sie beim Treffen empfunden haben, mit welchen Gefühlen sie nun nach Hause gehen und über welche Dinge sie vielleicht noch gern gesprochen hätten. Das könnten dann die Themen beim nächsten Treffen werden.

Reicht die Zeit nicht mehr aus für ein Blitzlicht in der ganzen Runde, können die Gruppenmitglieder sich wieder für fünf Minuten mit einer anderen Person austauschen. Anschließend kann z. B. die Gesprächsleitung fragen:

„Möchte noch jemand zum Schluss des Gruppengesprächs etwas sagen?“

Auch diese Äußerungen, die dann eventuell noch gemacht werden, werden nicht mehr kommentiert oder gar diskutiert!

Mit dem Schluss-Blitzlicht ist die Gruppenarbeit abgeschlossen. Es kann sich durchaus noch ein informelles Treffen an einem anderen Ort z. B. in einer Kneipe oder im Café anschließen. Diejenigen, die nach Hause möchten, können gehen - ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Bei den informellen Treffen sollte darauf geachtet werden, dass nicht mehr über die Person gesprochen wird, die vorher ein Thema eingebracht hat! Es versteht sich von selbst dass hierbei auch nicht über diejenigen gesprochen wird, die nicht mehr mitgegangen sind.

Auszug aus "Gruppen im Gespräch - Gespräche in Gruppen". Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V.

Hinweis:

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