"Ein Hauch von Leben - unvergessen"

 .....steht auf dem schönen Grabstein, der von dem Göttinger Steinmetz Herrn Wolf für das Grabfeld gestiftet wurde, auf dem Kinder, die vor der Geburt verstorben sind, bestattet werden können.

Frau Birgit Scharnowski-Huda die sich für dieses Grabfeld eingesetzt hat, dankt in ihrer Rede zur Einweihung dieses Steines "...dieser Stein ist wirklich etwas Besonderes geworden: In ihm zeigt sich, was verwaiste Eltern im Leben nicht weitergeben können: Die Liebe zu den ganz Kleinen, die zu früh wieder gingen. Und der Regenbogen, als Symbol der Hoffnung kann zeigen, dass Trauer nicht endlos lange anhalten muss"

Diese Feierstunde am 21. September 03 war der Abschluß eines langen Weges.

Ich lernte 1994 Frau Scharnowski-Huda in meiner Trauergruppe der "verwaisten Eltern in Göttingen "kennen. Schon nach kurzer Zeit spürte sie, daß der Verlust ihres kleinen Sohnes andere Fragen aufwarf, als die bei den Eltern, die mit ihren Kindern eine Zeit lang leben durften .... und sie hatte den Mut,- über die Anbindung des Vereins"Regenbogen"-,eine eigene Selbsthilfegruppe für Eltern anzubieten, deren Kinder vor und um die Geburt herum gestorben sind. In ihrer sehr persönlichen Rede sagte sie: "Ich war mit meinem dritten Kind schwanger und hoffte, ein gesundes Kind zu bekommen, aber Simon war gestorben, noch in meinem Bauch, und ich brachte ihn tot zur Welt. Dieser frühe Tod meines Kindes hat mich verändert und meinem Leben eine andere Richtung und Dimension gegeben."

Angeregt durch die Bewegung seit 1998 und der IR Umfrage, die deutlich machte, daß nur wenige Kliniken für eine anonyme Bestattung der tot geborenen Kinder sorgten, setzte sie sich, -auch mit der Kompetenz der Kinderkrankenschwester - in Göttingen für eine würdige Bestattungsmöglichkeit ein. Unterstützt von Teilnehmerinnen ihrer Gruppe, Ärzten, Gerichtsmedizin, Institut für Pathologie, und kath. und ev. Pfarrern konnten seit 2000 einige Bestattungen auf dem städtischen Friedhof durchgeführt werden. Seit 2002 finden nun die Beerdigungen - unentgeldlich - durch ein Bestattungsunternehmen auf dem besonderen Grabfeld des Friedhofs der ev. Kirchengemeinde Petri/Göttingen - Weende statt..

Aus diesem Anlaß feierte die Gemeinde einen besonderen Gottesdienst mit schönen Liedern, die Mut zum Leben machten; dem 73. Psalm und und Gen.28,- der Geschichte, in der Jakob einen Gedenkstein für seine Erfahrung mit Gott aufrichtet. Pastor Petrag formulierte es so: "In seiner Dunkelheit auf dem harten Stein sieht Jakob "Der Herr stand über ihm". Und zugleich steht da: ..neben ihm" Über und neben! Im Hebräischen ein Wortmit zwei Bedeutungen. Beides aber gilt und ist zusammen gemeint. Der Herr ist hoch erhaben. Und: Gott kommt die Leiter/Treppe runter, um dort bei dem zu stehen, der auf hartem Stein liegt. Deswegen gibt Jakob dem Stein einen Namen. Deswegen kann er von diesem Ort weggehen. Weil er weiß, dass der Herr nicht oben in der Ferne bleibt, sondern herunter kommt um nah zu sein und mitzugehen ...Wir brauchen einen Ort der Trauer, wir brauchen den Stein, der alles aufnimmt. Wir brauchen den, der mitgeht, damit wir gehen können, wohin er uns stellt. Amen"

Der politischen Rahmen dieser Feierstunde am "Tag des Friedhofes" wurde am 19.9.03 durch den Pressebericht "Eltern können sich würdig verabschieden" unterstrichen.

Brigitte Baumann "verwaiste Eltern Göttingen"

 

Eltern können sich würdig verabschieden

Bei ganz sensiblen Themen ist die Einigkeit im Landtag manchmal erstaunlich groß: Alle Abgeordneten haben am Donnerstagmittag für einen Antrag von CDU und FDP votiert, wonach auch Tot- und Fehlgeburten von einem Gewicht unter 500 Gramm auf einem Friedhof bestattet werden können. Bislang wurden diese Föten meist als Klinikabfall entsorgt. Ärzte sollen die Eltern ausführlich über die Möglichkeit informieren und die entsprechenden Friedhofsbestattungen bereitstellen. "Ich freue mich sehr, dass so ein Antrag quer durch alle Parteien zu Stande gekommen ist", sagt Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Nach Ansicht von Britta Siebert, CDU-Politikerin aus Wolfenbüttel, bekommen Eltern "So die Chance, sich würdig von ihren Kindern zu verabschieden". Gesine Meißner (FDP) machte sich dafür stark, dass es auch kostengünstige Bestattungsformen für Familien mit geringerem Einkommen geben sollte. Ursula Helmhold von den Grünen nutzte die Gelegenheit, noch einmal für eine Liberalisierung der Friedhofsordnung zu werben: Der Sargzwang sollte wegfallen, die Leichen könnten in Tücher eingewickelt werden, wie in islamischen Ländern üblich. Eine Urne sollte nicht nur auf dem Friedhof, sondern auch im Wald vergraben werden können. Dass sich für diese Vorschläge ebenfalls eine so breite Landtagsmehrheit finden lässt, scheint fraglich. dö

Quelle: Göttinger Tageblatt vom 19.09.2003


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