Bestattungen - Reform des Bestattungsgesetzes verzögert sich. Bedenken gegen Friedwälder

 

ISNY. Die Reform des Bestattungsgesetzes in Baden-Württemberg verzögert sich. Grund sind die Bedenken der Kirchen gegen die Einrichtung von Friedwäldern, in denen die Asche von Verstorbenen in einer kompostierbaren Urne unter Bäumen vergraben wird. Ursprünglich sollte die Gesetzesnovelle bis Jahresende verabschiedet werden. "Wir wollen aber nichts übers Knie brechen und keinen Streit anzetteln", sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Karl Franz.

Auch die geplante Einrichtung des landesweit ersten Friedwalds in Isny im Allgäu wurde, vorerst gestoppt. Die Grundstücksauswahl sei vor Ort umstritten, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Ravensburg. In Schwaigern ist ebenfalls noch kein Friedwald in Sicht. Der Gemeinderat hatte sich zwar grundsätzlich dafür ausgesprochen, die Planungen seien aber erst im Anfangsstadium, hieß es am Freitag.

Vor allem der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgatt, Gebhard Fürst, kämpft entschieden gegen Friedwälder. Anonyme Begräbnisse verstießen gegen die christliche Bestattungskultur, betonte Fürst. Und selbst wenn man kleine Namensschilder an den Bäumen anbrächte, bleibe das Ganze ein naturreligiöser und neuheidnischer Brauch: "An die Stelle der christlichen Hoffnung auf ewiges Leben bei Gott tritt die Rückkehr in den Kreislauf der Natur."

Was die christliche Bestattungskultur zulässt und was nicht, ist jedoch innerhalb der Kirchen umstritten. Der evangelische Landesbischof von Württemberg, Gerhard Maier, teilt zwar manche Bedenken seines katholischen Amtsbruders, ist aber nicht grundsätzlich gegen Friedwälder: Eine christliche Bestattung in einer solch naturnahen Form sei für ihn denkbar, wenn die Namen der Verstorbenen an einem klar erkennbaren Grab festgehalten werden und eine Bestattung nach kirchlichen Regeln möglich ist.

"In der Geschichte der Bestattungskulturen gab es immer Wechsel" beton-te der Sprecher der Landeskirche, Klaus Rieth .Um den Meinungsbildungsprozess voranzutreiben, startete die Kirche am 9. September eine Internet-Umfrage, die am Freitag beendet wurde. Darin stimmten rund 40 Prozent der Teilnehmer dem Satz zu: "Ich will selbst entscheiden; wie und wo ich beerdigt werde." (dpa)

aus Reutlinger Generalanzeiger vom 20.09.2003

 


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