Ursachen, Erscheinungsformen, Hilfen

 

von Klaus Jost

Ein praxisorientierter Überblick über depressive und suizidale Störungen und Krisen

Depressionen zählen aufgrund ihrer Häufigkeit und Schwere inzwischen zu den sogenannten Volkskrankheiten. Das Buch informiert anschaulich über depressive und suizidale Störungen und Krisen. Depressivität und Suizidalität in verschiedenen Lebensphasen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen und im hohen Alter, werden in ihren besonderen Ausdrucksformen beschrieben. Möglichkeiten der Hilfe, Behandlung und Formen der Prävention werden systematisch und praxisnah aufgezeigt. 

Leserkreis: Berater/innen, Psychotherapeuten/innen, Seelsorger/innen, Lehrer/innen, Ärzte/innen für Allgemeinmedizin, Pflegekräfte, Studenten/innen helfender Berufe, im psychosozialen Bereich ehrenamtlich Tätige wie z. B. Telefonseelsorge, Besuchs- und Beratungsdienste.   

Autor: Klaus Jost, geb. 1944: Diplom-Psychologe, Dr. phil.; Psychotherapeut und Supervisor; nach mehrjähriger Tätigkeit in der Psychiatrie seit 1996 Leiter der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche im  Caritasverband Offenbach am Main; Dozent für Psychologie und Pädagogik, verschiedene Lehraufträge und zahlreiche Fachveröffentlichungen.

 

Matthias-Grünewald-Verlag

160 Seiten, Paperback

Neuerscheinung März 2006

Preis: € 19,80 / sfr 34,80

ISBN 3-7867-2605- 1

 

Rezension zum Buch von Prof. Dr. N. Erlemeier

Klaus Jost: Depression, Verzweiflung, Suizidalität. Ursachen, Erscheinungsformen, Hilfen

Klaus Jost: Depression, Verzweiflung, Suizidalität. Ursachen, Erscheinungsformen, Hilfen. Ein praxisorientierter Überblick über depressive und suizidale Störungen und Krisen. Matthias-Grünewald-Verlag (Mainz) 2006. 160 Seiten. ISBN 3-7867-2605-1. 19,80 EUR, CH: 34,80 SFr.

 

Hintergrund

Depressionen sind als psychische Störung weit verbreitet. Mindestens 3 - 5 % der Bevölkerung, das sind rund 4 Mio., leiden in Deutschland unter einer behandlungsbedürftigen Depression. Addiert man leichtere Störungsformen hinzu, beläuft sich ihre Verbreitung auf 10 %. Mit Berechtigung kann bei der Depression von einer "Volkskrankheit" gesprochen werden. Das Risiko, im Laufe des Lebens zumindest einmal an einer Depression zu erkranken, lässt sich bei 100 Männern mit 12 - 16 angeben, bei 100 Frauen mit 20 - 26. Zu berücksichtigen ist dabei, dass bei Männern eine höhere Dunkelziffer anzunehmen ist. Der internationale Forschungsstand spricht eindeutig dafür, dass Depressionen mit signifikant erhöhter Suizidgefahr einhergehen, und dass umgekehrt Personen, die sich selbst töten, zu einem hohen Anteil unter psychischen Störungen, vor allem Depressionen, leiden.

Viele Depressionen bleiben in der ambulanten ärztlichen Versorgung jedoch unentdeckt und damit auch nicht oder nur unzulänglich behandelt. Häufig unberücksichtigt bleiben in ambulanten Arztpraxen auch suizidale Tendenzen von Patienten, die häufig im Gefolge von depressiven Störungen auftreten. Diese Problemlage, verbunden mit zahlreichen Einzelschicksalen von Betroffenen, aber auch als Ausdruck ungünstiger Umweltbedingungen, fordert geradezu Maßnahmen der Bewusstmachung, Prävention und Therapie heraus.

Diese Intention verfolgt der Verfasser mit seinem Buch. Es ist grob dergestalt gegliedert, dass zunächst der aktuelle Sachstand und mögliche Ursachen, hier von depressiven Störungen und Suizidalität in drei Altersgruppen (Kinder und Jugendliche, Personen im mittleren sowie im hohen und höchsten Alter) aufgezeigt werden. Daran schließen sich jeweils Kapitel über Hilfs- und Interventionsmöglichkeiten an. Dem Autor geht es dabei vor allem auch um praktische Hilfestellung, d. h. um Vorschläge zur Umsetzung in die Praxis von Beratung und Therapie.

Das Werk ist so verfasst, dass es ohne spezifische Fachkenntnisse mit Gewinn gelesen werden kann. Es richtet sich nicht an bestimmte Adressaten, scheint dem Rezensenten jedoch besonders geeignet zu sein für Vertreter sozialer und pflegerischer Berufe, ebenso für Ehrenamtliche, die in der Beratung und Begleitung von Menschen in Krisen stehen, für Berufe der Seelsorge und nicht zuletzt für Betroffene und nahestehende Personenkreise.

