Grußwort der 1. Vorsitzenden
Liebe Leserin, lieber Leser,

Liebe zu unseren Kindern, Brüdern und Schwestern bleibt, diese Liebe kann auch der Tod nicht trennen.
Manchmal, wenn der Schmerz wieder sehr groß ist, hält uns die Liebe und lässt uns die Kraft zufließen. Eine Kraft, unbeschreiblich, das Unfassbare zu ertragen.
Dieser Liebe Ausdruck zu geben, ist eine unserer Aufgaben geworden, sie kann unterschiedlich aussehen und jede und jeder von uns zeigt ihre oder seine Trauer anders.
In unseren Gefühlen, Gedanken und Taten sind unsere Verstorbenen lebendig und gegenwärtig, egal wann, wo und wie sie gestorben sind. Täglich stehen wir auf und denken an sie, voller Liebe und Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann.
Als wir, mein Mann und ich, das letzte Weihnachten wieder einmal außer Haus verbrachten, wollten wir für die Liebe zu unseren Sohn etwas tun.
Immer wieder Weihnachten und den Jahreswechsel ohne unser Kind, ohne unseren Sohn. Jedes Jahr — immer wieder holt es uns ein.
Immer wieder die Gewissheit, nie mehr eine Familie zu sein — Vater — Mutter — Kind.
Auch die Hoffnung auf Enkelkinder ist uns genommen.
Die letzten Jahre haben wir mal so und mal so überlebt, die Jahreszeiten »überstanden« und wieder ging die Zeit, ging ein Jahr vorbei.
Seit dem Tod unseres Sohnes war es uns nicht mehr möglich, das Weihnachtsfest zuhause zu verbringen. Die Weihnachtszeit empfanden wir besonders schwer, daran hat auch die Zeit nichts verändert, Weihnachten — das Fest der Familie.
Nach Reisen in ein Kloster und Urlaub mit Bekannten, entschlossen wir uns, in Gegenden zu reisen, wo wir als Familie glücklich waren.
So wagten wir uns an die Ostsee zu fahren, nach Warnemünde.
Wir waren dort, als ich mit Carsten schwanger war, Zeit der Hoffnung und Erwartung für unser weiteres Leben.
Als wir ankamen, erinnerten wir uns an diese schöne Zeit und hatten Glücksmomente, aber auch Gefühle voller Schmerz.
Vieles hatte sich verändert und wir stellten fest, täglich bestimmt die Veränderung unser Leben.
Im Herzen ist er immer dabei, auch im Gespräch ist seine Gegenwart zu spüren.
Wir reden noch und er wird nicht totgeschwiegen, das ist uns wichtig.
Am 24. Dezember tranken wir eine Flasche Wein, die wir leer zur Seite stellten, um ihr noch eine Bestimmung zu geben.
Ein Blatt Papier mit Gedanken voller Liebe für all die verstorbenen Kinder und unseren Sohn wurde beschrieben, Grüße, Wünsche, eigene Gedanken 1
An einem grauen 2. Weihnachtsfeiertag buchten wir eine Fahrt auf hohe See, mit der »Baltic« — so hieß das Schiff. Tief in meiner Tasche lag die Flasche, geschützt und behütet.
Das liebevoll beschriebene Büttenpapier wurde in die gut verkorkte und mit Wachs versiegelte Flasche gegeben.
Nun begab sich diese Flasche voller Liebe auf eine unbekannte Reise. Das Schiff war fast leer, da schlechtes Wetter war. Das war uns gerade recht, denn wir waren an Deck allein, und so konnten wir die Flaschenpost dem Meer übergeben. Mit Tränen in den Augen sendeten wir den Gruß an die Tiefe des Meeres, an die Tiefe der Trauer und die Tiefe der Liebe...
Die Flasche schwamm und ging nicht unter, eine Möwe setzte sich kurz darauf.
Ob sie wusste, an wen diese Post gerichtet war?
Schnell verloren wir die Flaschenpost aus den Augen, doch wir fühlten uns in Liebe verbunden mit unserem Sohn und auch verbunden mit all den verstorbenen Kindern und deren Eltern.
Wir wissen nicht, wo die Flasche strandete, aber wir wissen, wir sind nicht allein, und das Band der Liebe wird uns immer mit unseren Kindern verbinden.
Denn Trauer ist Liebe und die Liebe ist das Band, das der Tod nicht trennen kann.
In enger Verbundenheit
Ihre Petra Hohn, Mutter von Carsten
1. Vorsitzende des Bundesverbandes Verwaiste Eltern in Deutschland e.V.


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