In meinem Herzen die Trauer. Texte für schwere Stunden -Ein Begleitbuch, hrsg. von Lis Bickel und Daniela Tausch-Flammer. Herder-Verlag Freiburg, Basel, Wien 1998 (herder spektrum, Band 5090)

Das Buch liegt 2008 in 5. Auflage vor.

 

Die beiden Herausgeberinnen sind nicht nur erfahren in der Begleitung von Sterbenden wie von Trauernden; sie sind auch ein eingespieltes Autorinnenteam. Tausch-Flammer ist Psychologin und die Initiatorin des Stuttgarter Hospiz-Dienstes. Bickel arbeitet im Stuttgarter Hospiz-Dienst ebenfalls mit. Sie ist Kunsttherapeutin und Pädagogin. In der Spektrum-Reihe des Herder-Verlages haben beide schon mehrere Bücher gemeinsam herausgegeben. Alle sind sowohl einfühlsam als auch ganz praktisch und nahe am Leben. So auch dieses.

Die Sammlung von bewährten Texten ist getragen von dem Gedanken, "dass sich viel Heilendes in der Stille vollzieht, dass die Natur, das Hören von Musik und die innerre Verarbeitung durch Gelesenes noch einmal ganz andere Schichten in uns berühren", als es die Begleitung durch Menschen vermag.

Das Buch ist als stiller Begleiter für Trauernde auf ihrem Weg gedacht, nicht zum raschen "Verarbeiten". Die beiden Autorinnen gliedern dabei nach den unterschiedlichen emotionalen Befindlichkeiten auf diesem Weg. Genauso lassen sich die einzelnen Kapitel auch als Schritte oder Stationen auf dem Trauerweg lesen, aber die Abfolge ist nicht zwingend. Die kluge Zusammenstellung widmet sich u. a. folgenden Themenkreisen: Trösten -Einsamkeit -Vermissen und Fragen -Sehnsucht nachzusterben -Schuld und Vergebung -Endgültigkeit des Verlustes -Ahnen und Träumen -Wiedersehen -Dankbarkeit -Treue -Festhalten und Loslassen. Sie sprechen auch vom Entschluss, das Leben wieder anzunehmen, und von der spirituellen Dimension der Tröstung, dem Heiligen Geist. Das Buch macht ausdrücklich Mut auch zu Gefühlen wie Wut, Ärger und Zorn, die im Zusammenhang mit Trauer und dem Andenken an die Toten oft tabuisiert werden.

Die Autorinnen danken "all den Unbekannten, dich sich ringend, schreibend und dichtend diesem Thema zuwandten". Doch sie haben nicht nur Gedanken anderer gesammelt, sondern betten diese ein in ihren eigenen betrachtenden Text zum Thema, der den Leser mitnimmt und zu ihm spricht. Hier sind viele Erfahrungen aus der langjährigen Praxis der beiden eingeflossen, manche überraschende Erkenntnis, die auch für die Begleiter von Trauernden wichtig sind und für alle, die sich als Freunde Trauernden nahe fühlen. Dass die Autorinnen gleichzeitig die Perspektive von Trauernden ("Für uns als Trauernde...") und die von erfahrenen Begleiterinnen einnehmen, hat mich zum Teil irritiert. Aber sie sprechen auch von "positiver Neutralität und liebevoller Distanz", die Trauernden in mancher Seelenverfassung guttun kann. So kann in diesem Buch jeder, der aufnahmebereit ist, das für ihn Annehmbare finden. "Die Begegnung mit der Erfahrung anderer kann in der Trauer helfen. Beim Lesen kann es geschehen, dass etwas versöhnter, leichter, getrösteter wird; dass man sich angerührt und verstanden fühlt; dass die Trauer sich dadurch verwandelt."

Das Buch ist, wie gesagt, keine Sammlung zum Nachschlagen von Texten, sondern bereits Verarbeitung. Deshalb ist es nicht immer leicht herauszufinden, wann welcher Text von wem endet oder beginnt. Autoren von zitierten Erfahrungsberichten werden (verständlicherweise) nicht namentlich genannt. Sie stehen gleichberechtigt neben Prosa und Lyrik beispielsweise von Hilde Domin, Rainer Maria Rilke, Marie Luise Kaschnitz, Dorothee Sölle, Else Lasker-Schüler, Eugen Drewermann, Friedrich Rückert, Theodor Storm oder Anne Philipe. Eine bestimmte Denkungsrichtung wird nicht vorgegeben, aber es ist doch deutlich zu spüren, dass die Autorinnen im christlichen Glauben verwurzelt sind und daraus auch Kraft für ihre Arbeit gewinnen.

Beate Bahnert, März 2008


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