Der Autor, promovierter Diplom-Psychologe, Psychotherapeut und Supervisor, leitet eine Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbandes Offenbach a. M. Seine Praxiserfahrungen kommen dem Buch an vielen Stellen zugute

 

Aufbau

Ohne Vorwort / Einführung gliedern sich die Inhalte nach Kapiteln, die keine Ordnung nach Nummern tragen, sondern durch die jeweiligen Anfangsseitenzahlen markiert werden. Das erschwert dem Leser etwas den Einstieg in Anlage und Systematik des Buches. Es lässt sich nach erster Durchsicht grob in mehrere Themenblöcke gliedern.

 

Erster Themenblock: Depressionen

Der erste Themenblock,der sich mit Depressionen befasst,beginnt allgemein mit deren Verbreitung, Entstehung und Diagnostik. Hier und in die folgenden Kapitel werden instruktive Fallbeispiele zur Verdeutlichung der Problematik eingeführt und im Text kurz interpretiert. Das hilft dem Leser, sich an Einzelfällen in die besondere Problemkonstellation "einzufühlen" und den zugehörigen Textteilen Anschaulichkeit zu verleihen. Dazu tragen auch Abbildungen bei, die vor allem statistische Daten verdeutlichen.

Im nächsten Kapitel befasst sich der Autor spezifisch mit Depressionen bei Kindern und Jugendlichen, aufgebaut nach der Systematik: Vorkommen und Verbreitung, diagnostische Abklärung, Erscheinungsbilder und Ausdrucksformen, Ursachen und Risiken, mögliche Folgen der Depressionen für Kinder und Jugendliche, die dann überleiten zu den Interventionsmöglichkeiten und -notwendigkeiten.

Ähnlich in der Gliederung verfährt der Autor mit "Depressionen im Erwachsenenalter und hohen Alter". Es werden die besonderen Belastungen von Erwachsenen bis ins hohe Alter thematisiert, die Depressionen auslösen können. Folgerichtig kommen danach die Hilfen im Umgang mit depressiven Erwachsenen und Behandlungsmöglichkeiten zur Sprache. Wiederum sehr hilfreich sind mehrere Fallbeispiele, die den Text lebendig und nachvollziehbar werden lassen.

 

Zweiter Themenblock: Suizidalität und suizidales Verhalten

Der zweite Themenblock widmet sich gezielt der Suizidalität und dem suizidalen Verhalten. Ähnlich wie im ersten wird zunächst die allgemeine Problemlage mit Hilfe von Statistiken aufgezeigt. Formen der Suizidalität und Angaben über Selbsttötungsmethoden schließen sich an. Übergeleitet wird dann zu Ursachen, Motiven und Risiken suizidalen Erlebens und Verhaltens. Die Einschätzung der Suizidgefährdung, d. h. diagnostische Fragestellungen stehen im Mittelpunkt des folgenden Kapitels. Hier gewinnt die Einengung als Leitsymptom des "präsuizidalen Syndroms" (Ringel) für die Diagnostik des Schweregrads suizidaler Gefährdung besondere Beachtung. Ein kurzes Kapitel greift den Umgang mit Menschen nach einem Suizidversuch auf. Das Stichwort lautet: Nachsorge.

Getreu seiner Altersgruppensystematik befasst sich der Autor im nächsten Kapitel (17 Seiten) mit Suiziden und Suizidversuchen bei Kindern und Jugendlichen. Die Überschrift lautet: "Ich hau' ab für immer - Wenn Kinder und Jugendliche nicht mehr leben wollen". Die Gliederung folgt dem vom Autor bevorzugten Muster: Auftretenshäufigkeit von Suiziden und Suizidversuchen, Ausdrucksformen, Ursachen, Motive und Risiken, diagnostische Sachverhalte und Zugänge und schließlich der Umgang mit Kindern und Jugendlichen nach Suizidversuch. Vergleichbar und altersspezifisch gegliedert behandelt der Autor das Thema "Suizidalität und Suizid im Erwachsenenalter" (10 Seiten) und auf acht Seiten nach dem gleichem Schema das Thema bezogen auf das hohe Erwachsenalter und bei betagten Menschen. Die Überschrift beginnt mit "Auch der liebe Gott hat mich vergessen". Treffende Fallbeispiele für altersspezifische Suizidalität kommen auch im zweiten Themenschwerpunkt zum Tragen.

Aus den Kapitelumfängen wird allerdings ersichtlich, dass der Autor, wie auch dem Klappentext zu entnehmen ist, seinen Schwerpunkt auf die Suizidalität von Kindern und Jugendlichen legt.

 

Dritter Themenblock: Krisen und Bewältigungsmöglichkeiten

Der dritte Themenblock steht unter der Überschrift: "Menschen am Wendepunkt - Erleben von Krisen und Möglichkeiten der Bewältigung". Das Altersgruppenprinzip wird hier durchbrochen zugunsten der übergreifenden Thematik: Krise, Krisenbewältigung, Krisenintervention. Zunächst wird der Krisenbegriff geklärt. Dann geht es um das Erleben von Krisen, um Arten von Krisen und ihre Entstehung, um günstige und ungünstige Bedingungen von Krisenverläufen und deren Bewältigung. Integriert in den Text werden wie in allen anderen Kapiteln für den Leser gut ausgewählte und nachvollziehbare Fallvignetten.

