Lieber Florian!

Ich weiß, dass es dir im Himmel gut geht,

aber es ist so schwer, die loslassen zu müssen.

Nur sechs oder sieben Wochen deines irdischen Lebens

haben wir miteinander teilen dürfen.

War dein kleines Herz nicht stark genug?

Warst du so krank, dass du auf dieser Erde nicht überlebt hättest?

Hat Gott, unser Vater, eine viel wichtigere Aufgabe für dich,

als mit und bei uns zu leben?

Es muss eine große Aufgabe sein, die du erfüllen darfst.

Und Gott muss uns sehr lieben, dass er uns das alles zumutet.

Doch es ist so schwer für mich, es zu verstehen.

Ich freue mich darauf, mit dir in der Ewigkeit zusammen zu sein.

Viel lieber aber wäre ich jetzt schon mit dir zusammen!

In meinem Bauch wärest du nun ungefähr 9 cm groß und 45 g schwer -

fast so wie eine Mini-Babyborn.

Viel lieber würde ich dich im Juli zur Welt bringen,

als noch so lange warten zu müssen, bis ich dich endlich sehen darf.

Nie wird ein Arzt sagen: Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Junge!

Nie werde ich deinen ersten Schrei hören.

Nie wird Bernd deine Nabelschnur durchtrennen dürfen

und mich mit Tränen in den Augen glücklich ansehen.

Nie wirst du auf meinem Bauch liegen

und mich mit großen, staunenden Augen ansehen.

Nie kann ich meine Verwandten und Freunde anrufen und sagen:

Heute ist Florian geboren!

Nie wirst du an meiner Brust trinken.

Nie nach deinem Schnuller schreien.

Nie werde ich dein kleines Gesicht mit der winzigen Nase

und dem kleinen Mund streicheln.

Nie deine Finger spüren, die reflexartig einen meiner Finger umfassen.

Nie werde ich deinen Duft einatmen,

dir die ersten flauschigen Haare bürsten und dich fürsorglich anziehen.

Ich kann dich nicht wachsen und gedeihen sehen,

dich bei deinen ersten unsicheren Schritten festhalten,

dich vor Glück durch die Luft wirbeln

und mich an deinen glucksenden Jauchzern erfreuen.

Nie werde ich deine kleine Hand in der meinen spüren,

deine Stimme hören, wenn du die ersten Worte sprichst,

deinen Geschwistern sagen können: Schaut, das ist euer Bruder!

Es ist so schwer.

Werde ich es überhaupt jemals verstehen?

Noch weiß ich es nicht.

Aber ich werde dich nie vergessen.

Wenn du auch nur kurze Zeit auf dieser Erde hattest:

in meinem Herzen bleibst du - für immer.

Deine Mama (Gabriele Peschel)

 

(geschrieben in den schweren Wochen der Trauer nach der Fehlgeburt unseres fünften Kindes am 2.1.04 in der 12. SSW)

 


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