 

Vierter Themenblock: Hilfen und Interventionsmöglichkeiten

Für den Rezensenten schließen sich die beiden folgenden Kapitel zu einem vierten Themenblock zusammen, auch wenn eine klare numerische Zuordnung nicht gegeben ist. Es geht um Hilfen und Interventionsmöglichkeiten.

Im ersten Kapitel konzentriert sich der Autor auf das Angebot an Hilfen bei Depressionen. Im Einzelnen angesprochen werden therapeutische Methoden, u. a. die kognitive Verhaltenstherapie, die interpersonelle Psychotherapie und Familientherapie. Nicht unerwähnt bleibt die so genannte "Internettherapie", der jedoch mit größter Skepsis begegnet werden sollte. In der Praxis werde von den meisten Therapeuten ein eklektisches, "Therapiemethoden übergreifendes Konzept" verfolgt. Angesprochen werden in diesem Kapitel auch die Möglichkeiten von Selbsthilfegruppen, ferner die Bedingungen konstruktiver Krisenbewältigung sowie Formen und Einrichtungen der Krisenintervention bis zu den Hilfen für "Zurückgelassene" nach Suizid. Z. B. findet die Initiative AGUS (=Angehörige um Suizid) Erwähnung.

Das folgende Kapitel thematisiert die Prävention von Depressionen und suizidalem Verhalten in ihren primären, sekundären und tertiären Formen. Beachtung findet das "Nürnberger Bündnis gegen Depression", nicht aber die seit 2002 laufende Initiative des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland, die dem Autor bei der Abfassung seines Buches wohl noch nicht bekannt war. Die Vorschläge, die dort gemacht werden, hätten seinen Ausführungen noch mehr Nachdruck verleihen können. Sein Schluss "Es fehlen politisch-programmatische Aussagen zu wichtigen Fragen der Suizidprophylaxe" (S. 152) kann in dieser Verallgemeinerung nicht mehr aufrechterhalten werden.

Das Buch schließt mit einem ausführlichen Literaturverzeichnis, das Publikationen bis 2005 berücksichtigt. Dem Leser, der nach Kontaktadressen oder Namen von Hilfeeinrichtungen und Institutionen sucht, wird leider nicht weitergeholfen. Solche weiterführenden Hinweise wie z. B. auf Kontaktadressen der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention oder von AGUS wurden vom Autor nicht aufgenommen.

 

Fazit

Es handelt sich um ein solides, durch Theorie und Empirie gut abgesichertes Buch, das ein breites thematisches Spektrum umfasst. Als Einführung in den komplexen Problembereich von Depression und Suizidalität kann das Werk empfohlen werden. Es gewinnt vor allem durch eine auch dem nicht fachkundigen Leser verständliche und klare sprachliche Diktion, ferner durch Gestaltungselemente zur Hervorhebung von zentralen Gesichtspunkten und Kernaussagen. Sehr hilfreich und instruktiv sind auch die zahlreichen Fallbeispiele, die durch Balken gut hervorgehoben werden. Sie liefern dem Leser das Anschauungsmaterial, um den theoretischen Ausführungen die entsprechende Praxis- und Erlebnisnähe zu geben. Praxisnah sind auch die zahlreichen Anregungen und Vorschläge zur Einschätzung depressiver Entwicklungen und suizidaler Gefährdung. Der Leser erhält Einsichten, die den Umgang mit depressiven und suizidalen Menschen verschiedenen Alters erleichtern können. Zugehende, lebensfeldnahe Unterstützungsformen stehen dabei im Vordergrund. Positiv zu werten ist auch, dass der Autor Prävention, Krisenintervention und Therapie nicht nur technisch-methodisch abhandelt, sondern den Bezug zu übergreifenden Sinn- und Existenzfragen herstellt, mit denen Menschen in Krisen, d. h. an Wendepunkten ihres Lebens, konfrontiert werden.

Am Rande sei noch angemerkt, dass bei einer 2. Auflage die inhaltliche Gliederung sowie die Quellenangaben bei Zitaten (Seitenzahlen fehlen!) verbessert werden könnten. Wichtige Kontaktadressen (s. oben) sind ebenfalls zu empfehlen.

 

Rezensent

Prof. Dr. Norbert Erlemeier

Zitiervorschlag

Norbert Erlemeier. Rezension vom 06.06.2006 zu: Klaus Jost: Depression, Verzweiflung, Suizidalität. Ursachen, Erscheinungsformen, Hilfen. Matthias-Grünewald-Verlag (Mainz) 2006. 160 Seiten. ISBN 3-7867-2605-1. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/3795.php, Datum des Zugriffs 08.06.2006.

 


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